Kroatien (HR)

Kroatien ist 2013 als bisher letztes Land der EU beigetreten. Es ist das 2. Land des früheren kommunistischen Jugoslawien – Unabhängigkeit 1991 – nach Slowenien, das sich für die europäische Zukunft entschieden hat. Weitere Balkanländer warten darauf. 2009 wurde Kroatien Nato-Mitglied. Kroatien ist heute eine parlamentarische Republik.

1997 hat das unabhängige Europäische Medieninstitut (EIM) im Auftrag der EU Kommission – Phare Programm – die Medien bei den Präsidentschaftswahlen in Kroatien im Juni des Jahres beobachtet und ihre Berichterstattung kritisch bewertet. Der Generaldirektor des EIM. Prof. Dr. Bernd-Peter Lange schreibt in seinem Vorwort des Abschluss-Berichts: „Croatia today is no longer a communist country. And relatively speaking, she is free. But the need for concern – and vigilance – from both democratically-minded people in Croatia and international bodies outside of it, remain high – and not only because her current leader sees General Franco as an admired model to emulate. As media activities (and the lack of them) in these presidential elections show, Croatia is still far from democracy“. Im Bericht des gleichen Instituts aus dem Jahr 2000 – Assessment of the Croatian State Broadcaster HTV – wird der staatlich gesteuerte Rundfunkveranstalter an den Standards des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Westeuropa gemessen. Es wird der Mangel an politischer Unabhängigkeit, der Mangel an rechtlichen Garantien für seine Selbständigkeit und der Mangel an Selbstverwaltung festgestellt.

Damit wird deutlich, wie weit der Weg eines ehemals kommunistischen Landes ist bis zu einer Mitgliedschaft in der EU, da für die EU Demokratie, freie Medien und Rechtsstaatlichkeit konstitutiv sind.

Kroatien liegt auf der Balkan Halbinsel. Es grenzt im Norden an Slowenien und im Osten an Ungarn und Serbien. Außer dem Hauptgebiet hat Kroatien eine langgezogene Küste an der Adria (bekannt als Dalmatien) mit mehr als 1000 Inseln. Das südlichste Gebiet ist das um Dubrovnik. Es ist eine kroatische Exklave, die in einem kurzen Abschnitt ganz im Süden an Montenegro grenzt. Bosnien-Herzegowina, das südlich des Hauptgebietes von Kroatien östlich hinter dem kroatischen Küstenstreifen liegt, unterbricht diesen mit einen kleinen Zugang zur Adria. Die Hauptstadt von Kroatien ist Zagreb. In Kroatien leben 4 Millionen Einwohner, d.h. so viele wie Rheinland-Pfalz. Pro Quadratkilometer zählt Kroatien 74 Personen. Die Kroaten sind zu 86% katholisch und zu 4,4% serbisch-orthodox.

1. Geschichte

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2014, Amphitheater in Pula, Berthold Werner, CC BY-Sa 3.0

Offenbar gibt es den Nachweis von Neandertalern, denn nördlich von Zagreb gibt es ein Neandertal-Museum mit Nachbildungen unserer Vorfahren – ein beliebtes Fotomotiv. Im Altertum gab es frühe griechische Siedlungen im Gebiet des heutigen Kroatiens. 34 vor Christi Geburt verleibte Octavian, der spätere Kaiser Augustus, das Gebiet nach 20 Jahren Krieg dem römischen Herrschaftsgebiet ein. In der Zeit von Kaiser Augustus wurde das heute noch erhaltene Amphitheater in Pula erbaut. Pula liegt an der Spitze, der Kroatien vorgelagerten Halbinsel Istrien. Diese großen römischen Bauten dienten der Bildung des Volkes. Später war Dalmatien Provinz im römischen Reich.

Im 7. bis 9. Jahrhundert begann die Christianisierung im Einflussbereich des oströmischen bzw. byzantinischen Reiches. Zum Ende des 13. Jahrhunderts wurde der Einfluss der römisch-katholischen Kirche stärker.

925 – 1102 bildete sich das kroatische Königreich heraus. Dieses Königreich verteidigte sich erfolgreich gegen einfallende Ungarn. 1102 bis 1526 wurde Kroatien sodann in Personalunion mit dem Königreich Ungarn geführt. Diese Personalunion dauerte mit Ausnahme der Türkenkriege im 16., 17. und frühen 18. Jahrhundert bis 1918 an.

Jahrhunderte lang gab es Kämpfe gegen das Osmanische Reich. Zur Abwehr wurde eine Militärgrenze als ein Gebiet von 50 000 Quadratkilometern und einer Länge von 1850 km gebildet. Es bestand aus Generalaten, Gebieten, in denen Generäle das Sagen hatten: das kroatische 1538-1878, das slawonische 1702-1878, das Banater 1742-1872 und das Siebenbürger Grenzgebiet 1764-1851. Auch orthodoxe Christen wurden hier angesiedelt. Die „Grenzschützer“ erhielten Privilegien.

Nach den Napoleonischen Kriegen fielen Dalmatien, vorher unter der Herrschaft Venedigs, und Istrien an Österreich-Ungarn. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es ein Aufbegehren gegen die zunehmende „Magyarisierungspolitik“ Ungarns, es blieb aber erfolglos.

1918 wurde das vereinigte Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen gegründet, in dem die Serben die (brutale) Vorherrschaft hatten. 1928 wurden im jugoslawischen Parlament mehrere kroatische Politiker, darunter Stepan Radic, der Anführer der kroatischen Fraktion, erschossen. Daraufhin löste Serbiens König Alexander I. das Parlament auf und errichtete, gestützt auf das Militär, eine Königsdiktatur im Königreich Jugoslawien.

Ein Teil der kroatischen Elite floh nach Ungarn und Italien, um von dort für einen großkroatischen Nationalstaat zu kämpfen. In Italien bildete sich mit Unterstützung Mussolinis die faschistische Ustascha-Bewegung. Sie ist 1934 verantwortlich für das tödliche Attentat auf Alexander I. in Marseille.

Am 15. April 1941 im Rahmen des Balkanfeldzuges zog die deutsche Wehrmacht in Zagreb ein. Am 17. April ergab sich das Königreich Jugoslawien, das nunmehr zu einem deutschen Vasallenstaat wurde. Territoriale Veränderungen wurden angeordnet: große Teile von Bosnien-Herzogowina wurden Kroatien zugeschlagen, Dalmatien ging an Italien. Die faschistische Diktatur der Ustascha unter Ante Pavelic´ ließ Hunderttausende Serben und kroatische Antifaschisten, aber auch die kroatischen Juden (geschätzt 40.000) und Roma systematisch verfolgen und ermorden. Das Konzentrationslager Jasenovac wird als Ausschwitz des Balkans bezeichnet. Es gab weitere Lager.

Im Sommer 1941 begann der Aufstand der kroatischen Kommunisten gegen das Ustascha-Regime. Einer der Anführer war Tito. Es gelang diesen „Partisanen“, große Teile des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen. 1945, als das nationalsozialistische deutsche Reich besiegt war, kam es zum Massaker von Bleiburg mit Massenhinrichtungen und Todesmärschen, sozusagen als Rache der Kommunisten an den früheren Unterdrückern. Auch die mit Hilfe der katholischen Kirche und des Vatikans nach Südamerika geflohenen Ustaschas wurden dort verfolgt und umgebracht. (Wikipedia)

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Diego Delso, CC BY-Sa 3.0

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde Kroatien eine von 6 Teilrepubliken des kommunistischen Jugoslawien unter der Führung Titos. 1971 wurde die kroatische Protest- und Reformbewegung niedergeschlagen. Die Serben dominierten Jugoslawien. 1980 starb Tito, der sich außenpolitisch „Block frei“ hielt, also auch auf Distanz ging zu den Kommunisten der Sowjetunion. Die Spannungen innerhalb des „Vielvölkerstaates“ Jugoslawiens nahmen zu. Der Kroate Franjo Tudman, der mit Tito gegen das Ustascha-Regime gekämpft hatte, wurde zum Anführer der kroatischen Unabhängigkeit. Nachdem 1990 ein Mehrparteiensystem zugelassen worden war, gründete er die politische Partei „Kroatische Demokratische Gemeinschaft“ (HDZ). Bei den Wahlen im gleichen Jahr erreichte die HDZ 40% der Stimmen und 67,5% der Parlamentssitze. Tudman wurde zum Staatspräsidenten gewählt. 1991 ergab ein Referendum eine überwältigende Mehrheit für die Unabhängigkeit.

Die von Serben dominierte jugoslawische Volksarmee suchte in einem vierjährigen Krieg die Unabhängigkeitsbestrebungen militärisch zu unterbinden. Auch die UNESCO Welterbestadt Dubrovnik wurde beschossen. 1995 siegten die Kroaten. Beim Abzug der Truppen der Volksarmee wurden militärische Objekte in Kroatien zerstört und strategisch wichtige Zonen vermint (Wikipedia). Unter Tudmans Führung wurde die Ustascha umfassend rehabilitiert.

2. Grunddaten

Die Hälfte der Landfläche Kroatiens wird landwirtschaftlich genutzt. Es werden Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais und Weizen angebaut. Im Bereich der Viehhaltung dominieren Rinder-, Schaf- und Schweinezucht. Die Landwirtschaft trägt 2,8% zum BIP bei, der Dienstleistungssektor 59% einschließlich der 20%, die allein der Tourismus ausmacht, und die Industrie kommt auf 20% Anteil am BIP.

Die Wachstumsraten des BIP lagen 2013 bei -0,6%, nach dem EU-Beitritt 2015 bei 2,3%, 2016 bei 3,2% und 2017 bei 2,6%. Die Arbeitslosenrate lag 2007 bei 14,7%, 2017 bei 12,2%. Das BIP pro Kopf kaufkraftbereinigt lag 2006 bei 18.556,- US Dollar pro Jahr, 2018 nach fünf Jahren Mitgliedschaft in der EU bei 26.256,-, d.h. es hat sich in etwas mehr als 10 Jahren um mehr als 33% gesteigert, wie gesagt Kaufkraft bereinigt, also real! Diese Zahlen deuten darauf hin, dass Kroatien von der Zugehörigkeit zur EU enorm profitiert hat. 2018 hat Kroatien als Nettoempfängerland 660 Millionen Euro mehr von der EU überwiesen bekommen als es selber an Mitgliedsbeiträgen gezahlt hat (statista).

Im Juli 2020 wurde Kroatien mit seiner Währung Kuma die Möglichkeit eröffnet, in zwei Jahren dem Euro beizutreten. In diesen 2 Jahren im „Wartezimmer“ des Euro darf der Wechselkurs der Währung nicht mehr stark schwanken. Diese Perspektive zeigt einerseits das Vertrauen der EU-Institutionen in die Reformfortschritte Kroatiens. Sie zeigt andererseits auch die nach wie vor bestehende Attraktivität der gemeinsamen Währung Euro. Wenn Bulgarien und Kroatien in zwei Jahren das Wartezimmer tatsächlich erfolgreich verlassen können, umfasst die Eurozone 21 Mitglieder.

2016 wurde von der kroatischen Regierung der Generaldirektor des – formal so genannten – öffentlich-rechtlichen Rundfunks HRT entlassen und nach Aussage von „Reporter ohne Grenzen“ durch einen regierungstreuen Direktor ersetzt. Wie hieß es am Anfang diesen Artikels: Der Weg zu unabhängigen Medien in einer Demokratie nach EU Standards ist weit ….

Der HDI lag 2017 bei 0,831.

Kroatische Sprichwörter lauten: „Der Gutmütige und der Dumme sind Brüder“, „Beglichene Rechnung, lange Liebe“ und „ein Mensch ist so viel wert, wie die Anzahl der Sprachen, die er spricht“.

Als kroatisches Nationalgericht gilt Cevapcici mit Zwiebelringen und gegrillter Fisch aus der Adria.

Lettland (LV)

eins der vielen Jugendstilhäuser in Riga.jpg Lettland ist das mittlere der drei baltischen Staaten. Es grenzt im Norden an Estland, im Osten an Russland, im Südosten an Weißrussland und im Süden an Litauen. Die Hauptstadt ist die alte und stolze Hansestadt Riga an der Ostsee. Das imposanteste Gebäude der Stadt ist ein in den neunziger Jahren wieder errichtetes Gildehaus, das sog. Schwarzhäupterhaus vom Beginn des 14. Jhdts. Da das im Juni 1941, gleich nach Beginn des Rußlandfeldzuges von Nazi-Deutschland zerstörte Gebäude zigmal im Internet abgebildet ist, zeigen wir hier lieber ein besonders geschmücktes Jugendstilhaus, zumal Riga durch eine Vielzahl beeindruckender Gebäude des Jugendstils hervorsticht.

Lettland ist seit 2004 Nato- und EU Mitglied und ist 2014 der Euro Zone beigetreten. 2019 lag die Bevölkerungszahl bei 1.940.000 mit abnehmender Tendenz. Lettland ist mit 30 Einwohnern auf den Quadratkilometer relativ dünn besiedelt.

 

1. Geschichte

1237 erschloss der deutsche Orden das Land und begründete die deutsche Einwanderung. Jahrhunderte lang stellte die deutsche Oberschicht das Stadtbürgertum und auch die Großgrundbesitzer.

In der Zeit der Reformation wurden die Letten lutherisch. Im 16. Jahrhundert geriet Lettland in die Abhängigkeit des Königreichs Polen-Litauen. Daher sind Teile Lettlands heute katholisch.

Bis ins 18. Jahrhundert war das Baltikum zwischen dem zaristischen Russland, Schweden und Polen umkämpft. In Folge der 3. polnischen Teilung – ein eigenständiges Polen verschwandt von der Landkarte – wurde Lettland 1795 Russland zugeschlagen, (während Westpolen zu Preußen und die südlichen Teile Polens zu Österreich kamen). Die deutschen Balten durften ihre Privilegien aber behalten.

Nach dem 1. Weltkrieg erklärte Lettland am 18.11.1918 die Unabhängigkeit von Russland und konnte diese auch im lettischen Unabhängigkeitskrieg durchsetzen. Es folgte in den 20er Jahren eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte: 1922 wurden 300 kommunale Bibliotheken eröffnet. Am 7.11.1922 gab sich das Land eine eigene Verfassung, die trotz der Fremdherrschaft in den folgenden Jahren bis heute gilt. Lettland organisierte Schulen in 7 Minderheiten-Sprachen, Ausdruck einer großen Toleranz.

Im 2. Weltkrieg wurde Lettland aufgrund des sog. Hitler-Stalin-Pakts 1940 von der kommunistischen Sowjetunion okkupiert und nach manipulierten Wahlen als „sozialistische Republik“ in das imperialistische Reich eingegliedert. Unter dieser Zwangsherrschaft wurden 15 000 Personen in die sibirischen Gulags verschleppt, von denen 40% nicht überlebten. 81% dieser Verschleppten waren christliche Letten und 12% Juden.

Innenhof von Rigas Ghetto.jpg Im Juni 1941 besetzte Nazi-Deutschland das Land. 70 000 lettische Juden wurden in den Wäldern bei Riga ermordet, sowie ca. 20 000 Juden aus dem „Reich“ und den besetzten Gebieten, die oft schon 1941 nach Riga transportiert wurden. Etwa 140 000 Letten waren in SS Verbänden organisiert und waren an deren zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt. Obwohl das Ghetto nicht weit von den riesigen Hallen des großen Zentralmarktes in Riga entfernt liegt, ist es den Menschen dort kaum bekannt. Hinter einer unscheinbaren Mauer liegt dieser Innenhof, der an einer Holzwand eine Tafel mit einigen Gesichtern von Juden und etwas Text enthält, sowie das hier rechts stehende kleine Denkmal aus dunklen Marmor, in das ein jüdischer Chanukka-Leuchter eingraviert ist. Er endet in gläsernen Behältern für Kerzenlicht.

Zum Ende des 2. Weltkrieges wurde Lettland „befreit“ von der Roten Armee und erneut zwangsweise in die kommunistische Sowjetunion eingegliedert. 1944/45 verließen etwa 200.000 oft gut ausgebildete Letten ihre Heimat. Mehr als 170 Schriftsteller zogen nach West-Deutschland. 1949 wurden mehr als 42 000 Letten, zumeist Frauen und Kinder, nach Sibirien verschleppt. In der Folgezeit war Lettland einer aggressiven Russifizierungs – Politik ausgesetzt. Heute sind 35% der in Lettland lebenden Menschen Russen, Weißrussen oder Ukrainer.

1991 nach dem Zerfall der Sowjetunion erlangte Lettland seine Unabhängigkeit wieder (Wikipedia zur lettischen Geschichte).

2. Grunddaten

Das verarbeitende Gewerbe trägt 25% zum BIP bei: Maschinen- und Fahrzeugbau, Omnibusse, Waggons, Fischverarbeitung als Teil der Nahrungsmittelindustrie und Textilindustrie. Über 30% der Exporte sind Holzprodukte.

Lettland verzeichnet seit dem EU Betritt immer höhere Wachstumsraten des BIP als der EU Durchschnitt oder die Eurozone:

Jahr                Lettland                             EU                  Durchschnitt Eurozone

2011                  6,4%                               1,8%                                           1,6%

2012                 4,0%                             -0,4%                                         -0,9%

2013                 2,4%                               0,3%                                        -0,3%

2014                 1,9%                               1,8%                                           1,4%

2015                3,0%                               2,3%                                           2,1%

2016                2,1%                               2,0%                                           2,0%

2017                4,6%                               2,4%                                           2,4%

2018                4,8%                              2,0%                                           1,9%

Der Global Competitiveness Index weist Lettland 2016 auf Platz 49 von 138 Ländern aus, also auf einem hervorragenden vorderen Platz.

2018 betrug das Kaufkraft bereinigte BIP pro Kopf der Bevölkerung 29.912 US Dollar im Jahr.

2016 betrug die Staatsverschuldung 34,3% des BIP, ein sensationell niedriger Wert. Lettland hat auf den Einbruch der Wirtschaft im Zuge der weltweiten Finanzkrise sehr schnell mit drastischen Sparmaßnahmen reagiert und dann von einem niedrigen Niveau aus einen rasanten wirtschaftlichen Aufholprozess mit technologischen Innovationen begonnen. Dazu trägt der hohe Anteil der schnellen Glasfasernetze für das Breitbandinternet bei. Es gibt in den dünn besiedelten Land mehr als 4500 kostenlose Wifi-Hotspots.

Die Energieerzeugung, was die Elektrizität angeht, erfolgt zu 38% aus Wasserkraft. Hinzu kommen zwei Verbrennungskraftwerke nahe Riga, die mit Erdgas befeuert werden.

Die Eisenbahn in Lettland benutzt noch eine andere Spurweite als in Westeuropa, sodass eine Reise z. B. nach Deutschland mit mehreren Umstiegen verbunden ist.

Kulturell zeichnet sich Lettland als sangesfreudig aus: Alle 5 Jahre gibt es in Riga ein großes Liederfest mit hunderten von Chören.

Das Nationalgericht wird als Pultra bezeichnet, eine gekochte Gerstengrütze, kräftig mit Sauerrahm abgeschmeckt. Ein typisches Getränk ist Kwas oder Kwass, ein alkoholfreier Hefedrink, aus Roggenbrot, manchmal auch Malz, und einer speziellen Hefe zubereitet. Überhaupt ist Brot den Letten heilig.

Litauen (LT)

Litauen ist das südlichste der drei baltischen Staaten. Es grenzt im Norden an Lettland, im Osten an Weißrussland, im Südosten an Polen und im Süden an die russische Exklave Kaliningrad, das frühere preußische Königsberg und Masuren. Hauptstadt ist Vilnius. Litauen wurde 2004 Mitglied der EU und der Nato. 2007 trat es dem Schengen Raum bei, wobei ein erleichtertes Einreisen ermöglichte wurde. 2015 erfolgte dann der Beitritt zur Eurozone.

Litauen umfasst 65.286 Quadratkilometer. 2 800 000 Menschen leben in Litauen, 1992 waren es noch 3,7 Millionen. Trotz guter wirtschaftlicher Entwicklung gibt es nach wie vor eine relativ große Auswanderung.

1. Geschichte

Die eigentliche litauische Geschichte beginnt 1253, als sich der Fürst Mindangas vom Pabst in Rom zum König segnen ließ. Dieses litauische Großfürstentum leistete erfolgreich Widerstand gegen den deutschen Orden, der sich in den nördlichen baltischen Staaten, vor allem in Riga und Reval festgesetzt hatte. In der Schlacht von Tannenberg 1410 wurde der deutsche Orden endgültig zurückgeschlagen.

Die Expansionsbestrebungen nach Osten führten 1362 zur Eroberung von Kiew. Damit geriet Litauen in Konkurrenz zu den russischen Fürstentümern, die ähnlich raumgreifend waren. Ab 1386 wurde Litauen Teil der Union Polen-Litauen. Infolgedessen ging Litauen zu Zeiten der Reformation den polnischen Weg und blieb katholisch.

Mit der dritten Teilung Polens zwischen dem zaristischen Russland, Preußen und Österreich fiel Litauen 1795 an Russland. Zwei polnisch-litauische Aufstände 1831 und 1863 wurden von Truppen des Zaren blutig niedergeschlagen.

Im ersten Weltkrieg wurde Litauen von Deutschland 1915 besetzt. Nach Kämpfen gegen die rote Armee und polnische Truppen konnte Litauen 1918 seine Unabhängigkeit erklären. Ab 1919 gilt das aktive und passive Frauenwahlrecht. Die Republik Litauen gab sich 1922 eine Verfassung, in der sie sich zur parlamentarischen Demokratie bekannte. 1926 jedoch putschte Antanas Smetona, der bis 1940 ein diktatorisches Regime ausübte.

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Ännchen von Tharau in Memel, heute Klaipeda, besungen im gleichnamigen Lied von Simon Dach, ein Sehnsuchtslied geflohener Ostpreußen nach dem 2. Weltkrieg

Am 23. März 1939 musste Litauen nach einem Ultimatum das Memel-Land, dessen Zugehörigkeit seit 1918 umstritten war, an Deutschland zurückgeben. Es stand seit 1918 auf Grund des Versailler Vertrages unter französischer Völkerbunds Verwaltung. 1940 wurde Litauen nach dem Hitler-Stalin-Pakt von sowjetischen Truppen besetzt. Von 1941-1944 folgte die Besetzung durch deutsche Truppen. In dieser Zeit wurde ein Großteil der jüdischen Bevölkerung und dorthin Deportierte von SS und Einsatzgruppen ermordet, insgesamt 135 000. (Angaben von Yad Vashem in Israel).

Nach 1944 schloss sich erneut die Okkupation durch die kommunistische Sowjetunion an – „Wiederbegründung der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik“, die bis 1990 andauerte. Auch dies war wieder eine schreckliche Zwangsherrschaft: Der Diktator Stalin ließ 1949 in einer dritten großem Deportationswelle zehntausende „staatsfeindliche Elemente“ nach Sibirien deportieren.

Im Zuge der von Michail Gorbatschow eingeleiteten Perestroika (Umgestaltung), die im Baltikum die „singende“ Revolution auslöste, erklärte sich Litauen als erste Sowjetrepublik zum souveränen Staat. Am 13.1.1991, dem Blutsonntag von Vilnius, versuchten Streitkräfte der Sowjetunion, Spezialkräfte des sowjetischen Innenministeriums des Inlandsgeheimdienstes (OMON) und des KGB – das sind die, die seit August 2020 in Minsk die friedlich und unbewaffnet demonstrierenden Frauen verhaften und brutal foltern – , erfolglos die junge Demokratie mit Panzern buchstäblich niederzuwalzen. 14 jugendliche Demonstranten wurden am Fernsehturm, ihrem Symbol der Freiheit, erschossen und mehr als 1000 verletzt. Hier in Litauen war es mit der Perestroika offenbar nicht weit her … Es wird daher verständlich, wieso die litauische Bevölkerung sich besonders solidarisch zeigt mit den Protesten gegen die gefälschte Präsidentenwahl in Weißrussland und gegen den Diktator Lukaschenko. Für Deutschland ist es vor diesem historischen und aktuellen Hintergrund ein großes Glück, dass die friedliche Revolution 1989 in der früheren DDR nicht mit Gewalt durch die Sowjetunion unterdrückt worden ist wie der Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953, in Ungarn 1956 und in Prag 1968.

2. Grunddaten

Zur Kennzeichnung der Wirtschaftsstruktur des Landes sei erwähnt, dass 32% des BIP durch den Einzelhandel, den Verkehrssektor und das Hotel- und Gaststättengewerbe erwirtschaftet wird. Es folgt die Industrie mit 30%. 14% entfallen auf die öffentliche Verwaltung, den Bildungssektor und das Gesundheits- und Sozialwesen. Die Ausfuhren gehen zu 59% in andere EU Länder, 69% werden von dort importiert.

2018 beliefen sich die Gesamtausgaben der EU in Litauen auf 2,07 Milliarden Euro, was 4,8% der Wirtschaftsleistung des Landes ausmacht. Die Gelder werden für den Straßenbau, die Förderung der Forschung und den Umweltschutz verwandt. Der Gesamtbeitrag Litauens zum EU Haushalt belief sich im gleichen Jahr auf 0,356 Milliarden Euro. Dies entspricht 0,65% der Wirtschaftsleistung. Litauen ist also ein Nettoempfänger Land. Die EU Zahlungen tragen damit zu einem wesentlichen Teil zum Wachstum des BIP bei.

Das BIP pro Kopf Kaufkraft bereinigt lag 1995 bei 6.786,-US Dollar im Jahr, 2007 bei 21.319,- und 2017 bei 32.298,- US Dollar. Berücksichtigt man, dass Litauen wie andere Länder der früheren Sowjetunion den Übergang von einer völlig ineffizienten Planwirtschaft zu einer privatwirtschaftlichen Marktwirtschaft in der Konkurrenz der etablierten Marktwirtschaften des gemeinsamen Marktes der EU zu organisieren und zu verkraften hatte, so sind diese Entwicklungen als hervorragend einzustufen. Die Arbeitslosigkeit lag 2017 bei 7,1% und die Staatsverschuldung bei sensationell niedrigen 37%. Litauen ist also sehr gut in den gemeinsamen Markt der EU integriert und hat enorm von der Mitgliedschaft in der EU profitiert.

Im Jahre 2000 wurde der Strom in Litauen zu 75% aus Kernkraft gewonnen. 2009 ging der letzte Meiler – baugleich mit den Reaktoren von Tschernobyl – vom Netz, so wie es die EU im Beitrittsvertrag verlangt hatte. Der Ersatz sind Gas- und Schweröl Kraftwerke. Dies hat zur verstärkten Abhängigkeit Litauens von der Lieferung fossiler Brennstoffe aus Russland geführt.

Der HDI beläuft sich auf 0,869 – „very high human development“ -. Litauen nimmt damit den 34. Platz auf der Liste von 189 Ländern ein.

Die Dünen der Kurischen Nehrung gehören zum UNESCO Welt Natur Erbe. Thomas Mann hatte dort früher ein Sommerhaus, das heute von den Litauern in Ehren gehalten wird. Bernstein vom Ostseestrand ist ein beliebtes Mitbringsel einer Reise.

Musik ist in Litauen ein hervorragender Teil von Kunst und Kultur. Basketball ist Nationalsport.

Das Nationalgericht heißt Cepelinai, Kartoffelklöße mit Hackfleisch oder Quark gefüllt.

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Unter- und Oberstadt, die Kasematten im Hintergrund, der Kirchberg mit dem Europa-Zentrum rechts oben

Luxemburg (LU)

Luxemburg ist eins der wenigen Länder der EU, die keinen natürlichen Zugang zu einem der Meere hat, die Europa umspülen. Es grenzt an Belgien, Frankreich und Deutschland. Es ist als Großherzogtum eine parlamentarische Monarchie. Die Hauptstadt mit der auf und an dem Bockfelsen gelegenen, befestigten Altstadt heißt wie das Land. 2019 hatte Luxemburg 630 000 Einwohner, davon 48% Ausländer. Luxemburg liegt geographisch fast und politisch ganz im Zentrum der EU neben Brüssel. Hier ist der Sitz des Europäischen Gerichtshofes – EUGH – und auf dem Kirchberg sind die Gebäude, die die Büros der Europa Abgeordneten beherbergen, hier ist der Sitz des Europäischen Rechnungshofes. Luxemburg gehört zu den Gründungsmitgliedern der EU, u.a. wegen seiner Kohle- und Stahlproduktion. Es ist von Anfang an Mitglied in der Euro Zone.

1. Geschichte

Vorab sei bemerkt, dass die häufigen Wechsel des Landes von einer Herrschaft zur anderen, z. B. vom Habsburger Reich zu Frankreich und umgekehrt mit „herrschaftlichen“ Heiraten zusammenhängen und mit Machtverschiebungen, meist nach Kriegen. Die einfache Bevölkerung hatte nichts zu sagen. Sie war Objekt der „hohen“ Politik der Fürstenhäuser.

Aus dem 2. Jahrhundert vor Christi Geburt finden sich Siedlungsspuren der Kelten. In der Zeit von 58-51 vor Christi Geburt gliederte Gaius Julius Caesar im Gallischen Krieg das Gebiet Luxemburgs in das Imperium Romanum ein. Im 5. Jahrhundert drängten germanische Franken die Römer zurück. Der angelsächsische Wandermönch und Missionar Willibrod gründete das Kloster Echternach. Echternach ist bekannt wegen der Springprozession: 2 Schritte vor, einen zurück bzw. zur Seite.

963 datiert den Beginn der Grafschaft Luxemburg innerhalb des fränkischen Reiches. 1308 wird Graf Heinrich von Luxemburg zum römisch-deutschen König gewählt als Vorstufe zur Krönung zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. 1477 erfolgt die Eingliederung in die römisch-deutsche Herrschaft der Habsburger und die Verbindung mit den nördlichen und südlichen Niederlanden.

Ab 1659 gehörte Luxemburg zunächst teilweise und später ganz zu Frankreich. 1713 im spanischen Erbfolgekrieg wird Luxemburg den österreichischen Niederlande zugeschlagen und kommt dadurch erneut unter habsburgische Herrschaft. 1814 wird es dann wieder französisch, um dann 1815 nach den Regelungen des Wiener Kongresses ein Bundesstaat im deutschen Bund zu werden, wobei einige Gebiete Luxemburgs den Niederlanden zugeschlagen werden.

Die Luxemburgkrise von 1867 bedeutet, dass Napoleon III. von Frankreich versucht, Luxemburg von König Wilhelm III. der Niederlande zu kaufen. Es kommt zu einer Protestbewegung der Bevölkerung unter dem Slogan: „Mer welle blewe wat mir sinn“. In der zweiten Londoner Konferenz im gleichen Jahr wird Luxemburg „für immer“ als neutral erklärt und die Festung des deutschen Bundes in der Stadt geschleift. Nach dem Tode Wilhelms III. der Niederlande erhält Luxemburg die volle Selbständigkeit.

Im 1. Weltkrieg verletzen die deutschen Truppen die Neutralität Luxemburgs auf dem Durchmarsch gegen Frankreich. Die überarbeitete Verfassung von 1919 gewährt auch den Frauen das Wahlrecht. 1922 wird die „Union Économique Belgo Luxembourgoise etabliert. Sie regelt u.a. die Parität der Währungen, als das Austauschverhältnis zwischen belgischem Franken und Luxemburger Franc.

Der auch in Luxemburg verbreitete Antisemitismus führt 1936 zu verschärften Einreisebestimmungen für jüdische Flüchtlinge aus dem nationalsozialistisch beherrschten Deutschland. Die Nürnberger Gesetze von 1935 waren in Luxemburg übernommen worden. Dies bedeutete u.a., dass Deutschen, die in Luxemburg lebten, eine Ehe mit jüdischen Frauen verboten wurde.

Im Mai 1940 wurde Luxemburg von deutschen Truppen besetzt. Die Regierung und die Großherzogin flohen ins Exil nach London. 1400 jüdische Bürger wurden auch unter Mithilfe der luxemburgischen Verwaltung in deutsche Konzentrationslager verschleppt und ermordet. Dies entspricht 33% der Juden, die in Luxemburg lebten. 2015 gab es eine offizielle Entschuldigung Luxemburgs für die Kollaboration der luxemburgischen Verwaltung.

Am 19. September 1944 wurde Luxemburg von US amerikanischen Truppen erstmals befreit. Es folgte jedoch die deutsche Ardennen Offensive, obwohl der Krieg längst verloren war. Sie blieb erfolglos, aber forderte erneut viele Opfer auf beiden Seiten. Im Januar 1945 war Luxemburg dann endgültig befreit. Auch vor den Toren der Stadt Luxemburg liegen zwei große Soldatenfriedhöfe, der eine für die amerikanischen Soldaten, der andere etwas abseits für die deutschen.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Währungsunion auf die Niederlande ausgedehnt: BeNeLux. Luxemburg Stadt wurde 1952 Sitz der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Auf dem Kirchberg ist ein richtiges Europa Viertel entstanden: Sitz des EUGH, Sitz des Europäischen Rechnungshofes, Sitz der Europäischen Investitionsbank und Verwaltungsgebäude mit den Büros der Abgeordneten des Europäischen Parlament. 1985 wurde im luxemburgischen Ort Schengen das Abkommen über die Reisefreiheit ohne Passkontrolle abgeschlossen. 1986 wurde der Karlspreis an das gesamte luxemburgische Volk verliehen wegen der Verdienste um die europäische Einigung (Angaben von Wikipedia).

2. Grunddaten

Luxemburg ist das reichste Land der EU: 2017 betrug das BIP Kaufkraft bereinigt 106.376,- US Dollar, mehr als dreimal so viel wie der EU Durchschnitt und mehr als zwölfmal so viel wie im ärmsten EU Land Bulgarien. Dabei muss man berücksichtigen, dass täglich viele Arbeitnehmer nach Luxemburg hinein pendeln und durch ihre Arbeit das Sozialprodukt wesentlich erhöhen. Die Staatsverschuldung lag 2018 bei 22,7%, also noch niedriger als bei den sensationell niedrigen Verschuldungen in Lettland und Litauen, aber höher als beim 3. Baltischen Staat, Estland, wo sie mit unter 10 unerreicht bleibt.

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Philharmonie, dahinter das Convention Center und im Vordergrund eine Baustelle als Symbol für weiter große Bautätigkeit im Europa-Zentrum

Die Wirtschaftsstruktur wird dominiert durch den Dienstleistungssektor und innerhalb diesem durch den Finanzsektor. 2018 trug dieser Sektor 26,5% zum BIP Luxemburgs bei. Begünstigt wurde dieser Sektor durch vorteilhafte Rahmenbedingungen, eine internationale Ausrichtung und attraktive Steuersätze. Tochtergesellschaften von Banken aus 35 Ländern sind hier ansässig, besonders aus Deutschland. Es geht vorrangig um die Verwaltung von Fonds. 2011 galt Luxemburg noch als Steueroase gleich hinter den Cayman Islands. 2014 deckten 80 Journalisten aus 26 Ländern die Steuervermeidungsmodelle globaler Konzerne in Luxemburg auf: Luxemburg Leaks.

 

Die Immobilienverwaltung, die Vermietung und die Dienstleistungen für Unternehmen machen 19% des BIP aus. Handel, Gastgewerbe, Transport und Nachrichten-Übermittlung tragen 24,3% zum BIP bei. Der Fernsehsender RTL begann von Luxemburg aus mit der Ausstrahlung privatwirtschaftlicher, werbungsfinanzierter Programme des Fernsehens auch über Satelliten nach Deutschland. Die Schwerindustrie mit Kohle und Stahl, die früher sehr bedeutsam war, spielt heute keine große Rolle mehr.

Der HDI lag 2016 in Luxemburg bei 0,897. Kulinarisch wird als Nationalgericht „Carré de porc fumé“, angegeben, Schweinefleisch mit dicken Bohnen oder Sauerkraut. Luxemburg gewann fünfmal den Eurovision Song Contest, u.a. 1972 mit Vicky Leandros mit Après toi.

 

Malta (MT)

Blick von La Valetta auf The_three_Cities, AFR66, CCO.JPG

Blick von der Hauptinsel auf die drei anderen Städte, AFR66, CCO

Malta sind drei Inseln im Mittelmeer zwischen Sizilien und Nordafrika, die kleineren Comina und Gozo und die Hauptinsel Malta mit der Hauptstadt La Valetta. Als der Meeresspiegel des Mittelmeeres ganz früher niedriger war, gab es offenbar eine Landverbindung nach Sizilien. Die Spuren von Zwergelefanten auf beiden Inseln sind identisch.

2019 hatte Malta 515.000 Einwohner, 1371 auf dem Quadratkilometer. Malta ist damit das kleinste und am dichtesten besiedelte Land der EU.

Malta trat 2004 der EU bei und 2008 der Eurozone.

1. Geschichte

Aus der Jungsteinzeit datiert das Hypogäum, eine unterirdische Tempelanlage mit Grabkammern – ca. 4000 Jahre vor Christi Geburt.

Wie viele andere Staaten der EU durchlebte, um nicht zu sagen durchlitt Malta einen ständigen Wechsel von Fremdherrschaft.

Ab 800 vor Christi ist die Phönizische Herrschaft, die Herrschaft von Händlern rund ums Mittelmeer, nachweisbar. Ab 217 vor Christus befand sich Malta unter römischer Herrschaft. Die Inseln leiden unter Trinkwasserknappheit. Aus der Römerzeit gibt es noch die Reste eines imposanten Viadukts als Wasserleitung.

395 nach Christus beginnt die oströmisch-byzantinische Macht sich auf Malta zu etablieren. 870 wird Malta durch Araber aus Nordafrika erobert. Es beginnt die Islamisierung. Nach einer Volkszählung aus dieser Zeit lebten 6.339 christliche und 14.972 muslimische Familien auf Malta.

Nach 1091 „übernahmen“ die Normannen, die „Skandinavier des Mittelalters“ die Herrschaft. 1240 wurden die Muslime auf Malta vom Staufer König Friedrich II., der auf Sizilien residierte, vertrieben bzw. sie traten zum Christentum über. In der Folgezeit war Malta Teil der Stauferherrschaft über Sizilien.

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Bild des Hafens, Hajotthu, CC BY-SA 3.0

1530 gehörten die maltesischen Inseln mit Aragonien und Kastilien, nachdem auch dort die Muslime vertrieben worden waren, zur Habsburger Herrschaft über Spanien. Kaiser Karl V. übergab Malta dem Johanniterorden zum Lehen – „Orden des heiligen Johannis zu Jerusalem, zu Rhodos und Malta“, später Malteserorden genannt. Die Befestigungen der Häfen wurden verstärkt insbesondere gegen osmanische Angriffe. 1565/66 kam es dann zur „Großen Belagerung„. Der osmanische Sultan Süleyman, genannt der Prächtige trieb seine

Expansionspläne bis vor die Tore Wiens und wollte nun auch Malta erobern. Doch die Festungsstadt La Valetta, benannt nach dem Großmeister Jean Parisot la Valetta hielt stand. Von den 40 000 Soldaten auf osmanischer Seite wurden 24 000 getötet und 10 000 verwundet. Auf maltesischer Seite starben von den 17 350 Mann etwa 10 000 und 1 300 wurden verwundet. Ernie Bradford schrieb das Buch „The Great Siege, Malta 1565“, wobei die deutsche Ausgabe interessanter Weise den Titel trägt: „Der Schild Europas, der Kampf der Malteserritter gegen die Türken 1565″.

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1798 kämpften französische Revolutionstruppen unter Napoleon gegen die Ritter des Ordens. Nach Napoleons Niederlagen wird Malta 1814 britische Kronkolonie.

Im 2. Weltkrieg war Malta als „unversenkbarer Flugzeugträger“ eine britische Basis zur Bekämpfung des Nachschubs deutscher Truppen in Nordafrika.

2. Grunddaten

Der Tourismus trägt 40% zum BIP Maltas bei, macht die Wirtschaft wie jetzt in der Corona Pandemie besonders Krisen anfällig. Die Wirtschaftsstruktur ist ansonsten von Landwirtschaft und Fischerei geprägt. Malta kann aber nur 20% des Nahrungsmittelbedarfs aus eigener Produktion decken.

Größter Arbeitgeber Maltas sind die „Malta Drydocks“, die zweitgrößte Werft Europas.

Der Sektor der Finanzdienstleistungen trägt zu 11% zum BIP bei. Mit niedrigen Steuersätzen sollen europäische Unternehmen angelockt werden. 55 deutsche Unternehmen produzieren in Malta für den Export, darunter Playmobil.

Die Arbeitslosenquote lag 2018 bei 3,9%, die der Jugendarbeitslosigkeit bei 10%. Die Staatsverschuldung wurde 2015 mit 60% ausgewiesen.

2018 betrug das BIP Maltas pro Kopf Kaufkraft bereinigt 45.165,- US Dollar, mehr als der EU Durchschnitt, und dies sind nur die offiziellen Zahlen – ohne Berücksichtigung der Einnahmen aus der Schattenwirtschaft, die als recht groß eingeschätzt wird.

Der HDI lag 2017 bei 0,878 – offenbar fühlen sich die Malteser in ihrem Land mit all seinen Fehlentwicklungen wohl.

93% der Bevölkerung sind katholisch. Laut der maltesischen Verfassung ist der Katholizismus Staatsreligion.

2017 wurde die investigative Journalistin Daphne Caruna Galicia durch eine unter ihrem Auto versteckte Bombe ermordet. Sie war dabei, die Korruption bis in höchste Regierungskrise aufzudecken. Sie hatte herausgefunden, dass ein enger Mitarbeiter des Ministerpräsidenten sowie ein Minister in Panama Unternehmen unterhielten, von denen sie Geldüberweisungen erhielten. Der Ministerpräsident Joseph Muscat, als mutmaßlicher Mitwisser musste, wenn auch spät, zurücktreten. Seine Partei aber regiert weiter. Die Strafverfahren gegen die Hintermänner des Mordes sind immer noch nicht abgeschlossen. Mehr als 2 Jahre nach dem Mord wurde der Unternehmer Yorgen Fenech, Millionär, als Auftraggeber des Mordes angeklagt. Er versucht, den Mord als im Sinne des Stabchefs von J. Muscat darzustellen. Es geht auch um Korruption im Zusammenhang mit dem Baus eines Gaskraftwerkes. Laut dem Demokratie Index gilt Malta als unvollständige Demokratie. Das 2020 von der EU veröffentliche Justizbarometer weist aus, dass auf Malta Gerichtsverfahren zu Geldwäsche Vorwürfen im Jahre 2018 ganze 2 300 Tage dauern, das sind 6,3 Jahre!

Die EU verlangt von Malta die Aufklärung des Mordes an Daphne Caruna Galicia, Angaben zur konkreten Bekämpfung der Korruption, der Geldwäsche und der Vergabe von EU-Pässen an EU Ausländer. Diese „Golden Visa Praxis“, dass Ausländer, die nicht mal einen Wohnsitz in Malta haben müssen, gegen die Zusage hoher Investitionen in Malta Pässe erhalten, mit denen sie sich frei in der gesamten EU bewegen können, wird nun spruchreif. Nach Angaben von Transparency International hat Malta zwischen 2014 und 2017 offenbar 2027 solcher Pässe illegal ausgestellt, darunter auch für vermögende russische Geschäftsleute.

Der Rechtsstaatsbericht 2020 der EU sagt zu Malta: „Die beiden wichtigsten im Parlament politischen vertretenen Parteien besitzen, kontrollieren oder leiten faktisch mehrere maltesische Medienunternehmen und Rundfunkanstalten.“ Daraus folgt, dass die politische Unabhängigkeit der Medien hochgradig gefährdet ist.

Der EUGH hat am 21.Juni 2018 in Anwendung der EU Vogelschutzrichtlinie den traditionellen Fang von Finken in Malta für illegal erklärt. 4000 Fänger, die mit Netzen oder Fangkäfigen arbeiten, verkaufen die Vögel EU weit. Es ist Aufgabe der Regierung in Malta, dieses Verbot durchzusetzen. 2020 wird gemeldet, dass der Vogelfang auf Malta so verbreitet sei wie nie zuvor! Offenbar haben wir besonders in Malta ein Problem der Durchsetzung von EU Recht!

 

Niederlande (NL)

Friedenspalast in Den_Haag, 1913 fertiggestellt im Neoklassischen Stil, aufgrund der vielen Friedensinitiativen , Dierk Schaefer, CC BY 2.0.jpg

Den Haag, Friedenspalast, 1913 fertiggestellt im Neorenaissance Stil, weil es so viele Initiativen für Frieden gab! Auch Sitz des Ständigen Schieds-Hofes und der Akademie für Völkerrecht, Dierk Schaefer, CC BY 2.0

Die Niederlande sind eine konstitutionelle Monarchie an der Nordsee. Das Land grenzt an Deutschland und Belgien. Zu den Niederlanden gehören die niederländischen Antillen und Aruba in der Karibik. Die Niederlande haben 17,3 Millionen Einwohner, fast so viele wie Nordrhein-Westfalen. Mit 413 pro Quadratkilometer gehören sie zu den am dichtesten besiedelten Ländern Europas. Regierungssitz ist Den Haag wo auch der Internationale Strafgerichtshof angesiedelt ist. Die Niederlande gehören zur Nato und zu den Gründungsmitgliedern der Gemeinschaft für Kohle und Stahl und von EURATOM, den Vorläufern der EU. Und sie gehören zur Eurozone. Sie bilden mit Belgien und Luxemburg die BeNeLux-Länder, sozusagen eine Ländereinheit innerhalb der EU. Der Wahlspruch des Landes lautet: „Je maintiendrai“ – Ich werde Stand halten. Dies bezieht sich sowohl auf die lange Fremdherrschaft durch Spanien, auf die deutsche Besatzung im 2. Weltkrieg als auch auf die Nordsee, denn ca. die Hälfte des Landes liegt unterhalb des Meeresspiegels. Das Land wird durch aufwendige Deiche und Sperranlagen geschützt.

1. Geschichte

Nachdem das weströmische Reich 476 untergegangen war, gehörten die niederen Lande vom 5. – 9. Jahrhundert zunächst zum Frankenreich, das das römische Gallien und rechtsrheinische germanische Siedlungsgebiete umfasste. Das Frankenreich war für Europa die historisch wichtigste Reichsbildung nach der Antike und hatte seine Blütezeit unter Karl dem Großen. Nach der Aufteilung dieses Reiches im Vertrag von Verdun kamen die Niederlande oder auch Friesland genannt zum Mittelreich Lotharingen, das von der Nordsee bis nach Norditalien reichte. Im darauf folgenden Vertrag von Meerssen von 870 wurden die Niederlande dem Ostfrankenreich unter Ludwig dem Deutschen zugeschanzt. Dieses Land war die Keimzelle des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation.

In diesem Reich wurden die Niederlande unter Kaiser Karl V., der auch gleichzeitig spanischer König war, in 17 Provinzen aufgeteilt. Ab 1566 kam es zu einer Serie von Aufständen, die sowohl religiöse Gründe – ein Teil der Niederländer hatte sich dem protestantischen Calvinismus angeschlossen – als auch wirtschaftliche und politische Ursachen hatten – die spanischen Herrscher versuchten gewährte Freiheiten wieder rückgängig zu machen. Der Nachfolger von Karl V., Phillip II. verschärfte die Inquisition und schickte Herzog Alba zur Unterdrückung der Aufstände. Wilhelm von Oranien organisierte den Widerstand vor Ort ab 1572 und versuchte – jedoch vergeblich – die spanisch treuen Katholiken und die Calvinisten zur friedlichen Koexistenz zu bewegen.

1579 schlossen sich die calvinistischen Provinzen Holland, Zeeland und Utrecht zu einem eigenen Verteidigungsbündnis zusammen, der Utrechter Union. Dieser Vertrag wird als Gründungsurkunde der Republik Vereinigte Niederlande angesehen. 1581 erfolgte die Erklärung der Unabhängigkeit von Spanien: ein von Gott inthronisierter König, so war damals das Selbstverständnis der Herrscher, wird als abgesetzt erklärt! Da diese „unerhörte“ Tatsache nicht akzeptiert wurde, kam es zu einem 80-jährigen Unabhängigkeits-Krieg. Erst 1648 im westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück wurde die niederländische Unabhängigkeit – auch von anderen Mächten inklusive Spanien – als Teil der Habsburger Herrschaft, anerkannt. Die südlichen Niederlande, das heutige Belgien, blieb – weil treu katholisch – bei Spanien und so kam es zu einer Trennung.

Die sieben vereinigten Provinzen der Republik der Niederlande erlebten ihr „Goldenes Zeitalter“ als sie Ende des 17. Jahrhunderts zur größten Wirtschaftsmacht ihrer Zeit aufstiegen. Sie errichteten Handelsposten auf der ganzen Welt: Sie gründeten in Nordamerika New Amsterdam, das heutige New York. Sie gründeten in Asien das Kolonialreich Niederländisch-Indien, das heutige Indonesien. Im Nordosten Südamerikas gründeten sie die Kolonie Suriname. Zum Goldenen Zeitalter gehören so weltberühmte Maler wie Rembrandt und Vermeer. Zum Goldenen Zeitalter gehört aber auch die maßgebliche Beteiligung am Sklavenhandel in einer Kreislaufwirtschaft: Diese bildete ein Dreieck zwischen „Schwarzafrika“, Europa und Nordamerika bzw. der Karibik. Sklavenhändler aus England aber auch aus den Niederlanden kauften Sklaven in Afrika, brachten sie per Schiff nach Amerika. Dort verkauften sie die Menschen für ein Vielfaches des „Einstandspreises“. Mit dem Erlös erwarben sie Produkte von dort wie z.B. die von den „Sklaven“ geerntete Baumwolle. Diese verkauften sie dann in ihren europäischen Heimatländern. Dieses florierende Geschäft dauerte bis zur Abschaffung der Sklaverei in den USA 1876, also ungefähr 200 Jahre lang.

1806 verleibte Kaiser Napoleon – er hatte sich selber zum Kaiser gekrönt – die Niederlande in das französische Reich ein, doch schon 1813 wurden sie wieder unabhängig. Wilhelm I. aus dem Hause Oranien-Nassau wurde König. Auf dem Wiener Kongress wurden die südlichen Niederlande, das heutige Belgien, dem Königreich hinzugefügt, um im Norden Frankreichs einen starken Pufferstaat zu etablieren – so wurde früher Geopolitik betrieben ohne Beteiligung der hin- und her geschobenen Bevölkerung. Die Verfassung von damals ist auch heute noch in Kraft, freilich mit einer Reihe von Änderungen, wie z.B. der Einführung der Ministerverantwortung dem Parlament gegenüber im Jahre 1848.

Im 1. Weltkrieg verhielten sich die Niederlande neutral und nahmen viele Flüchtlinge aus dem von Deutschland besetzten Belgien auf. 1918 floh der letzte deutsche Kaisen Wilhelm II. ins Exil in die Niederlande. Im 2. Weltkrieg wurden die Niederlande 1940von deutschen Truppen besetzt nach verheerendem Bombardement von Rotterdam. Adolf Hitler im Wahn seines Strebens nach Weltherrschaft hatte es auf die Flughäfen der Niederlande abgesehen, von denen aus die deutsche Wehrmacht die Angriffe auf Großbritannien starten sollte.

Von den 160 000 jüdischen Holländern und den 20 000 jüdischen Flüchtlingen überlebten nur ca. 30 000 den 2. Weltkrieg. Mit anderen Worten: 150 000 jüdische Menschen wurden von Deutschen ermordet. Dies Schicksale der brutalen Verfolgung und Auslöschung findet sich personifiziert im Leidensweg der Anne Frank: Geboren 1929 in Frankfurt am Main, floh sie 1934 mit Eltern und Schwester nach Amsterdam. Nachdem die deutsche Wehrmacht die Niederlande besetzt hatten, lebte sie mit anderen Verfolgten in einem Versteck hinter dem Geschäft ihres Vaters, der es an einen Mittelsmann übergeben hatte. Es ist offenbar bis heute nicht geklärt, wie dieses Versteck von der Gestapo entdeckt wurde: War es Verrat, war es eine „Entdeckung“ von Kopfgeldjägern? Jedenfalls wurde die Familie am 4.8.1944 verhaftet und über das Durchgangslager Westerbork auf einen Eisenbahntransport in verplombten Viehwagons ins Vernichtungslager Ausschwitz geschickt. Die Deportierten mussten für diese in jeder Hinsicht unfreiwillige Fahrt selbst auch noch bezahlen, nämlich 4 Pfennig pro Kilometer, Kinder die Hälfte. Die Reichsbahn kassierte diese „Gebühren“ beim Reichsicherheitshauptamt, das sich das Geld von den Betroffenen zwangsweise holte (Spiegel. online vom 2.11.2020: „Nur wer zahlt, meint es ernst“, ein Shoa-Überlebender aus Amsterdam fordert von der Deutschen Bahn Entschädigungen). Als sich sowjetische Truppen Ausschwitz näherten, wurden Frauen von dort in das Konzentrationslager Bergen-Belsen verfrachtet. Anne Frank erkrankte wegen der unsäglichen hygienischen Verhältnissen im Lager an Fleckfieber und verstarb dort wenige Wochen vor der Befreiung von Bergen-Belsen durch englische Truppen. „Ein schönes Volk, die Deutschen, und da gehöre ich eigentlich auch noch dazu! Aber nein, Hitler hat uns längst staatenlos gemacht. Und im Übrigen gibt es keine größere Feindschaft auf dieser Welt als zwischen Deutschen und Juden“ (Eintrag im Tagebuch der Anne Frank am 9. 10. 1942).

Am 11. 1. 1942 begann die japanische Invasion in Niederländisch-Indien. Am 1.3.42 kapitulierten die Niederlande. Nach längeren Auseinandersetzungen wurde Indonesien in die Unabhängigkeit entlassen.

2. Grunddaten

Das BIP in den Niederlanden beträgt kaufkraftbereinigt 59 693,-US Dollar. Dieser Wert liegt weit oberhalb des Durchschnittswertes der EU. 1,2% der Arbeitskräfte arbeiten in der Landwirtschaft, die hoch technisiert ist. Die Landwirtschaft produziert Gemüse, Früchte und Schnittblumen, besonders Tulpen. Die Milchviehhaltung ist die Voraussetzung für den weltweit bekannten holländischen Käse. 17,2% der Arbeitskräfte arbeiten in der Industrie. Nach dem 2. Weltkrieg wuchsen die Niederlande zu einer der 10 größten Wirtschaftsmächte der Welt heran und das bei einer relativ kleinen Bevölkerung. Zur Industrie gehören international agierende Konzerne wie Royal Dutch Shell, Unilever und Phillips und die Raffinerien im Rotterdamer Hafen, dem größten Hafen in der Europäischen Union: 5 Ölraffinerien, 5 Pflanzenölraffinerien und 45 Chemieunternehmen. 81,6% der Beschäftigten entfallen auf den Dienstleistungssektor. 46% der Beschäftigten sind Frauen, ein sehr hoher Anteil an der Erwerbsbevölkerung. 2015 waren die Niederlande der 5. größte Exporteur weltweit. 2018 lag die Arbeitslosigkeit bei 3,9%, deutlich unter dem EU Durchschnitt.

Der Global Competitiveness Index weist 2017/18 der Wirtschaft der Niederlande einen hervorragenden Platz 4 unter 137 Ländern zu. In Bezug auf den Index für wirtschaftliche Freiheit erreichen die Niederlande 2017 den Platz 15 von 180 Ländern.

Gesellschaftlich kann man sagen, dass sich die Niederlande von einer Nation des sittenstrengen Calvinismus zum Vorreiter des Liberalismus und des Pluralismus entwickelt haben. Dabei spielt die Konsenskultur im Verhältnis von Arbeitgebern zu Arbeitnehmern und von Regierung zur Opposition eine wichtige Rolle.

Angesichts von Morden, – zum einen durch einen Umweltschutzaktivisten an dem Politiker der rechtspopulistischen LPF Pim Fortyn: „Wählt mich, dann dürft ihr Pelzmäntel tragen“ – zum anderen an dem islamkritischen Regisseur und beißenden Satiriker Theo van Gogh durch einen Amsterdamer marokkanischer Herkunft – entwickelte sich die niederländische Gesellschaft im politischen Spektrum nach rechts. Trotzdem lag der HDI 2018 bei hohen 0,931.

Am 1. Juni 2005 lehnten die Niederländer in einer Volkabstimmung den Vertrag über eine Europäische Verfassung ab. Diese wurde in leicht abgewandelter Form später als Lissabon Vertrag angenommen. Im Sommer 2020, als es um die Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Corona Pandemie ging, gehörte die niederländische Regierung zu den „sparsamen Vier“, die ursprünglich nur günstige Kredite an die am schwersten betroffenen Länder vergeben wollten. Nach langen Verhandlungen stimmte sie doch der Vergabe nicht rückzahlbarer Zuschüsse in Höhe von 390 Milliarden Euro zu.

Kulinarisch steht in den Niederlanden Stampot, ein Eintopf mit gestampften Kartoffeln und verschieden Gemüsen weit vorne, aber auch die Erwtensoep. Es gibt in den Niederlanden viele Biersorten. Bekannt ist der Eierlikör in der Form des Advokat.

Das Gemälde „die Nachtwache“ von Rembrandt im Reichsmuseum in Amsterdam muss nicht extra gezeigt werden, auch nicht die Sonnenblumen von van Gogh, dann schon eher der extravagante Neubau des Museums in Groningen, hier in zwei Bildern, 1993 fertig gestellt. Der blaue Komplex scheint hinter der Brücke an den vorderen anzuschließen.

Groninger_Museum_2, Ra-smit, CC BY-SA 3.0.jpg Groninger-museum, Andre Engels, CC BY 1.0.jpg

Ra-smit, CC BY-SA 3.0                                                                                                                                        Andre Engels, CC BY 1.0

 

Österreich (AT)

Österreich – Austria gleich Ostland – ist eine Alpenrepublik ohne Zugang zu einem der vielen Meere, die die EU umspülen. Nachbarn sind im Norden Deutschland und die Tschechische Republik, im Osten die Slowakei und Ungarn, im Süden Slowenien und Italien und im Westen die Schweiz und Lichtenstein. Österreich hat 8,9 Millionen Einwohner, 106 im Schnitt auf dem Quadratkilometer. Die Hauptstadt ist Wien, gleichzeitig neben New York, Genf und Nairobi mit der Uno-City Amtssitz der Vereinten Nationen.

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MatthiasKabel, CC BY-Sa 3.0

1. Geschichte

Aus der jung paläolithischen Zeit stammt die Figur der Venus von Willendorf, eine der ältesten Plastiken der Welt. Die Mumie des berühmten Gletschermannes Ötzi wird auf die Jungsteinzeit datiert. In der Bronzezeit beginnt der systematische Abbau von Salz u.a. in Hallstadt.

Die Kelten gründeten auf dem Gebiet des heutigen Österreichs ein erstes Staatsgebilde, das Königreich Noricum. Seit 15 vor Christi Geburt war das Gebiet dann römische Provinz. Im 2. nachchristlichen Jahrhundert wurde das Christentum ausgebreitet. Im Zuge des Niedergangs des römischen Reiches kam es im Zuge der Völkerwanderung zur Besiedlung durch Bajuwaren und Alemannen, im Osten u.a. durch Slawen.

Ab 700 gehörte das Gebiet zum Frankenreich des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen. Im späten 8. Jahrhundert war es Stammesherzogtum im Reich Karl des Großen. 976 wurde die „Markgrafschaft Österreich“ unabhängig von Bayern und damit ein eigenständiges Territorium im Heiligen Römischen Reich. Ab 1282 waren die Habsburger die Landesherren und dehnten ihre Herrschaft als Erzherzogtum Österreich aus. Ab 1438 hatten sie fast immer die Kaiserwürde inne und waren daher vorherrschend im Reich.

Vom späten 15. Jahrhundert bis 1690 war Österreich ständigen Angriffen durch das Osmanische Reich, von Ungarn westwärts vordringend, ausgesetzt. Die Türken kamen in den Sommermonaten, verpflegten sich plündernd aus dem Durchzugsgebiet und kehrten im Herbst in ihr Gebiet zurück. 1683 befehligte der Großvisier Kara Mustafa ein zweites großes Belagerungsheer von 120 000(oder sogar 200.000) Mann, die vor den Toren der Stadt lagerten. Die Türken mit ihrer Elitetruppe der Janischaren versuchten durch Tunnel die Befestigungsanlagen von Wien zu untergraben. Die Verteidiger stellten Wasserbottiche in den Straßen auf: Sobald der Boden durch unterirdische Sprengungen erzitterte, kräuselte sich das Wasser und die Wiener wussten, wo sie unterminiert und unterirdisch angegriffen wurden. Vielleicht sollen die Rauchwolken auf dem Bild das zeigen.

Polens König Jan III. Sobieski führte ein Entsatzheer heran und zusammen mit Truppen des Hl. Röm. Reiches wurden die Osmanen in der Schlacht am Kahlen Berge im September 1683 geschlagen. Wie aggressiv expansiv das osmanische Reich war, erkennt man auch daran, dass Serbien erst 1878 die türkische Vorherrschaft abschütteln konnte. Dies über Jahrhunderte jährlich neu verfestigte Trauma scheint noch heute Untergrund serbischer Identität zu sein.

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Frans Geffels, südniederländischer Hofmaler, Öl auf Leinwand, 1688, Wien Museum, Gemeinfrei. Die Entsatzheere kommen von links. Im Hintergrund die nicht kanalisierte Donau und die Wachau.

Die Habsburger als politische Herrscher sahen sich dafür verantwortlich, in ihrem Kaiserreich die Reformation zurückzudrängen und dem Katholizismus eine Vormachtstellung zu sichern. Nach der Einführung auch der Erbfolge in weiblicher Linie ab 1713 stieg Maria Theresia als Tochter Karl VI. zur Monarchin auf. Ihr Wahlspruch lautete: „Mögen die anderen Krieg führen, Du, glückliches Österreich, heirate“. So wurde ihre Tochter Marie Antoinette mit dem französischen König Ludwig XVI. vermählt. Doch die Allianz überlebte die Französische Revolution von 1789 nicht: Marie Antoinette war es, die auf die Nachricht, das Volk hungere, da es kein Brot gebe, antwortete: Dann sollen die doch Kuchen essen! Ihr Mann und sie wurden durch die Guillotine hingerichtet. Maria Theresias Wahlspruch hinderte sie nicht, bei der Aufteilung Polens zwischen dem zaristischen Russland, dem Königtum Preußen sowie Österreich Galicien ihrem Reich einzuverleiben. Außerdem führte sie mit Friedrich dem Großen von Preußen Krieg um Schlesien.

Unter dem Druck des französischen Kaisers Napoleon legte Franz II. 1806 die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches nieder. Damit endete dieses europäische Herrschaftssystem, das ab 700 nach Christi Geburt über Jahrhunderte die verschiedensten Völkerschaften zusammengehalten hatte. Es folgte bis 1867 das Kaisertum Österreich, ebenfalls ein Vielvölkerstaat, in dem außer deutsch, ungarisch, italienisch, tschechisch, polnisch, ukrainisch, rumänisch, kroatisch, serbisch, slowenisch und slowakisch gesprochen wurde. Diese 10 Sprachen sind fast die Hälfte der 24 Amtssprachen der EU, wobei heute weder die Ukraine noch Serbien zur Europäischen Union gehören. Außenminister und späterer Staatskanzler dieses Kaisertums Österreich bzw. Österreich-Ungarns war Klemens Wenzel Nepomuk Lothar von Metternich, der 1773 in Koblenz geboren worden ist. Er war der wohl einflussreichste Politiker im 19. Jahrhundert, der besonders auf dem Wiener Kongress 1814/15 nach dem Sturz Napoleons I. die Weichen für die Zukunft auf dem europäischen Kontinent stellte: Reaktionär, auch weiterhin Vertreter des monarchischen Prinzips und Kämpfer gegen nationale und liberale Bewegungen in Italien und Deutschland. Das Kaisertum Österreich war ab 1815 Mitglied des Deutschen Bundes. Nach der Revolution von 1848 wurde Metternich aus Wien vertrieben. Er floh nach London, kehrte aber schon ein Jahr später zurück, um weiterhin die Restauration früherer Verhältnisse zu unterstützen.

Im Deutschen Bund setzte der Reichskanzler Otto von Bismarck die kleindeutsche Lösung durch, die Preußen die Vorherrschaft sicherte und Österreich außen vor ließ. 1866 kam es zum Krieg zwischen Preußen und Österreich. Das geschwächte Österreich sah sich gezwungen, Reformen durchzuführen, u. a. die Einführung einer konstitutionellen Monarchie.

Als 1914 der österreichische Thronfolger in Sarajewo von serbischen Nationalisten ermordet wurde, schlitterte Österreich als Verbündeter Deutschlands schlafwandlerisch in den 1. Weltkrieg, der ersten Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Auf der anderen Seite standen, ebenfalls durch Beistandsverpflichtungen gebunden, England, Frankreich und das zaristische Russland als Schutzmacht Serbiens.

Nach der Niederlage Deutschlands und Österreichs verlor Österreich 1918 gemäß dem Vertrag von Saint Germain Südtirol an Italien – Ungarn war schon vorher aus der Gemeinschaft mit Österreich ausgetreten. Am 12.11.1918 wurde die Republik ausgerufen. Das Frauenwahlrecht wurde eingeführt und 1919 der Adel abgeschafft. Es kam zu bedeutenden Sozialreformen wie der gesetzlichen Festlegung auf den 8 Stundentag, der Einführung der Sozialversicherung und der Schaffung der Arbeiterkammer als Vertretung von Arbeitern und Angestellten.

Ende der 20er Jahre brachen auch wegen der Wirtschaftskrise turbulente Zeiten an: Die gesellschaftliche Pluralisierung schritt fort, auf der einen Seite standen diejenigen, die den Austromarxismus propagierten, auf der anderen diejenigen, die die Meinung vertraten, die Demokratie sei nicht in der Lage, die Probleme zu lösen. Sie orientierten sich am Vorbild des Faschismus von Mussolini in Italien. 1933 bis 1938 war Österreich ein austro – faschistischer Ständestaat, sodass die Einverleibung in das Deutsche Reich unter nationalsozialistischer Herrschaft 1938 kaum eine feindliche Übernahme war. Von den deutschen Faschisten wurden zwei Konzentrationslager in Mauthausen und in Gusen eingerichtet. Allein in Mauthausen wurden etwa 100 000 Häftlinge ermordet.

Nach 1945 wurde die Republik wiederhergestellt, doch bis 1955 war der größte Teil Österreichs sowjetische Besatzungszone. Gegen das Bekenntnis zur „ewigen“ Neutralität erhielt Österreich die volle Souveränität zurück und die Besatzungstruppen zogen ab. Nach der österreichischen Verfassung wird der Bundespräsident direkt vom Volk gewählt. Kurt Waldheim war von 1968-1970 Außenminister, von 1972-1981 UN Generalsekretär und von 1986-1992 Bundespräsident. Die sog. „Waldheim – Affaire“ bezog sich darauf, dass er seine Verstrickungen in die nationalsozialistische Herrschaft verschwiegen hatte. Lange Zeit gab es in Österreich große Koalitionen zwischen SPÖ und ÖVP. 1995 trat Österreich der EU bei. Die Neutralitätsverpflichtung spielt seitdem keine Rolle mehr. Österreich hat durch Volksabstimmung entschieden, auf die Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung zu verzichten.

2. Grunddaten

Das kaufkraftbereinigte BIP pro Kopf lag 2019 bei 58.850,- US Dollar. Österreich gehört damit zu den reichsten Ländern der EU.

Die Wirtschaftsstruktur gliedert sich nach dem Beitrag zum BIP: Land- und Forstwirtschaft und Fischerei 1,2%, Güterproduktion, Bergbau, Energie- und Wasserversorgung 23% und Dienstleistungen 70,7%. Der Dienstleistungssektor ist von dem ganzjährigen Tourismus geprägt. Damit ist Österreich von den Einschränkungen durch die Corona Pandemie besonders betroffen. Die Güterproduktion ist gekennzeichnet durch den Maschinenbau und die Kfz-Zulieferer. Einige hochspezialisierte mittelständische Unternehmen gehören zu den Weltmarktführern. Der Global Competitiveness Index sieht Österreich 2017 auf Platz 18 von 137 Ländern. Der Index der wirtschaftlichen Freiheit weist Österreich Platz 32 von 130 Ländern zu.

Österreich gehört zu den Netto – Zahlern zum EU Budget: 2015 flossen 2,52 Milliarden Euro nach Brüssel, 1,79 Milliarden kamen zurück. Seit 1995, dem Jahr des EU Beitritts, haben sich die Exporte der österreichischen Wirtschaft auf jährlich 87 Milliarden Euro mehr als verdreifacht. Durch die EU Mitgliedschaft entstanden jährlich 17 000 Arbeitsplätze zusätzlich (Studie Wifo). Die indirekten Effekte der EU Mitgliedschaft, die österreichische Wirtschaft profitiert von den Investitionen in die von der EU geförderten Mitgliedsländer, machen Österreich eigentlich zum Nettoempfänger (Österreichische Nationalbank).

Tirol, Südtirol und Trentino sind ein erfolgreiches Beispiel regionaler Zusammenarbeit, gefördert von der EU.

Österreich gehört zu den Gründungsmitgliedern des Euro.

Österreich ist durch eine hohe Medienkonzentration gekennzeichnet: Zum „Zeitungsriesen“ Mediaprint gehören die auflagenstärkste „Kronen Zeitung“, außerdem „News“ und „Profil“ sowie der „Kurier“.

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Bertha Freifrau von Suttner erhielt als erste Frau wegen ihres friedenspolitischen Engagements den Friedensnobelpreis im Jahre 1905 . (Briefmarke, Anima, Gemeinfrei, Wikimedia) 

Als im Weltmaßstab hervorragende Komponisten aus Österreich sind zu nennen: Josef Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Strauß und Gustav Mahler. Als Schriftsteller sind zu erwähnen Hugo von Hofmannsthal, Stephan Zweig und Franz Werfel. Auch der Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud stammt aus Österreich. Der Maler Gustav Klimt gehört zu denen, der heute am Kunstmarkt höchste Preise erzielt.

Kulinarisch ist in aller Munde die Sachertorte und das Wiener Schnitzel.

 

 Polen (PL)

Warsaw_Spire, 2017 zog die EU-Behörde Frontex in den Ostturm der Warsaw Spire um, AGC Glass Europe, CC BY 2.0.jpg

Warsaw Spire, AGC Glass Europe, CC BY 2.0

Im Nordwesten grenzt Polen an die Ostsee, im Norden an das russische Gebiet des früheren Ostpreußen und an Litauen, im Osten an Belarus, im Südosten an die Ukraine, im Süden an die Slowakei, im Südwesten an Tschechien, im Westen heute an Deutschland, bis 1989 an die DDR. Das heutige Polen ist damit ein Grenzland der EU und kann eine Brücke sein zu Weißrussland und der Ukraine, ebenfalls europäische Staaten im erweiterten Sinne. Polens Hauptstadt ist Warschau. Polen ist eine präsidial-parlamentarische Republik. 1999 trat Polen der Nato bei, 2004 der EU. Polen ist Mitglied im Schengen Raum. Die EU Grenzschutz Agentur Frontex hat ihren Sitz in Warschau.

2020 hat Polen  38.354.000 Einwohner bei im Schnitt 123 pro Quadratkilometer. Es wird geschätzt, dass 20 Millionen Polen im Ausland leben. Viele Polen sind in der Vergangenheit ausgewandert, weil sie sich bessere Lebensbedingungen erhoffen: 3 Millionen nach dem Ende des Kommunismus. Polen ist seit dem 2.Weltkrieg ethnisch ein äußerst homogener Staat. 87% der Bevölkerung werden der katholischen Kirche zugerechnet, die einen großen politischen Einfluss ausübt. Seit 2014/15, den Kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine leben und arbeiten 2 Millionen Ukrainer in der boomenden polnischen Wirtschaft. Allerdings sind sie in Polen wenig anerkannt, denn in der Geschichte gab es viele kriegerische Auseinandersetzungen zwischen beiden Völkern.

1. Geschichte

Aus der Zeit von ca. 700 bis 400 vor Christi Geburt datiert die Pfahlbauten Siedlung Biskupin. In der Antike gab es über die „Bernsteinstraße“ von der ganzen Ostseeküste vom heutigen St. Petersburg herunter bis Danzig, dann nach Süden durch Polen, durch das Wiener Becken bis nach Venedig einen intensiven Handelsaustausch mit dem römischen Reich.

Um Christi Geburt siedelten von Skandinavien kommend die germanischen Stämme der Goten und Vandalen im Gebiet des heutigen Nord- und Südpolens. Zur Zeit der Völkerwanderung (ca. 375- 565) zogen Balten und Slaven durch. Wikinger, Awaren und Magyaren überfielen immer wieder das heutige Südpolen.

Um ca. 900 nach Christi Geburt wurde ein Herzogtum Polen gegründet, das 990 dem unmittelbaren Schutz von Pabst Johannes XV. unterstellt wurde. König Boleslaus I. dehnte zeitweise sein Herrschaftsgebiet auf die heutige Slowakei, auf Böhmen und Mähren sowie auf die Kiewer RUS aus.

1138 zerfiel Polen in 6 Herzogtümer: Kleinpolen, Großpolen, Pommern, Pommerellen, Schlesien und Masowien. 1241 besiegte eine mongolische Horde ein polnisch-deutsches Heer in der Schlacht bei Liegnitz. Um die Verluste zu kompensieren, wurden deutsche Bauern angeworben und angesiedelt und nach den Pogromen in Westeuropa auch Juden, denen die Schuld an der Pest Mitte des 14. Jahrhunderts zugewiesen wurde und die es schafften zu fliehen. Polen war von der Pest verschont geblieben und galt schon vorher als religionspolitisch ausgesprochen liberal, auch judenfreundlich.

Konrad I. von Masowien holte 1226 den deutschen Orden ins Kurland, von wo er Preußen unterwarf. Außerdem leitete er die Expansion Polens nach Osten ein. In der Zeit der Herrschaft der Jagiellonen stieg Polen ab 1386 durch Heirat zum mächtigen Doppelstaat Polen – Litauen auf. Er erstreckte sich von den baltischen Staaten bis zum Schwarzen Meer, er umfasste also Teile der heutigen Ukraine, und reichte von der Adria bis vor die Tore Moskaus. Für die folgenden 400 Jahre beeinflusste dieser zur damaligen Zeit größte Staat Europas die Entwicklung Mittel- und Osteuropas maßgeblich, nachdem in der Schlacht bei Tannenberg 1410 auch der deutsche Orden als eigenständige Herrschaft besiegt worden war.

Jagiellonen- Machtbereich um 1500.jpgLegende

      1. weiße Umrandung: Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation
  1. rote Umrandung: Machtbereich der Jagiellonen Polens, Litauens, Ungarns und Böhmens
  2. gelbe Umrandung: Gebietsverluste an Russland (Großfürstentum Moskau) nach einem Russisch-Litauischen Krieg 1494.
  3. Schraffur: unter polnischer Oberhoheit bzw. Lehensabhängigkeit stehendes Fürstentum Moldau (Moldova), Deutschordensland in Preußen (Preußen), sowie Herzogtum Masowien (Mazowsze).

Ende des 15. Jahrhunderts wurde eine republikanische Staatsform erkämpft, d. h. der König durfte nur nach Ermächtigung durch das Parlament handeln. 1596 endete die Herrschaft der Jagiellonen. Die folgende Adelsrepublik Polen-Litauen wurde u. a. von Königen aus dem Haus der französischen Valois, der schwedischen Dynastie der Vasa und der sächsischen Weltiner regiert – August II. der Starke und August III. Im 17. und 18. Jahrhundert war Polen-Litauen durch zahlreiche Kriege mit Schweden, mit dem osmanischen Reich – Hilfe bei der Verteidigung Wiens- , mit Russland und Siebenbürgen und durch innere Unruhen – Kosakenaufstände und Konfrontationen mit den Krimtartaren – geschwächt. Diese Schwäche nutzten Preußen, das zaristische Russland und das habsburgische Österreich zur Aufteilung des Landes untereinander aus: 3 Teilungen 1772, 1793 und 1795, ohne dass die betroffene Bevölkerung auch nur einen Hauch einer Mitsprache hatte, durch wen sie regiert werden wollten. Damit verschwand Polen als eigenständige Nation von der europäischen politischen und geographischen Landkarte.

Auf Drängen Kaiser Napoleons wurde 1807 ein kleines Herzogtum Warschau gegründet mit Teilen aus den preußischen „Erwerbungen“. 1809 musste auch Österreich Teile Westgaliziens an das Herzogtum Warschau zurückgeben. Doch der Wiener Kongress schlug die Provinz Posen wieder Preußen zu. Es folgte für die unter russischer Vorherrschaft stehenden Gebiete im Zuge der nationalistischen Entwicklung in Russland eine zunehmende Russifizierung, gegen die sich der Novemberaufstand von 1830 richtete. Er wurde von der zaristischen Armee 1831 blutig niedergeschlagen.

Nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges gründeten die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn Legionen aus Soldaten aus den früheren polnischen Gebieten unter dem Kommando von Josef Pilsudski, die gegen das zaristische Russland eingesetzt wurden. Nach der Oktoberrevolution 1917 legten diese die Waffen nieder, da das Ziel der Niederwerfung Russland erreicht war. Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson hatte in seinem 14 Punkte-Plan von 1917 für die Nachkriegszeit das Ziel der Unabhängigkeit Polens formuliert. Als Marschall Josep Pilsudski aus der Internierung in Deutschland nach Polen zurückkehrte, wurde am 11. November 1918 die 2. unabhängige polnische Republik ausgerufen. Gleichzeitig wurde das aktive und passive Wahlrecht für Frauen und Männer gesetzlich festgeschrieben. Die polnische Unabhängigkeit wurde im Versailler Vertrag 1919 bestätigt. Im Osten wurde die sog. Curzon-Line als Grenze festgelegt. Polen wurde so Gründungsmitglied des Völkerbundes.

Die Siegermächte des 1. Weltkrieges hatten Volkabstimmungen für Grenzziehungen im Westen vorgesehen. Durch eine der Abstimmung mit ca. 60% für Polen, 40% für Deutschland war die Weimarer Republik gezwungen, Westpreußen und Posen größtenteils an Polen zu geben. Da den Polen auch ein Zugang zur Ostsee zugesichert worden war, wurde Ostpreußen vom Deutschen Reich getrennt. Die Folge waren 200 000 Flüchtlinge aus diesen Gebieten in das Deutsche Reich.

Polen war mit seinen Gebietsgewinnen nicht zufrieden, orientierte sich an der Ausdehnung des großpolnischen Reiches und führte nach Osten weiter Kriege. Ab März 1919 siegte Marshall Pilsudski im polnisch-sowjetischen Krieg. Im darauf folgenden Friedensvertrag von Riga vom 21.3.1921 wurde die polnische Ostgrenze von der 1918 festgelegten Curzon-Line ca. 250 km nach Osten verschoben, auf zu der Zeit von Russen beherrschtes Land. Das Gebiet wies eine gemischte Bevölkerungsstruktur auf: es lebten dort Polen, Ukrainer, Weißrussen, Litauer, Juden und Deutsche. 1 Million der deutschen Minderheit emigrierte. 1926 putschte Pilsudski und war von 1926 bis 1935 Kriegsminister, faktisch aber autoritär bestimmender Führer seines Landes.

Im August 1939 schlossen das faschistische Deutschland und die Sowjetunion den Hitler-Stalin Pakt. In dem geheimen Zusatzprotokoll wurde vereinbart, dass das Deutsche Reich Polen überfällt und die Sowjetunion die baltischen Staaten annektiert. Am 1. September 1939 begann Nazi-Deutschland mit dem Überfall auf Polen den 2. Weltkrieg. 5,62 bis 5,82 Millionen polnische Staatsbürger, darunter mehr als die Hälfte jüdischen Glaubens verloren ihr Leben in diesem verbrecherischen Krieg bzw. in den Vernichtungslagern. Am 17. September folgte der Überfall der Roten Armee auf Ostpolen. Damit wiederholte sich die vollständige Teilung ein zweites Mal. Allein in den ersten 4 Monaten der deutschen Besatzungsherrschaft wurden mehrere 10 000 Menschen nach dem Plan der „Liquidierung des führenden Polentums“ (R. Heidrich) ermordet. Anfang der 40er Jahre wurden die Konzentrations- und Vernichtungslager Belzec, Sobibor und Treblinka errichtet, etwas später auch Ausschwitz und Maydanek.

Durch sowjetische Truppen wurden 1940 in Ostpolen im Massaker von Katyn 30 000 Personen, vorwiegend polnische Offiziere, ermordet. Schon vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte der brutale Diktator Stalin über 100 000 Polen in seinem Herrschaftsbereich umbringen lassen (Wikipedia zu Polen).

Polnische Partisanengruppen leisteten in Polen Widerstand gegen die Fremdherrschaft. Sie waren die größte Widerstandsbewegung im besetzten Europa. Vom 19. April bis zum 16. Mai 1943 dauerte der heldenhafte Aufstand fast aller jüdischen Bürger*innen aus den von ihnen angelegten unterirdischen Bunkern im Warschauer Ghetto gegen die Deportationen in die Vernichtungslager. Das Ghetto mit seinen Kämpfern wurde von der deutschen Wehrmacht niedergebrannt. Ungefähr 3 Mill. polnische Juden sind vernichtet worden. Zu erwähnen ist der Kinderarzt Janus Korzcak, der ein Kinderheim leitete und sich trotz Überlebens-Angebot entschied, zusammen mit „seinen“ Kindern in die Gaskammer zu gehen.  Am 1. August 1944 kam es zum Warschauer Aufstand. Auch er wurde von den deutschen Besatzungstruppen blutig niedergeschlagen unter großflächiger Zerstörung der Stadt. Schätzungsweise fanden 100-250 000 Menschen den Tod.

Nach Ende des zweiten Weltkrieges 1945 erfolgte entsprechend dem Potsdamer Abkommen die Westverschiebung Polens ungefähr zurück auf die in Versailles festgelegte Curzon Linie. 1,5 Millionen Polen wurden daraufhin von Russland vertrieben. Für das im Osten „verloren“ gegangene Gebiet „gewann“ Polen im Westen die ehemals deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie: Schlesien und Pommern sowie die südliche Hälfte von Ostpreußen. 5 Millionen Deutsche waren gegen Kriegsende aus diesen Gebieten nach Westen geflohen, nach dem Krieg wurden weitere 3,5 Millionen vertrieben – nur Oberschlesier durften bleiben, weil man ihr Wissen und ihre Arbeitskraft in den Kohlegruben behalten wollte.

Es folgte die von der Sowjetunion oktroyierte kommunistische Diktatur: die Volksrepublik Polen wurde Mitglied im Warschauer Pakt. Ab 1956 kam es nach Aufständen u.a. in Posen sowie der Arbeiter in Lokomotiven-Werken zur Entstalinisierung, Stalin war 1953 gestorben. Nach weiteren Aufständen – März Unruhen 1968, Danziger Aufstand 1970 und Volksaufstand in Warschau 1976 – wurde 1979 die Gewerkschaft Solidarnosc auf der Danziger Werft mit Lech Walesas, dem späteren Staatspräsidenten, an der Spitze, gegründet. Diese Entwicklung nach dem ersten Pabst Besuch von Johannes Paul II., der aus Polen stammte, war eine revolutionäre Wende. Die Risse im Ostblock waren nicht mehr zu übersehen. Es folgten turbulente Jahre: 1980 bis 1989 waren gekennzeichnet einerseits durch die Verhängung des Kriegsrechts zur Unterdrückung der Opposition, anderseits durch die Organisation von „Runden Tischen“ – es gibt keine hierarchische Sitzordnung mehr. Das Ergebnis waren am 4. und 18. Juni 1989 erste freie Wahlen im Ostblock, der Beginn der Rückkehr Polens in die europäische Völkerfamilie.

2. Grunddaten

1920pxImport_i_eksport_Polski, Außenhandelsentwicklung in Polen 1960 bis 2018, Ra.sz, CCO.jpg

Abbildung Außenhandlungsentwicklung in Polen 1960-2018, Förderung durch EU ab 2002, Ra.sz, CCO

Die Wirtschaft in Polen hat sich seit dem Übergang von der kommunistischen Staatswirtschaft zur Marktwirtschaft prächtig entwickelt. Die Exporte lagen 2004, dem Jahr des Beitritts zur EU, bei 80 Milliarden US Dollar, im Jahre 2018 bei 220 Milliarden US Dollar. Sie haben sich also fast verdreifacht! Polen hat durch die Finanzkrise ab 2008 keine Rezession erlebt.

Die Wachstumsraten des BIP lagen meist oberhalb des Durchschnitts der EU. Die Wirtschaftsstruktur Polens wird mit 63,5% Anteil am BIP vom Dienstleistungssektor beherrscht. Es folgt die Industrie mit 26,5%, Handwerk und Gewerbe mit 7% und die Landwirtschaft mit 3%. Die gesamte Wertschöpfung erfolgt zu 70% im privatwirtschaftlichen Sektor, d. h. die staatliche Tätigkeit ist im Verhältnis zu anderen Ländern relativ niedrig zu bewerten. 2017 lag die Staatsverschuldung bei 52% des BIP – der EU Durchschnitt lag bei 82,5%. Im Energiesektor wird die Stromerzeugung weitgehend durch die Verfeuerung von Stein- und Braunkohle erreicht. Daher ist Polen auch sehr zögernd, sich auf die Festlegung von CO2- Reduktionszielen und den Green Deal der EU Kommission einzulassen. (vgl. dazu hier die Kapitel Regionalpol. und Energiepolitik)

Polen ist Netto Empfänger von EU Geldern: 2018 erhielt das Land 12,3 Milliarden Euro. Dies macht 325 Euro pro Kopf der Bevölkerung aus. Diese Zahlungen erhöhen das BIP Polens um 2,58%, d. h. ohne die EU wäre das Wachstum des BIP um diesen Prozentsatz niedriger.

Der HDI lag 2019 bei 0,872, für ein Land, dessen kommunistische Unterdrückung gerade erst 30 Jahre zurückliegt, ein hoher Wert.

In der Politik Polens gab es einen gravierenden Wechsel: 2007 bis 2015 stellte die liberalkonservative Partei in einer Koalition mit der Bauernpartei die Regierung unter Donald Tusk. Ab 2015 übernahm die nationalkonservative Partei PIS die Führung und begann sofort mit einer Justiz- „Reform“, was einen ständigen Konflikt mit der EU Kommission auslöste. Die Regierung zielte darauf ab, die Justiz unter ihre politische Kontrolle zu bringen. Als erstes wollte sie missliebige Richter entfernen, indem diese in den vorzeitigen Ruhestand geschickt wurden. Der EUGH rügte das als mit EU Recht unvereinbar. Außerdem wurde eine Disziplinarkammer für Richter eingerichtet, um Richter an der Meinungsäußerung zu hindern sowohl gegenüber Entscheidungen anderer Gerichte als auch allgemein politisch.

Da die Vertragsverletzungsverfahren des EUGH bisher aber offenbar nur geringe bis keine Wirkung gezeigt haben, wird jetzt erwogen, bei Verstößen gegen rechtsstaatliche Prinzipien Mittel aus dem EU Haushalt zurückzuhalten. Polen hat jedoch verlauten lassen, dass es dem EU- Haushalt für die nächsten Jahre genauso wie Ungarn nicht zustimmen wird. Noch muss die Zustimmung zum Haushalt einstimmig erfolgen und der frisch ausgehandelten Rechtsstaatsmechanismus ist an den Haushalt gekoppelt. Damit bricht ein grundsätzlicher Konflikt über die Verbindlichkeit der EU Grundwerte verschärft auf. Es ist fraglich, ob es der deutschen Ratspräsidentschaft bis Ende 2020 gelingt, den Konflikt gesichtswahrend für alle Beteiligten – ohne die Grundwerte zu verraten – zu lösen. Noch ist Polen (für die EU) nicht verloren …

Auf Grund der leidvollen Geschichte sucht Polen auch in der EU nach einem möglichst hohen Maß an Eigenständigkeit. Schon nach den ersten Teilungen hatte ein vielgestaltiges Ringen um den Weg zurück mit vielen gesellschaftlichen Fraktionierungen in Polen eingesetzt. Als wichtigster Verbündeter werden nach dem Ende der Sowjetunion die USA angesehen. Seit 2016 sind US Truppen in Polen auf deren ausdrücklichen Wunsch stationiert.

Die katholische Kirche in Polen „beherrscht“ die Gesellschaftspolitik der PIS: Das Oberste Gericht hat ein Abtreibungsrecht beschlossen, das Abtreibungen praktisch unmöglich macht, selbst nach Vergewaltigungen nicht. Hier kommt wieder einmal die Verachtung der katholischen Kirche für Frauen zum Ausdruck. Seit einiger Zeit demonstrieren Frauen in Polen gegen diese schändliche „Reform“. Dabei beginnt gerade die öffentliche Bekanntmachung von Missbrauchsfällen auch in der polnischen katholischen Kirche: Der Privatsekretär von Pabst Johannes Paul II. Kardinal Stanislaw Dziwisz soll im großem Stil über Jahre Missbrauch vertuscht haben, „betroffene“ Priester wurden allenfalls versetzt und die Justiz drückte ein Auge zu. „Wir sehen, wie vor unseren Augen der sog. „Kulturkatholizismus“ zusammenbricht“, sagt der Theologe Jacek Prusak vom Krakauer Jesuiten Kolleg „Ignatianum“ (Tagesschau.de vom 11.11.2020″ : Polens katholische Säulen wanken). Scharfe Kritiker dieser rechtswidrigen und unmoralischen Verhaltensweisen sowie der „neuen“ Rechtssetzung sprechen von einer schwarzen Mafia. Ist ein liberales Polen noch zu retten???

Auch was gleiche Rechte für Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung angeht, argumentieren PiS-Politiker, das seien ideologische Aktivisten, die lediglich für ihre Privilegien kämpften, obwohl sie voll gleichberechtigt behandelt würden (so z.B. Witold Waszczykowski, erst PiS-Außenminister, seit 2019 Europaabgeordneter, Die Zeit, 12.11.2020) Damit kündigt Polen, in dem bereits sog. LGBT-freie Zonen ausgewiesen worden sind, an, sich auch auf diesem Gebiet den von der EU geplanten Gleichstellungsgesetzen quer stellen zu wollen – ähnlich wie Ungarn, die jetzt in der Verfassung verankern wollen, dass „die Mutter eine Frau und der Vater ein Mann“ zu sein hat (RZ, 13.11.2020).

Was die auf EU-Ebene außerdem umstrittene Flüchtlingspolitik betrifft, bedienen Polen die unehrliche Argumentation, sie hätten ja bereits 2 Mill. Ukrainer aufgenommen, deshalb seien sie außen vor zu lassen. Die Ukrainer allerdings kommen mit Visa als Arbeitsmigranten, müssen also in keiner Weise versorgt werden und können sich sogar sprachlich verständigen.

Wissenschaft und Kultur: Marie Curie, geb.1867 als M. Sklodowska in Warschau, ab 1891 in Frankreich lebend, erhielt 1903 den anteiligen Nobelpreis für Physik und 1911 den Nobelpreis für Chemie – eine einmalige Kombination! Nikolaus Kopernikus wurde 1473 in Thorn in eine deutschsprachige großbürgerliche Familie geboren und wurde später Domherr in Frauenburg, das zum Ermland gehörte. Er bewies als Astronom das hellozentrische Weltbild, nämlich dass die Erde eine Kugel sei. Gegenüber der vorher von der katholischen Kirche verbreiteten These war dies die „kopernikanische Wende“. Er ist im Dom zu Frauenburg beerdigt worden. Frederic Chopin (1810-1849) war ein polnischer Komponist und herausragender Pianist. Er lebte in Frankreich und hatte ab 1835 die französische Staatsbürgerschaft inne. Polen gelten als ausgezeichnete Restauratoren. Sie haben die Innenstadt von Danzig originalgetreu wieder aufgebaut, nachdem diese nach dem Einmarsch der Russen von diesen zerstört worden ist.

Für Polen kulinarisch sind Pierogi zu nennen: Teigtaschen gefüllt mit zerdrückten gekochten Kartoffeln und mit Quark oder anderen Füllungen. Bigos, ein Eintopf mit Sauerkraut, Weißkohl, Speck und Schweine- und Rindfleisch gilt auch als typisch polnisch. Es gibt zahlreiche typisch polnische Biersorten.