Portugal (PT)

Portugal ist ein südeuropäisches Land im Westen der iberischen Halbinsel, es grenzt im Osten an Spanien und ist ansonsten vom Atlantik umspült. Die Hauptstadt ist Lissabon. 2019 hatte Portugal 10,3 Millionen Einwohner, 115 im Schnitt auf dem Quadratkilometer. Portugal war lange Zeit so arm, dass viele auswanderten, sei es nach Brasilien sei es in die afrikanischen Kolonien oder sie verdingten sich als „Gastarbeiter“ in anderen europäischen Ländern. Portugal ist heute eine semipräsidentielle Demokratie. Portugal trat 1949 der Nato und 1986 mit Spanien der EU bei. 1995 wurde Portugal Mitglied des Schengen Raumes. 1999 wurde der Euro eingeführt. 2007 wurde der Vertrag von Lissabon, praktisch die heutige Verfassung der EU, in Lissabon besiegelt, weil Portugal zu dieser Zeit den Vorsitz im Rat der Staats- und Regierungschefs inne hatte.

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Tratado de Lisbo a 13.12.2007, original from prezydent.pl -GFDL 1.2, wiki. Bemerkenswert, wie wenige Damen noch 2007 zur Kommission sowie den Regierungschefs und Parlamentsvorsitzenden, sowie Mitarbeitern (über 60 Personen insgesamt) gehörten.

1. Geschichte

Aus einer Höhle in Zentralportugal unweit der Atlantikküste stammen die frühesten Hinweise auf die Besiedlung Westeuropas durch den homo sapiens, ca. 40 000 Jahre vor Christi Geburt. Er zeichnete sich aus durch den aufrechten Gang und die Benutzung von Werkzeugen.

Ab ca. 800 vor unserer Zeitrechnung gründeten die Phönizier Handelsniederlassungen an der Algarve. Die Phönizier hatten u.a. Stadtstaaten, in Syrien, in Beirut und Sidon, beide heute im Libanon, Akko in Israel. Nach den Phöniziern folgte die Einwanderung durch Kelten. Ab 450 vor Christi Geburt wurde die südliche iberische Halbinsel von Karthago aus, einer Großstadt in Nordafrika nahe dem heutigen Tunis, besiedelt.

Nach dem Sieg Roms über Karthago begann im Territorium des heutigen Portugal die Herrschaft Roms, zunächst als Hispania ulterior, dann unter Kaiser Augustus als Provinz Lusitania. So kam das umgangssprachliche Latein ins Land und prägte die portugiesische Sprache. Nach der Übernahme des Christentums für das römische Reich durch Kaiser Konstantin 320 nach Christi Geburt kam diese Religion auch nach Portugal. Nach Ende der römischen Herrschaft ab 400 drangen im Rahmen der Völkerwanderung u.a. Sueben, eine Stammesgruppe germanischer Völker, in das Gebiet des heutigen Portugal ein.

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Castelo de Guimaraes, romanische Festung zum Schutz vor Arabern und Normannen, Symbol der Unabhängigkeit von ca 1050, António Amen, CC BY-Sa 3.0

Ab 711 begann die maurische Herrschaft: Ein Berberheer aus Nordafrika besiegte die Armee des Westgoten Königs Roderich. Im Jahre 858 begann die die Rückeroberung des Territoriums von Portugal. Die Herrschaft von 1071 ist das Jahr des Beginns des unabhängigen Königreichs Portugals.

Unter König Emanuel I. (1495-1521) avancierte Portugal zur führenden europäischen Handels- und Seemacht: Heinrich der Seefahrer (1394-1460) hat das portugiesische Kolonialreich in Afrika – Angola und Mozambique -, in Südamerika, u.a. Brasilien und in Asien, u.a. Portugiesisch Indien, Ceylon, Malaysia und Macau errichtet. Vasco da Gama hat den Seeweg nach Indien um das „Kap der Guten Hoffnung“ herum an der Südspitze Afrikas entdeckt. Ferdinand Magellan (1480-1521) hat sich später aufgemacht, um die westliche Route zu den asiatischen Gewürzinseln zu finden, denn auf dem Landweg durch Arabien wurden zu viele Zölle verlangt. Er segelte mit 10 Schiffen gen Südamerika und hinein in jede Ausbuchtung des Landes. Doch wenn seine Leute feststellten, dass sie auf Süßwasser trafen, war klar, dass dies eine Flussmündung und nicht die Durchfahrt zum Pazifik war. Endlich ganz an der Südspitze Südamerikas fanden sie die Durchfahrt, die später Magellan Straße genannte Verbindung der Meere. Magellan starb bei einer kriegerischen Auseinandersetzung, doch eins der 10 Schiffe kehrte nach Portugal zurück mit einem Wert an Südfrüchten und Gewürzen, der die Kosten der gesamten Expedition übertraf. Stefan Zweig hat dieses Abenteuer phantastisch als Roman beschrieben. Durch den Handel mit Süd-Ost-Asien wurde Portugal eine der reichsten Nationen Europas.

1580 fiel Portugal an die spanischen Habsburger und ging in der iberischen Union auf. Damit verlor Portugal bis 1640 seine Unabhängigkeit und Teile seines Kolonialreiches. 1640 erreichte eine Adelsrevolte gegen Spanien noch ein Mal die Unabhängigkeit. 1755 zerstörte ein verheerendes Erdbeben große Teile Lissabons. 1761 kam es zu einem vereinten Angriff Spaniens und Frankreichs auf Portugal. Doch die zusammengeschlossenen portugiesischen und britischen Truppen unter dem Oberbefehl von Wilhelm Graf zu Schaumburg-Lippe konnten diesen Angriff abwenden und so die Unabhängigkeit Portugals sichern.

1807 besetzten napoleonische Truppen das Land. Die königliche Familie floh nach Brasilien. Nachdem die Franzosen mit Hilfe der Briten vertrieben worden waren, kam es 1821 zu einer Verfassung, die Portugal als konstitutionelle Monarchie errichtete. 1822 wurde Brasilien formal unabhängig von Portugal.

In der Endphase der portugiesischen Monarchie bis 1910 herrschte im Land große Armut, eine geringe Bildung der Bevölkerung – 80% waren Analphabeten -, Staatsbankrott 1891 und republikanische Aufstände bei gleichzeitigem luxuriösem Lebenswandel der Herrscherfamilie. Die Rate der Analphabeten an der Bevölkerung beträgt heute 5% mit sinkender Tendenz – zum Vergleich Deutschland 1%. 1908 wurde König Karl I. bei einer Kutschfahrt erschossen. 1910 wurde die Republik ausgerufen, also die Monarchie abgeschafft.

Im 1. Weltkrieg unterstützte Portugal Großbritannien in der Hoffnung, seine afrikanischen Kolonien, Angola und Mozambique zu schützen. 1916 trat Portugal offiziell auf Seiten der Entente in den Krieg ein und mobilisierte zeitweise 56 500 Soldaten. Die erste Republik war bis 1926 durch politische Instabilität gekennzeichnet: es gab monarchistische und kommunistische Aufstände und eine schwache Regierung.

1926 gab es einen Militärputsch, durch den der Aufstieg von Antonio de Oliveira Salazar zur höchsten diktatorischen Macht begann. In diesem faschistischen Regime wurde nur eine Einheitspartei zugelassen, eine allmächtige Geheimpolizei errichtet und die Zensur der Medien etabliert. Ziel war ein Ständestaat nach katholisch-autoritärer Ideologie. Salazar sympathisierte mit General Franco im spanischen Bürgerkrieg, aber hielt Portugal im 2. Weltkrieg neutral. Er erlaubte schließlich 1943 den Alliierten die Errichtung von Militärbasen auf den Azoren. Ab 1960 führte Portugal erbitterte Kriege gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kolonien besonders in Afrika. In diesem Jahren erlangten 16 afrikanischen Länder ihre Unabhängigkeit. 1968 trat Salazar aus Gesundheitsgründen zurück.

1974 putschten Offiziere, die erkannt hatten, dass die Kolonialkriege nicht zu gewinnen waren. Durch die Wirtschaftskrise, ausgelöst durch die erste Ölkrise von 1973 sympathisierten große Teile der portugiesischen Bevölkerung mit den putschenden Offizieren. Sie steckten den Soldaten Nelken in die Gewehrläufe, deshalb die Rede von der Nelkenrevolution. 1974/75 wurden die Kolonien außer Macau in die Unabhängigkeit entlassen. Macau folgte 1997.

1976 wurde eine neue republikanische Verfassung verabschiedet.

Die portugiesische Geschichte ist eine typische Geschichte für das Auf- und Ab: Auf bis zu einer führenden und reichen Weltmacht mit vielen, vielen Kolonien. Ab bis zu bitterer Armut und Chaos und faschistischer Diktatur und wieder Auf als Demokratie in der Europäischen Gemeinschaft!

2. Grunddaten

Krkeiche in der Algarve, Portugal, Hannes Grobe, wiki.jpg

Alte Korkeiche in der Algarve, Hannes Grube, wiki

Die Wirtschaftsstruktur Portugals ist in einem schnellen Wandel begriffen: Die Landwirtschaft trägt nur 2% zum BIP bei, in ihr sind aber ca. 10% der Bevölkerung beschäftigt. Es werden Weizen, Mais und Wein angebaut. Der Export von Kork als Verschluss von Flaschen ist dramatisch rückläufig, da die Winzer in der EU zunehmend auf Schraubverschlüsse umstellen. Aber auch für Baustoffe wird Kork verwandt, wie z.B. für Fußböden und als wärmeisolierendes Material.

Der Fischfang steht ebenfalls vor großen Herausforderungen, da die Bestände besonders der in Portugal so beliebten Sardinen dramatisch zurückgehen. Zur Industrie gehört die Papierherstellung. Es werden schnell wachsende Eukalyptus Bäume angebaut, die jedoch die Böden auslaugen und leicht brennen. Zum Export der Industrie gehören Bekleidung, Schuhe, Maschinen, Chemieprodukte, Zellstoff und Papier. Zum Dienstleistungssektor, der inzwischen 66% zum BIP beiträgt, gehört insbesondere der Tourismus. 2017 verzeichnete Portugal 12,8 Millionen ausländische Reisende. Auf Grund der Corona Pandemie leidet dieser Sektor besonders.

Bis zur Finanzkrise ab 2007/8 lag das Wirtschaftswachstum Portugals meist höher als das der EU im Durchschnitt. Nach harten staatlichen Sparmaßnahmen konnte die Rezession überwunden werden. Lag die Arbeitslosigkeit 2013 noch bei 17,7%, so war sie 2017 auf 9,8% gesunken und lag 2018 bei 6,7%. Aber: die Jugendarbeitslosigkeit ist nach wie vor hoch.

Das kaufkraftbereinigte BIP pro Kopf hat sich in Portugal sehr gut entwickelt: Lag es 1980 bei 6.005,- US Dollar, so war es 10 Jahre später bereits doppelt so hoch und lag bei 12.783,-. Weitere 20 Jahre später hatte es sich wieder verdoppelt und lag 2010 bei 26.496,-. Für das Jahr 2019 war ein Betrag von 36.246,- US-Dollar erreicht. Diese Zahlen belegen eine kontinuierliche Steigerung des durchschnittlichen Lebensstandards, was auch durch die Zugehörigkeit zur Europäischen Gemeinschaft erreicht wurde. Zum Vergleich: 2019 liegt das jährliche BIP pro Kopf kaufkraftbereinigt in Spanien bei 43.154,- und in Polen bei 34.484,- US Dollar. Nach dem EU Beitritt von 10 osteuropäischen Ländern befindet sich die Arbeitsbevölkerung Portugals in einem verstärkten Wettbewerb auf dem Binnenmarkt.

Portugal gewinnt mehr als ein Viertel seines Strombedarfs aus Windenergie, besonders aus off-shore-Parks. Auch mit Hilfe von EU-Geldern wurde das Glasfasernetz für schnelles Internet zügig ausgebaut: 2012 waren bereits 10,3% der Haushalte versorgt, während der Anteil in Deutschland zu dieser Zeit lediglich bei 1% lag.

80% des Außenhandels wird mit EU-Partnern abgewickelt, wobei es ein großes Außenhandelsdefizit gibt. Die bisherigen Einnahmen aus dem Tourismus und die Rücküberweisungen von Portugiesen im Ausland führen dazu, dass das Zahlungsbilanzdefizit nicht ganz so hoch ist wie das Handelsbilanzdefizit.

Die Staatsverschuldung lag 2017 bei 124,8%, mehr als doppelt so hoch, wie nach den Maastricht Kriterien erlaubt.

Der HDI lag 2017 bei 0,847.

Kulturell ist für Portugal Fado – abgeleitet vom lateinischen fatum gleich Schicksal – typisch: Es handelt sich um ein Musik- und Tanzgenre und eine Vortragsart mit dem Akzent auf der Darstellung des Weltschmerzes. Inhaltlich geht es um unglückliche Liebe, soziale Missstände und die Sehnsucht nach dem besseren Leben. Fado wurde 2011 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Kulinarisch ist zu vermelden, dass gegrillte Sardinen und Stockfisch zu den portugiesischen Nationalgerichten gehören.

 

Rumänien (RO)

Rumänien ist ein Süd-Ost-Europäisches Land am Schwarzen Meer. Es grenzt nach Süden an Bulgarien, im Westen an Ungarn und Serbien, im Norden und Osten an die Ukraine und Moldawien. Rumänien hat damit zwei Nachbarn, die EU-Mitglieder sind und 3 weitere europäische Staaten, die (noch) nicht Mitglieder sind. Mehr als die Hälfte der südl. Grenze läuft entlang der Donau. Rumänien wird intern durch den Gebirgszug der Karpaten in die drei historischen Regionen Moldau, Transsilvanien oder Siebenbürgen und die Walachei getrennt. Mit der Ulmer Schachtel, einem Einweg-Boots-Typ zum Fahren mit der Donauströmung flussabwärts, kamen im 17. und 18. Jahrhundert Auswanderer, Donauschwaben, die ihre einfachen Häuser auf den Booten mitbrachten, in die von den Habsburgern neu eroberten Gebiete im südöstlichen Europa: nach Ungarn und nach Rumänien. Angekommen konnte aus den Schachteln und dem Holz des Bootes gleich das Haus fertig gebaut werden. Auch zwischen 1804 und 1818 kamen so die Bessarabien-, Dobrutscha- und Schwarzmeerdeutschen in die heute zu Rumänien gehörenden Siedlungsgebiete. 1990 hatte Rumänien 23,46 Millionen Einwohner, 2019 nur noch 19,41Mill., was 84,4 Einwohner pro Quadratkilometer bedeutet. Die ungarische Minderheit macht mit 1,2 Millionen 6,5% der Bevölkerung aus. Die Hauptstadt ist Bukarest. Die Staatsform ist die einer parlamentarischen Republik. Jeweils ein Sitz im Parlament ist für die 18 Minderheiten im Land reserviert, und zwar unabhängig von den Stimmergebnissen. Rumänien ist das einzige Land des früheren kommunistischen Warschauer Paktes, dass ununterbrochen diplomatische Beziehungen zu Israel unterhielt.

Rumänien trat nach der Befreiung vom diktatorischen kommunistischen Regime 1989 der Nato 2004 bei und 2007 der EU. Es ist ein säkulares Land, also ohne eine offizielle Staatsreligion, aber 86,7% der Bevölkerung bekennen sich zur rumänisch-orthodoxen Kirche.

In früheren Zeiten lebten viele deutschsprachige Menschen im heutigen Rumänien, z. B. die Siebenbürger Sachsen oder die Donauschwaben. Mehr als 200 000 Menschen wurden zwischen 1986 und 1989, also vor dem Sturz des kommunistischen Diktators Ceausescu, von der westdeutschen Regierung freigekauft (Wikipedia zu Rumänien).

1. Geschichte

DSC04078 (2).JPG Seit dem 5. Jahrhundert vor Christi Geburt siedelten im Gebiet des heutigen Rumäniens die Völker der Geten und Daker, Stämme des Thraker-Volkes. 85-106 nach Christi Geburt war Decebalus der letzte König von Dakien. Seine 40 Meter hohe Felsstatue ist am Donauufer zu besichtigen in der Nähe des Eisernen Tores. Ab dort bildet die Donau über eine lange Strecke die Grenze des heutigen Rumäniens nach Süden.

106 besiegte Kaiser Trajan dieses Königreich und machte es zur römischen Provinz Dacia, das war ungefähr das Gebiet von Siebenbürgen, Banat und Ottenien. Zu Zeiten der Völkerwanderung zogen Goten, Hunnen, Slaven, Awaren, Türken und Bulgaren durch diese Gebiete. Die dakisch-romanische Bevölkerung konnte sich aber im Kern behaupten. In der Mitte des 6. Jahrhunderts wurde das Land von Bulgaren beherrscht. Diese brachten das Christentum mit und auch das kyrillische Alphabet, das bis 1862 galt. Im 9. Jahrhundert fielen die Ungarn in Rumänien ein und spielten über Jahrhunderte ihren politischen Einfluss aus.

Im frühen 14. Jahrhundert begründete der rumänische Adelige Basarab I. das Fürstentum Walachei, das bis 1330 unter der Vorherrschaft des Königtums Ungarns stand. In einer Schlacht konnte diese Vorherrschaft abgeschüttelt werden. Danach aber wurde es abhängig vom osmanischen Reich, nachdem Bulgarien von türkischen Sultanen erobert worden war. Das Fürstentum Moldau erlangte 1365 seine Unabhängigkeit vom Königreich Ungarn. Beide Fürstentümer, die Walachei und Moldau grenzten sich auch religiös vom katholischen Ungarn ab, indem sie orthodoxe Metropolen errichteten. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurden beide Fürstentümer dem osmanischen Reich gegenüber tributpflichtig, konnten sich aber eine gewisse politische und religiöse Autonomie erhalten. Im 16. Jahrhundert wurden die Dobrutscha, der Budschak (südliche Teil von Bessarabien) und das Banat vom islamischen osmanischen Reich beherrscht.

Im 17. und 18. Jahrhundert, als die österreichisch-ungarische Habsburger Monarchie die ständigen Expansionsbestrebungen des osmanischen Reiches stoppen konnte, gerieten Siebenbürgen (1711), das Banat (1718) und die Bukowina (1775) unter die Kontrolle dieses Herrscherhauses. Das zaristische Russland setzte sich 1812 in Bessarabien fest. Damit trat neben Ungarn und dem osmanischen Reich eine dritte Macht mit Ansprüchen auf rumänische Fürstentümer auf den Plan.

Die Vertreter der Revolution von 1848 verlangten die Vereinigung der Fürstentümer Rumäniens, um einen Nationalstaat zu errichten. Es kam zu einer Realunion der Fürstentümer Walachei und Moldau. Im Russisch-osmanischen Krieg 1877/78 kämpfte Rumänien auf Seiten des siegreichen zaristischen Russlands. Danach wurde die Unabhängigkeit Rumäniens bestätigt, allerdings musste es Bessarabien an Russland abtreten.

1881 wurde das neue Königreich Rumänien gebildet unter König Karl I. aus dem Hause Hohenzollern-Sigmaringen, der bis 1914 regierte. 1913 fand der 2. Balkankrieg statt: Rumänien gegen Bulgarien. Danach fiel die südliche Dobrudscha an Rumänien. Unter König Ferdinand I. (1914-1927) trat 1916 Rumänien auf Seiten der Entente in den 1. Weltkrieg ein. Außerdem kam es 1919 noch zu einem ungarisch-rumänischen Krieg, der mit der Besetzung Budapests durch die rumänischen Kämpfer endete.

In den Verträgen von Versailles (1919) und Trianon (1920) wurden die Grenzen Rumäniens erneut festgelegt: Vom untergegangenen Österreich-Ungarn erhielt Rumänien Siebenbürgen, das östliche Kreischgebiet, die Bukowina und 2/3 des Banat und vom bolschewistischen Russland Bessarabien. Damit hatte sich die Staatsfläche und die Bevölkerungszahl Rumäniens am Ende des 1. Weltkrieges verdoppelt. Aus einem relativ homogenen Nationalstaat war ein Vielvölkerstaat geworden mit Minderheiten aus Ungarn, Deutschen, Bulgaren und Ukrainern, die 25% der Bevölkerung ausmachten.

Donau_Einzugsgebiet, Teilkarte Rumänien, TonGonzales,major revision by Ulamm in 2016, CC BY-Sa 2.0.png

Teilkarte des Einzugsgebietes der Donau, TomGonzales, major revision by Ulamm in April 2016, CC BY-SA 2.0

1929 wurde das Frauenwahlrecht auf kommunaler Ebene eingeführt, jedoch abhängig vom Bildungsgrad, sozialer Stellung und besonderen Verdiensten für die Gesellschaft. Ab 1939 wurde das Wahlrecht für Männer und Frauen gleichermaßen bestätigt ab Lebensalter 30, wenn sie lesen und schreiben konnten.

In den 30er Jahren schlug sich Rumänien auf die Seite des faschistischen Deutschland und nahm an seiner Seite als Militärdiktatur am 2. Weltkrieg teil. Es wechselte zwar 1944 die Fronten, konnte damit aber nicht verhindern, dass es große Teile seines Staatsgebietes an die Sowjetunion, an Bulgarien und Ungarn verlor und es wurde schließlich wie diese zu kommunistischen Diktaturen.

Die rumänische Regierung an der Seite Nazi-Deutschlands ist mit verantwortlich für die Ermordung von 270 000 rumänischen Juden (Wikipedia) und mehr als 11 000 Roma.

Unter dem sowjetischen Einfluss wurden die Eliten des alten Systems sowie politische Gegner enteignet, verschleppt oder ermordet. 1947 wurden alle bürgerlichen Parteien verboten, die sozialdemokratische Partei mit der kommunistischen zwangsvereinigt und 1948 die Volksrepublik Rumänien ausgerufen. Damit begann die Verstaatlichung der Industrie, der 1950 die der Landwirtschaft folgte. 1955 wurde die Volksrepublik Rumänien Teil des Warschauer Paktes. Diktatorischer Gewaltherrscher wurde unter dem kommunistischen Vorzeichen Nicolae Ceausescu, der sich besonders auf die berüchtigte Geheimpolizei Securitate stützte. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Fall der Berliner Mauer kam es 1989 zur rumänischen Revolution und zu Straßenkämpfen mit mehr als 1000 Toten. Teile des Militärs stellten sich auf die Seite der Revolutionäre. Ein Militärgericht verurteilte Ceausescu. Er und seine Frau wurden standrechtlich erschossen.

Rumänien, Hermannstadt_zweisprachiger_Kanaldeckel, 2007, Wolfgang J. Kraus, CC BY-Sa 3.0.JPG

Kanaldeckel, Wolfgang J. Kraus, CC BY-Sa 3.0

Der Siebenbürger Sachse Klaus Johannis setzte sich zweimal gegen seine Gegenkandidaten durch und ist seit 2014 Staatspräsident, 2019 wiedergewählt. Ab 2000 war er Bürgermeister von Sibiu, früher Hermannstadt gewesen. Die Familie war vor ca. 850 Jahren eingewandert. Eltern und Schwester wanderten 1989 nach Bayern aus.

 

 

 

2. Grunddaten

Rumänien, Sibiu, Blick vom Turm der ev. Stadtpfarrkirche auf den kleinen Ring mit Ratsturm, Mätes II., CC By-Sa 3.0.jpg

Blick vom Turm der ev. Stadtkirche auf den kleinen Ring von Sibiu mit Ratsturm, Mätes II., CC BY-SA 3.0

Die Wirtschaftsstruktur Rumäniens gliedert sich wie folgt: Die Landwirtschaft und Fischerei zeichnet sich aus durch den Anbau von Sonnenblumen, Weizen, Flachs, Sojabohnen, Reis, Wein und Obst. Rumänien ist nach Großbritannien und Spanien der drittgrößte Produzent von Schafen und Ziegen. An der Schwarzmeerküste werden Störe gefangen, um Kaviar zu gewinnen. 2019 sind in der Land- und Fischereiwirtschaft  22,5% aller Beschäftigten anzutreffen, die Landwirtschaft leistet aber nur einen Beitrag zum BIP von 4,1%. Dies bede

Die Industrie ist vielfältig: Zum  Maschinenbau gehören der KFZ Bau – die Marke „Dacia“ gehört heute zu Renault, wird aber in Rumänien produziert -, die Automobilzulieferindustrie und der Schiffsbau. Des weiteren sind die chemische und die Ölindustrie von Bedeutung. Einen breiten Raum nimmt die Textil- und Bekleidungsindustrie ein. Die Industrie trägt 2019 mit 28,16% zum BIP bei mit abnehmender Tendenz. In der Industrie sind 30% der Bevölkerung tätig. Frankreich und Rumänien pflegen eine strategische Partnerschaft nicht nur im industriellen Sektor.

utet, dass die Beschäftigten der Landwirtschaft in Relation zu den anderen Wirtschaftssektoren wenig produktiv sind.

Die Industrie ist vielfältig: Zum  Maschinenbau gehören der KFZ Bau – die Marke „Dacia“ gehört heute zu Renault, wird aber in Rumänien produziert -, die Automobilzulieferindustrie und der Schiffsbau. Des weiteren sind die chemische und die Ölindustrie von Bedeutung. Einen breiten Raum nimmt die Textil- und Bekleidungsindustrie ein. Die Industrie trägt 2019 mit 28,16% zum BIP bei mit abnehmender Tendenz. In der Industrie sind 30% der Bevölkerung tätig. Frankreich und Rumänien pflegen eine strategische Partnerschaft nicht nur im industriellen Sektor.

Der Dienstleistungssektor trägt zu 58,16% zum BIP bei mit steigender Tendenz. In ihm sind 47,5% der Bevölkerung beschäftigt. Damit erweist sich der Dienstleistungssektor am produktivsten pro Beschäftigtem in Relation zu den anderen Sektoren. Zum Dienstleistungssektor gehört prominent der Tourismus (Alle Zahlenangaben von statista).

Nach der internationalen Finanzkrise weist die rumänische Wirtschaft relativ hohe Wachstumsraten des realen BIP auf: 2013 3,5%, 2014 3,1%, 2015 3,9%, 2016 4,8%, 2017 7,1%, 2018 4,4% und 2019 4,1%. Diese Zahlen kennzeichnen den positiven wirtschaftlichen Aufholprozess Rumäniens, besonders seit dem EU Beitritt 2007. Der Global Competitiveness Index von 2018 sieht Rumänien auf Platz 52 von 140 Ländern. Der Index der wirtschaftlichen Freiheit weist Rumänien Rang 39 von 180 Ländern zu. Trotzdem ist Rumänien weiterhin ein armes Land. Viele Arbeitnehmer verdingen sich im Ausland, vorzugsweise in Italien und Spanien, aber auch in Deutschland in Schlachthöfen mit teils sehr schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen und in der Landwirtschaft.

2018 wird das BIP pro Kopf kaufkraftbereinigt mit 26.448,- US Dollar angegeben, wie gesagt ein Durchschnittswert. 20% der rumänischen Bevölkerung werden als „working poor“ bezeichnet. Die Definition ist nicht eindeutig, weil die Arbeitszeiten dieser Menschen stark variiert. Nach der EU Definition ist armutsgefährdet, wer weniger als 60% des Durchschnittseinkommens verdient.

Ein Grundproblem der rumänischen Gesellschaft ist die tief verwurzelte Korruption: Es wird berichtet, dass Ärzte, Lehrer, Priester und auch Verwaltungsbeamte für ihre Dienste zusätzlich zu ihrem meist kargen Lohn die Hand aufhalten für einen kleinen „Zuverdienst“.

Der HDI lag 2018 bei 0,811.

Rumänien, Schloss Bran, alias Dracula, Dobre Cezar, CC BY-Sa 3.0. RO.jpg

Schloss Bran, alias Dracula, Anfang 15.Jhdt. Dabre Cézar, CC BY-SA 3.0 RO

Kulturell ist Rumänien ein Land vieler Burgen, u. a. der von Graf Dracula.

Einer der 12 Europäischen Fernwanderwege – E 8 – verbindet die Nordsee mit den Karpaten. Er beginnt in Irland, geht quer durch England, dann durch die Niederlande, quert die Mosel am äußersten Rand von Koblenz und den Rhein bei Worms, führt durch die Slowakei, Südpolen und die Ukraine nach Rumänien. Er ist 7500 km lang und wurde geschaffen, um die europäischen Länder nicht nur geographisch zu verbinden. Ein anderer Europäischer Fernwanderweg beginnt in Spitzbergen in Norwegen und führt gradewegs südlich bis Sizilien.

 

 

Paul Celan, wurde 1920 als Sohn einer deutschsprachigen jüdischen Familie in Cernowitz, der Hauptstadt der Bukowina im Königreich Rumänien (heute Ukraine) geboren. Er starb 1970 in Paris. Seine weltberühmte Todesfuge, die mit lyrischen Mitteln den Holocaust beschreibt, beginnt so:

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends

wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts

wir trinken und trinken

wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt

der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland

dein goldenes Haar Margarete

Elie Wiesel ist ein rumänisch-US-amerikanischer Schriftsteller, ein Überlebender des Holocaust, der für sein hervorragendes Engagement 1986 den Friedensnobelpreis erhielt für seinen Kampf gegen Gewalt, Unterdrückung und Rassismus.

Gheorghe Zamfir ist ein rumänischer Panflötist, der mit dem Lied „der einsame Hirte“ Weltruhm erlangte. Er spielte es u.a. bei einem Konzert, das André Rieu 2019 in Cluj, Transilvanien gab (You Tube).

Kulinarisch sind die verschiedenen Suppen, sei es Gemüse-, sei es Bohnen-, sei es Hühner- oder Rindersuppen zu nennen. Auch gelten Sarmale, eingelegte Krautwickel mit Füllung aus Hackfleisch als rumänische Spezialität. Verschiedene Schnäpse sind für Rumänien typisch: Marillen-, Birnen- und Pfirsichschnäpse.

 

Schweden

Das skandinavische Land Schweden grenzt im Westen an Norwegen, im Nordosten an Finnland und im äußersten Norden an Russland. Von Dänemark ist Schweden nur durch den Öresund getrennt. Die Hauptstadt ist Stockholm.

Schweden bzw. Norwegen, rare red_and_green_auroras just outside Tromsoe 2011, Frank Olsen, CC BY-SA 3.0.jpg

rare red and green auoras, 2011, Frank Olsen, CC BY-SA 3.0

2019 hatte Schweden 10,23 Millionen Einwohner und im Schnitt 23 pro Quadratkilometer – im nördlichen Bereich ist Schweden von einsamen Wäldern bedeckt. Die Fläche des Landes ist größer als die von Deutschland. Als ein Land des Nordens wirbt es um Touristen mit schönen Bildern von Polarlichtern. Ein besonders schönes, aber seltenes Foto ist einem norwegischen Fotographen in der Nähe von Tromsö gelungen, nicht weit entfernt von Schweden.

Schweden ist ein Einheitsstaat auf der Basis eines parlamentarischen Königreiches. Schweden ist 1995 der Europäischen Union beigetreten, gehört aber weder zur NATO noch zum Euro-Raum.

1. Geschichte

Die erste Erwähnung Schwedens geht auf den römischen Forscher Plinius den Älteren zurück. Er schreibt 79 nach Christi Geburt in seiner Naturalis historia (Naturkunde) über die Halbinsel Scatinavia, also über das heutige Norwegen und Schweden. Auf der Weltkarte des griechischen Mathematikers, Geographen, Astronomen, Musiktheoretikers und Philosophen Ptolomäus, der in Alexandria in der römischen Provinz lebte, aus dem Jahre 120 ist Skandinavien erstmals kartographisch erfasst. Prokopios von Caesarea – heute Israel – war ein spätantiker bzw. frühbyzantinischer Historiker des 6. Jahrhunderts. Er schrieb über die Insel Thule – gemeint war wohl Skandinavien – dass diese 10 Mal größer sei als Britannien und im Winter 40 Tage lang keine Sonne sehe. Faszinierend, welches Interesse die Nordländer schon sehr früh im Mittelmeerraum gefunden haben.

In der Zeit von 800 bis 1000 orientierten sich schwedische Wikinger nach Süd- Osten, nach Russland und wirkten am Aufbau des Kiever Rus, dem Vorläuferstaat der Ukraine und von Belarus, mit. 1008 ließ Olof Skölkonung, König von Schweden, sich taufen.

1397 bildete die dänische Königin Margarethe I. die Kalmarer Union, die Verbindung der Königreiche Dänemarks, Norwegens und Schwedens, das auch Finnland beherrschte. Die Kalmarer Union, die die Inseln Island, Faroer, Shettland, Orkney und zeitweise die Landstriche Schleswig und Holstein umfasste, hatte Bestand bis 1523.

Schweden, Vasa, Model des Hecks in mutmaßlich ursprünglicher Farbgebung, Peter Isotalo, CC BY 3.0.jpg

Modell des Hecks in mutmaßlich ursprünglicher Farbgebung, Peter Isotalo, CC BY 3.0

In diesem Jahr übernahm Gustav I. Wasa, der bis 1560 regierte, den schwedischen Königsthron, nachdem der erfolgreiche Kampf um die schwedische Selbständigkeit die Union beendet hatte. 1544 übernahm Schweden den Protestantismus als Religion für seine Bürger. Das 17. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch Versuche des schwedischen Königreiches, in Europa eine Vormachtstellung zu erlangen. Es erlangt einerseits die Kontrolle über Estland, verliert aber andererseits im Kalmarkrieg 1611 bis 1613 die Finnmark an Dänemark. König Gustav Adolf II. greift aktiv in den 30jährigen Krieg ein und erobert weite Teile Norddeutschlands, u. a. das katholische Erzbistum Bremen. Im Westfälischen Frieden von 1648 erhält Schweden Küstengebiete aus dem „Bestand“ des Heiligen Römischen Reiches. Im Großen Nordischen Krieg unter Karl XII. wiederum muss Schweden eine Niederlage einstecken gegen Russland und Dänemark und verliert das Baltikum.

Symptomatisch für die übersteigerte Großmachtssucht Schwedens ist die Geschichte der Wasa: Sie war eine schwedische Galeone, ein prunkvolles Kriegsschiff, das als das größte und bestbewaffnete zu seiner Zeit galt. Es waren auf zwei übereinander liegenden Decks auf beiden Seiten schwere Kanonen installiert. Auf seiner Jungfernfahrt – 1300 Meter nach dem Ablegen – sank die Wasa am 10. 8. 1628, denn eine Windbö hatte sie erfasst. Sie geriet in Schieflage, die schlecht gesicherten Kanonen rollten auf eine Seite… Das Schiff wurde im vorigen Jahrhundert gut erhalten aus dem Schlick der Ostsee geborgen und in einem eigens dafür errichteten Wasa-Museum ausgestellt.

Im Zuge der Napoleonischen Kriege erhielt Schweden von Dänemark das Königreich Norwegen, das sich allerdings hundert Jahre später, 1905 selbständig erklärte und damit von Schweden lossagte. Aus dieser Zeit stammt die schwedische Neutralitätspolitik. Im 2. Weltkrieg im sog. Winterkrieg zwischen Finnland und der bolschewistischen Sowjetunion 1939/40 unterstützte Schweden Finnland mit Freiwilligen und Hilfsgütern. Schweden nahm auch die aus Dänemark fliehenden Juden auf, die von Fischern nachts überführt wurden.

Ungarn, Budapest, Raoul_Wallenberg, hu usermisibacsi, CC BY-SA 3.0.jpg

1987 an einer Seitenwand der Großen Synagoge von Budapest errichtet, sprengt Wallenberg die Mauern. In Tel Aviv steht seit 2007 ein fast gleiches Denkmal mit Mauern aus Sandstein; hu:user:misibacsi, CC BY-Sa 3.0

1944 damals 32 Jahre alt, ließ sich Raoul Wallenberg, als schwedischer Sondergesandter nach Budapest schicken. Durch ein ausgeklügeltes Schutzpass-System, das er im Büro der humanitären Abteilung der Botschaft mit mehr als 300 Angestellten errichtete, brachte er 9 000 Juden in 31 sog. Schweden-Häusern unter und ließ sie medizinisch und mit Nahrungsmitteln versorgen. Die Häuser wurden als exterritoriales Gebiet ausgewiesen, aber wurden immer wieder von den ungarischen, faschistischen Pfeilkreuzlern angegriffen. Doch R. Wallenberg hielt stand und entzog die jüdischen Menschen damit dem Zugriff der Faschisten. Immer wieder befreite er durch seinen besonderen Mut und sein bestimmtes Auftreten auch Menschen, die schon konkret von ihrer Vernichtung waren.

Im Januar 1945 wurde er durch die auf Budapest vorrückende Rote Armee nach Moskau verschleppt, wo sich seine Spur in russischen Gefängnissen verloren hat – bis heute hin. 1966 wurde er von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt. Im Vorwort zur umfangreichen Biographie von Ingrid Carlberg, 2019, btb – Verlag, schreibt Kofi Annan, der frühere UN-Generalsekretär: „Er hat gezeigt, dass jeder – egal in welcher Position oder mit welchen Fähigkeiten – etwas ausrichten kann.“

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde der Wohlfahrtsstaat in Schweden mit der Fürsorge für alle Lebenslagen von der Geburt bis zum Tode weiter ausgebaut. Die Perversion dieses „schwedischen Modells“ waren Grenzsteuersätze von über 100% bei der Einkommenssteuer. Dies bedeutete, dass ab einem gewissen Einkommen jede zusätzlich verdiente schwedische Krone komplett weggesteuert wurde. 1976 veröffentlichte die schwedische Schriftstellerin Astrid Lindgren, die davon betroffen war, das Märchen „Pomperiposa in Monismannen“. Die Zauberin Pomperiposa ist eine sehr reiche Zauberin, die in einem Haus im Wald lebt, bestehend aus Würsten und Schinken. Monismannen ist eine fiktive totalitäre Gesellschaft unter Einparteien – Herrschaft. Obwohl Pomperiposa sehr hart arbeitet, sie schreibt Kinderbücher, erhält sie pro Jahr umgerechnet auf heute nur 475 Euro wegen der horrenden Grenzsteuersätze in Monismannen. Dies erscheint ihr ungerecht, weil durch den Erwerb von Immobilien und die Aufnahme von Schulden der Einkommenssteuersatz stark gesenkt werden konnte, wie es der Finanzminister zu jener Zeit praktizierte. Diese Veröffentlichung löste heftige Diskussionen aus und trug dazu bei, dass die Sozialdemokraten nach 40 Jahren an der Macht im gleichen Jahr die Reichstagswahlen verloren! (Wikipedia). Und da sag noch einer, Literatur habe keinen politischen Einfluss.

2. Grunddaten

17,8% der arbeitenden Bevölkerung sind in der Industrie – Autoproduktion, Maschinenbau, Elektronik, Medikamente, Papier – beschäftigt. Ihr Beitrag zum BIP beträgt 22,25%. Sie sind also überdurchschnittlich produktiv, natürlich aber auch auf Grund des höheren Kapitaleinsatzes als z. B. im Dienstleistungssektor. In diesem sind 8o% der Beschäftigten tätig und ihr Beitrag zum BIP ist 69,25%. In der Landwirtschaft – lediglich 10% der Fläche des Landes werden landwirtschaftlich genutzt – sind 1,8% der Beschäftigten anzutreffen mit einem Beitrag von 1,4% zum BIP. Die Landwirtschaft ist überwiegend in Händen kleiner und mittlerer Familienbetriebe. 58% der landwirtschaftlichen Einnahmen wird durch Tierhaltung erzielt, vorrangig durch Milchproduktion (statista). 56% der Fläche von Schweden sind mit Wald bedeckt. 2018 gab es aufgrund des Klimawandels große Waldbrände.

Die Wachstumsraten des BIP in Schweden waren meist positiv, nur 2012 und jetzt 2020 gab es Schrumpfungsprozesse. 2020 wird ein Wirtschaftseinbruch von minus 4,72% erwartet und dies, obwohl Schweden die Wirtschaft und Gesellschaft vergleichsweise wenig wegen der Corona Pandemie eingeschränkt hat. 2010 lag das Wirtschaftswachstum bei 5,95%, 2015 bei 4,5% und 2019 bei 1,3%. Die Exporte gehen nach Norwegen (10,6%), Deutschland (10,3%) und zu ungefähr gleichen Anteilen (ca.7%) in die USA, nach Finnland und Dänemark. Die Importe kommen aus Deutschland (17,8%) und zu etwa gleichen Teilen (etwa 9%) aus den Niederlanden und Norwegen (Statistisches Bundesamt).

Die Erwerbstätigen Quote – 15 Jahre und älter – lag 2019 bei 60,4%: Männer 63,2%, Frauen 57,6%. Die hohe Quote bei Frauen weist auf eine weitgehende Gleichberechtigung im Berufsleben hin, sagt aber nichts über die erreichten beruflichen Positionen. 2019 lag die Arbeitslosigkeit bei 6,5%, wobei die Jugendarbeitslosigkeit mit 17,8% erstaunlich und Besorgnis erregend hoch war.

Der Bruttoschuldenstand des Staates in Schweden erreichte vergleichsweise niedrige 36,9%. Der Finanzierungssaldo des Staates war seit 2015 immer positiv, d.h. es gab mehr staatliche Einnahmen als Ausgaben und es mussten deshalb keine neuen Schulden aufgenommen werden.

Das BIP pro Kopf kaufkraftbereinigt erreichte 2019 einen Wert von 55.265,- US Dollar. Das weist damit Schweden als ein sehr reiches Land aus, wobei in den letzten Jahrzehnten die Ungleichverteilung der Vermögen in der Gesellschaft stark zugenommen hat. Der HDI lag 2017 bei 0,933, was einen relativ hohen Wert ausmacht. Die Bevölkerung scheint also sowohl mit der wirtschaftlichen und sozialen Situation des Landes zufrieden zu sein als auch noch mit der Vermögensverteilung.

Schweden, Riksdagen, Arid Vagen, CC BY-Sa 4.0.jpg

Riksdagen, Arid Vagen, CC BY-SA 4.0

Nach der partiellen Kernschmelze im US-amerikanischen Kernkraftwerk Three Miles Island 1979 war in Schweden eine Volksabstimmung erfolgreich gegen die Atomkraft. Daraufhin entschied das Parlament, keine weiteren Kernkraftwerke zu bauen und die vorhandenen 12 bis 2010 abzuschalten. Dies konnte aber nicht durchgehalten werden, weil die Wirtschaft stark wuchs. 2009 beschloss der Reichstag den Neubau von 10 Reaktoren in den bestehenden Kernkraftwerken und es gibt bislang keine Ausstiegspläne.

Die Atomenergie hat heute ca. 43% Anteil an der Stromerzeugung, die Wasserkraft soll inzwischen fast 40% haben, ist aber nicht weiter ausbaubar. Um den CO2-Anteil weiter zu reduzieren, ist auf Windenergie gesetzt worden, aber auch das stößt neuerdings auf Probleme. (BDEW, 8.6.2020, Klimawunder Schweden) 2018 betrugen die Kohlendioxidemissionen in Tonnen pro Einwohner in Schweden 4,5 und in Deutschland 9,1 (Statistisches Bundesamt der Bundesrepublik Deutschland).

Nach Einschätzung von „German Watch“, „Climate Action Network“ und „New Climate Institute“ ist Schweden Spitzenreiter beim Klimaschutz. Bei dem entsprechenden Index belegt Schweden den viert letzten Platz im Vergleich der 58 emissionsstärksten Staaten der Welt (tagesschau.de vom 7.12.2020:“Schweden Vorreiter- Deutschland verbessert“). In dem Index wird Atomenergie vermutlich ohne Berücksichtigung der Entsorgung als saubere Energie gewertet.

2019 kamen 92 Internet Anschlüsse auf 100 Einwohner, 127 Mobilfunkverträge und 44 Breitbandanschlüsse. 2016 wurde Schweden zum innovativsten Land Europas gekürt.

Schweden gehört zu den Nettozahlern zum EU Haushalt: 2018 waren es 2,46 Milliarden umgerechnet in Euro. Dies bedeutete pro Kopf ein Minus von 149 Euro pro Jahr (Dänemark minus 206 Euro). Diese Nettozahlung bedeutet für Schweden ein Minus von 0,32% an Wirtschaftswachstum des BIP, wird aber überkompensiert durch die Integration in den Gemeinsamen Markt und damit den zollfreien Ex- und Import. 60 bis 70% der schwedischen Bevölkerung sehen denn auch die EU Mitgliedschaft positiv. Die Regierung gehörte 2020 mit Dänemark, Österreich und den Niederlanden zu den „Sparsamen Vier“, die Hilfen für die von der Corona Krise besonders betroffenen Ländern möglichst nur als günstige Kredite und nicht als nicht rückzahlbare Zuschüsse gewähren wollten.

Schweden gilt als ein Land mit praktisch keiner Korruption. Dies liegt auch daran, dass die Schweden steuerlich „gläserne Menschen“ sind.

Zu den weltweit herausragenden Persönlichkeiten gehört Alfred Nobel, 1833-1896. Er war ein schwedischer Chemiker und Erfinder, dem 355 Patente zugesprochen wurden. Er hat das Dynamit erfunden. Er ist der Stifter und Namensgeber des Nobelpreises, der jährlich in den Kategorien Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Wirtschaftswissenschaften vergeben wird. Besonders bekannt ist der Friedensnobelpreis.

Olof Palme, zweimaliger sozialdemokratischer Ministerpräsident Schwedens, galt international als Stimme der Verständigung zwischen den Völkern und der Abrüstung. Er wurde 1986 ermordet und die Hintergründe wurden nie wirklich vollständig aufgeklärt, auch wenn die These vom Einzeltäter seit Juni 2020 als angeblich gesichert gilt.

Gunnar Myrdal, 1898 bis 1997, war ein schwedischer Wirtschaftswissenschaftler, der für seine Pionierarbeiten auf dem Gebiet der Geld- und Konjunkturtheorie und der sozio-ökonomischen Analysen der Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichen, sozialen und institutionellen Entwicklungen 1974 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurde. 1944 war sein Werk: „An American Dilemma: The Negro Problem and Modern Democracy“ erschienen. Hierin widmet er sich dem Konflikt zwischen den hohen Idealen der amerikanischen Verfassung von der Gleichheit aller Menschen und der unvollkommenen Verwirklichung. Seit dem amerikanischen Bürgerkrieg 1860-65 seien die USA unfähig gewesen, ihre Menschenrechtsideale auch für die afroamerikanische Bevölkerung umzusetzen. Das Buch wurde Grundlage für die Entscheidung des US Supreme Court – Brown versus Board of Education – von 1954, die die Rassentrennung an öffentlichen Schulen für ungesetzlich erklärte. Und da sag noch einer, gute sozialwissenschaftlich-sozioökonomische Analysen hätten keinen Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen! Außerdem hat Myrdal sich wissenschaftlich mit der Armut in der Welt befasst. Er gilt daher als ein Vorreiter der Entwicklungspolitik (Wikipedia).

Schweden gilt als Land der Individualisten. Andererseits wird das Mitsommerfest traditionell gemeinsam gefeiert.

Schweden, ABBA 1976, Verhoeff, Bert, CC BY-SA 3.0 nl.jpg

ABBA 1976, Verhoeff, Bert, CC BY-Sa 3.0 nl

Die schwedische Popgruppe ABBA ist seit 1972 eine der erfolgreichsten Gesangsgruppen der Welt. Sie hat rund 400 Millionen Tonträger verkauft.

Kulinarisch sind Kottbular mit Kartoffelpüree, Preiselbeer-kompott, Sahnesauce und Gurkensalat bekannt. Es wird aber auch im Norden Elchfleisch gegessen, Lachs, Blutpudding u. Surstromnung, fermentierter Hering.

 

 

 

Slowakei (SK)

Slowakei, Bratislava_bei_Nacht, Burg Bratislava, Riki 1979, Wikimedia Commons.jpg

Burg von Bratislava, Symbol des Landes, Riki 1979, g-frei

Die Slowakei, die früher mit Tschechien die Tschechoslowakei bildete – getrennt seit 1.1.1993 -, ist einer der wenigen EU Staaten ohne Zugang zum Meer. Sie grenzt an Tschechien, Österreich, Polen, Ungarn und die Ukraine. Sie bildet somit einen Teil der EU Außengrenze. Die Slowakei gehört mit Polen, Tschechien und Ungarn zur Visegrad-Gruppe, einem halboffiziellen Binnenbündnis innerhalb der EU, das seit 2015 in gewissen Gegensätzen zur EU agiert. Die Hauptstadt ist Bratislava, früher Preßburg. 2020 hat die Slowakei 5,458 Millionen Einwohner, 109 pro Quadratkilometer. Die Slowakei ist seit 2004 Mitglied der EU und der Nato und gehört seit 2009 zum Euroraum.

1. Geschichte

Erste landwirtschaftliche Siedlungen auf dem Gebiet der heutigen Slowakei sind seit ca. 5000 vor Christi Geburt nachweisbar. Als erstes Volk in diesem Gebiet sind die Kelten erwähnt, die seit 400 vor Christi Geburt hier siedelten. Sie entwickelten die Verarbeitung von Eisen, Wolle und Leinen.

Die Römer waren in diesem Gebiet nördlich des an der Donau verlaufenden Limes nur sporadisch anwesend. Um ca. 200 nach Christi Geburt siedelten die Vandalen in der Ostslowakei. Später war das Gebiet der Slowakei Teil des Königreichs der Hunnen, dann der Ostgoten und noch später der Langobarden.

Ab ca. 500 wurde das Gebiet von Slawen besiedelt. 828 wurde die erste christliche Kirche errichtet. Das erste bedeutende Staatswesen war das Mährerreich, daher offenbar der noch heute gebräuchliche Name Mähren. Die byzantinischen Mönche Method und Kyril haben die slowakische Schriftsprache in Mähren eingeführt.

Fürst Svatophik I. (871-894) schuf durch Anschluss Wisaniens, Böhmens und eventuell auch der Lausitz, Schlesiens und Panoniens ein slawisches Großreich. Er verteidigte es erfolgreich gegen Angriffe der Ostfranken, Bulgaren und Magyaren. Später jedoch begann im Laufe des 10. Jahrhunderts die schrittweise Eingliederung in den ungarischen Staat, die über 900 Jahre andauerte. Man darf sie sich aber nicht als durchgehende Fremdherrschaft vorstellen, weil zumindest zeitweise die Slowakei in diesem Staat vorherrschend war.

Der ungarische König Stephan I. schuf ab 1000 ein multiethnisches Königreich, das bis 1918 Bestand hatte. In den Hussiten Kriegen 1428-1433 wurden große Teile des Landes verwüstet. Die Hussiten, genannt nach dem Theologen und Reformator Jan Hus, bildeten eine reformatorische bzw. revolutionäre Bewegung. 1419 kam es zum ersten Prager Fenstersturz, als Hussiten Ratsherren aus dem Fenster warfen. Hus wurde gegen kaiserliche Zusicherung des freien Geleits vor das katholische Konzil in Konstanz geladen. Unter Bruch der Zusage wurde Hus auf Grund eines Beschlusses des Konzils als Häretiker zum Tode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen bei lebendigem Leibe verbrannt. 1521 standen sich in Ungarn/Slowakei Reformation und Gegenreformation gegenüber.

Nach der Niederlage Ungarns gegen die Osmanen 1526 war nur das Gebiet der heutigen Slowakei nicht von den Türken besetzt. In Folge dessen wurde Bratislava Hauptstadt Ungarns und Stadt der Krönung der ungarischen Könige bis 1783 bzw. 1830. Es folgten ständige Kriege mit den Osmanen.

Im 18. Jahrhundert war das Gebiet der heutigen Slowakei das wirtschaftliche Zentrum des Königreichs Ungarn. Ende des 18. Jahrhunderts begann der Prozess der nationalen Wiedergeburt der Slowakei. Aus slowakischer Sicht war die ungarische Revolution von 1848/49 ein Unabhängigkeitskrieg, geführt von slowakischen Freiwilligenverbänden, von Serben, Kroaten und Rumänen, der aber misslang. Die Folge waren massive Repressionen von Seiten Ungarns. Die Assimilierung der nicht magyarischen Bevölkerung wurde verlangt.

Am Ende des ersten Weltkrieges gründeten die Slowakei und Tschechien ihren gemeinsamen Staat, die Tschechoslowakei. Durch den Vertrag von Trianon 1920 wurde die Slowakei nach 1000 Jahren endgültig von Ungarn abgetrennt (Angaben zur Geschichte aus Wikipedia). Diese Geschichte zeigt, wie ein Land in einer europäischen Mittellage von Einflüssen aus allen Himmelsrichtungen geprägt wurde und erst sehr spät eine eigenständige Staatlichkeit erlangen konnte.

Bis 1938 genoss die Slowakei als einziger osteuropäischer Staat eine demokratische Entwicklung innerhalb der Tschechoslowakei. Nach Zerschlagung von Tschechien durch die Nazis 1939 beteiligte sich die Slowakei an der Seite Hitler-Deutschlands an dem Überfall auf Polen und ab 1941 an dem Krieg gegen die Sowjetunion. 1942 wurden zwei Drittel der slowakischen Juden, nämlich 70 000 in deutsche Vernichtungslager deportiert. Fast 70 Jahre lang war das Thema der Beteiligung von Slowaken an dem Holocaust ein Tabu im Land.

1945 wurde die Tschechoslowakei wieder hergestellt, wurde aber einige Jahre später zu einem zwangsweise kommunistischen Staat im Warschauer Pakt.

Leitfigur des Prager Frühling von 1968, des Aufstandes gegen die Gewaltherrschaft der Sowjetunion war – zu dieser Zeit waren Tschechien und die Slowakei noch vereint – Alexander Dubcek. Er suchte nach einem Sozialismus mit menschlichem Antlitz, doch gegen die Brutalität der Besatzer, zu denen auch ungarische Truppen gehörten, hatte er keine Chance.

Die Trennung von Tschechien erfolgte friedlich 1992.

2. Grunddaten

Als Rohstoffe verfügt die Slowakei über Magnesit, Eisenerz, Braunkohle, Kupfer, Zink und Blei.

2018 machte die Industrie 26,2% des BIP aus, der Groß- und Einzelhandel, der Verkehrssektor, das Beherbergungs – und Gaststättengewerbe 20,2% und die öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Bildung und Gesundheitswesen 14,8% (Angaben EU). Volkswagen Slowakei wurde 1991 gegründet. Im Werk in Bratislawa werden der Touareg, Audi Q7 und Q8, Porsche Cayenne, VW up!, e-up!, Skoda Citigo und Seat Mii gebaut. 99% dieser Wagen werden in 158 Länder weltweit exportiert. Außerdem gibt es weitere VW Werke in Martin und Stupava. 86% der Ausfuhren – insbesondere Pkw und Pkw – Teile – und Maschinen gehen in andere EU Länder, 80% der Importe stammen dort her.

Das BIP pro Einwohner Kaufkraft bereinigt betrug 2018 71% des EU Durchschnitts wie bei Polen und Ungarn – Deutschland 123% und Spitzenreiter Luxemburg 261%.

Nach Abschluss der Privatisierungen der staatlichen Industrien und dem EU Beitritt 2004 lagen die Wachstumsraten des Sozialprodukts relativ hoch, 2007 sogar bei 10,83%. 2009 in Folge der Weltfinanzkrise gab es dann wie auch anderswo einen Einbruch: minus 5,46%. Danach erholte sich die Wirtschaft schnell. Die Wachstumsraten lagen danach im Schnitt bei 3% und damit höher als in vielen anderen EU Ländern. Für 2020 wird mit einem Rückgang des Sozialprodukts um 7,1% gerechnet, für 2021 wird ein kräftiger Wachstumsschub von 6,9% prognostiziert (statista).

2018 betrugen die Gesamtausgaben der EU in der Slowakei 2,457 Milliarden Euro insbesondere für Straßenbauprojekte, Forschungsförderung und Umweltschutz. Diese Zahlungen bedeuten 2,78% der sonstigen Wertschöpfung oder umgekehrt ausgedrückt: Das Wirtschaftswachstum wäre ohne diese Zahlungen um 2,78% geringer. Der slowakische Beitrag zum EU Haushalt betrug 0,764 Milliarden Euro oder 0,84 % der Wirtschaftsleistung. Stellt man beide Zahlen in Relation zueinander, so ergibt sich für die Slowakei als Nettoempfänger immer noch ein Beitrag zum Wachstum des Sozialprodukts von 2%.

Die Zahlen zum Wirtschaftswachstum und zu den EU Zahlungen verdeutlichen, dass die Slowakei enorm von der Mitgliedschaft in der EU profitiert hat und weiter profitiert: 2018 betrug das staatliche Haushaltsdefizit 1,1% des BIP, nach dem Maastricht-Vertrag sind bis zu 3% erlaubt, und die Staatsverschuldung lag bei lediglich 49,4%. Erlaubt sind maximal 60%, was aber von vielen EU Ländern nicht eingehalten wird – beides geradezu vorbildliche Zahlen, die auf ein sehr solides staatliches Wirtschaften hindeuten.

9,7% der Bevölkerung sind ungarisch stämmig und leben besonders an der Südgrenze zu Ungarn. Heute sind die diesbezüglichen Spannungen zwischen den beiden Ländern abgeebbt. 69% der Bevölkerung bekennen sich nach offiziellen Angaben zur katholischen Kirche.

Slowakei, Bratislava, Denkmal, Filip Maljkovic´ , Serbien, CC BY-SA 2.0.jpg

Kanalmeister auf Pause, Filip Malkovic´aus Serbien, CC BY-SA 2.0

Die Bevölkerung scheint humorvoll zu sein. In Bratislava gibt es eine Reihe schelmischer Denkmale.

Zur Ermordung des Investigativ-Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten im Februar 2018 heißt es: „Jan Kuciaks Mörder muss für 25 Jahre ins Gefängnis: Die nach dessen Tod veröffentlichte Reportage über mögliche Verbindungen italienischer Mafia Clans zu slowakischen Regierungsmitarbeitern hatte Massendemonstrationen gegen Korruption ausgelöst und zum Rücktritt der damaligen Regierung geführt. Die Polizei nimmt nun den mächtigsten slowakischen Oligarchen Jaroslav Hascak fest. Er ist der Chef der Finanzgruppe Penta. Dies ist der spektakulärste Schlag im Zuge einer Verhaftungsserie, die durch den Mord an Jan Kuciak ausgelöst worden war“ (Spiegel.de 2.12.2020).

Slowakei, Upside_down_Pyramid,_Bratislava_02, Hörfunk, Thomas Ledl, CC BY-SA 4.0.jpg

Rundfunkanstalt, Thomas Ledl, CC BY-SA 4.0

Zur Politik: Staatspräsidentin ist seit Juni 2019 Zuzana Caputova, eine Rechtsanwältin und erfolgreiche Umweltaktivistin, die erste Frau in diesem Amt. Sie war Anwältin der Bürgerrechtsorganisation „Via Iuris“ – der Weg des Rechts und kämpfte ebenfalls erfolgreich gegen Amnestien. Sie will den Kampf für eine unparteiische Justiz zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit machen, auch wenn sie als Staatspräsidentin nur begrenzte politische Gestaltungsmöglichkeiten hat. Die von ihr aufgebaute Partei „Progressive Slowakei“ hat zusammen mit einer weiteren liberalen Partei bei den Wahlen zum Europa Parlament 2019 aus dem Stand mehr als 20% der Stimmen erreicht. Sie gilt daher als ein Symbol der Hoffnung! (Deutschlandfunk 15.6.2019).

Das Vertrauen der Bevölkerung in die politischen Institutionen ist bisher sehr gering, insbesondere auf Grund der weit verbreiteten Korruption. Trotzdem lag der HDI 2018 bei 0,857 und damit auf dem 36. Platz von 189 bewerteten Nationen. Dieser Wert weist die Slowaken als sehr zufrieden mit ihren persönlichen Lebensumständen aus.

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neues Nationaltheater, 1979, alle 3 sparten, Matus Benz, Norway today, CC BY-SA 3.0

Johann Nepomuk Hummel (1778-1837) war ein slowakischer Klaviervirtuose und Komponist.

Phillip Lenard (1862-1947) ist der bislang einzige slowakische Nobelpreisträger. Er war Physiker. „Bedauerlicherweise gelangte er in seiner naturwissenschaftlichen Weltanschauung zu sehr ins Fahrwasser der NS-Ideologie und redete einer rassisch motivierten Physik das Wort, was das Ansehen seiner durchaus bedeutenden Forschungstätigkeit und deren Ergebnissen dauerhaft diskreditierte“ (Gunnar Strunz, Streifzüge durch die slowakische Hauptstadt, Berlin 2007, S.39),

Slowakei, Eier-Kratzen 4.jpg Zur slowakischen Kultur gehören Folklore Festivals mit traditionellen Trachten, Musik und Mundarten. Typisch ist auch das Eierkratzen, das kunstvolle Verzieren von Ostereiern mit floralen Motiven.

Als Nationalgericht gelten Brunsennocken mit Speck, Kartoffeln, gemischt mit Schafskäse. Es gibt 244 verschiedene slowakische Biersorten!

 

 

 

 

 

Slowenien (SI)

Slowenien ist ein kleiner Staat in Zentraleuropa, hervorgegangen aus dem früheren Jugoslawien. Es grenzt im Westen an Italien, im Süden an Kroatien, im Norden an Österreich und im Osten an Ungarn. 2019 hatte Slowenien 2,1 Millionen Einwohner, 102 pro Quadratkilometer im Schnitt. Das gebirgige Land hat einen sehr schmalen Zugang zur Adria mit dem Hafen Koper. Die Hauptstadt ist Ljubljana. Slowenien ist seit dem 1. Mai 2004 Mitglied der EU und der Nato und seit 2007 Mitglied der Euro Zone als erster Staat der zehn 2004 beigetretenen Länder.

1. Geschichte

Slowenien, Triglav-Nordwand und Vratatal, Javier Sanchez Portero, CC BY-SA 2.0.jpg

Die fast 3000 Meter hohe Nordwand des Triglav mit dem Vratatal in den Jul. Alpen, Javier Sanchez Portero, CC BY-SA 2.0;    Die drei Spitzen dieses höchsten Berges des Landes – von Osten gesehen – zieren auch das Wappen des Staates

Um ca. 2000 vor Christi Geburt gab es in der Nähe von Ljubljana Pfahlbausiedlungen in einem sumpfigen Gebiet. Vom 3. bis 1. Jahrhundert siedelten die Kelten in diesem Gebiet. Zur gleichen Zeit gründeten griechische Kaufleute Aegida – heute die Hafenstadt Koper. Die Kelten erlitten 225 vor Christ Geburt eine schwere Niederlage gegen die Römer. Seit 9 vor Christi Geburt wurden unter dem römischen Kaiser Augustus das frühere Königreich Noricum und die Gebiete Dalmatien und Pannonium als Provinzen in das römische Reich integriert. Die Römer förderten die Kupfer- und Eisenindustrie. Sie bauten ein umfangreiches Straßennetz als wichtige Verbindungen zwischen Italien und Mittel- und Osteuropa. Sie nutzten auch die zahlreichen Thermal – Quellen des Landes. Im 3. nachchristlichen Jahrhundert ließen die Römer in den Julischen Alpen Sperren gegen die Einfälle germanischer Stämme in Form von Mauern und Festungen errichten. Außerdem befestigten sie auch die Städte im „Hinterland“.

Goten und Hunnen überwanden Ende des 4. Jahrhunderts diese Hindernisse und verwüsteten das Land des heutigen Sloweniens. Ab 401 besetzte der Gotenkönig Alerich dieses Gebiet dauerhaft als Basis für seine Angriffe auf das Gebiet des heutigen Italiens. Im 5. Jahrhundert war hier der Hunnenkönig Attila Alleinherrscher. Später wurde der Einfluss des byzantinischen Reiches von Konstantinopel aus bemerkbar. Insgesamt war dieses Gebiet immer ein Spielfeld für die nordeuropäischen slawischen Stämme bei ihren Versuchen, nach Italien vorzudringen.

Seit 788 war das Gebiet des heutigen Sloweniens Teil des Frankenreichs nach Eroberung des Fürstentums Karantaniens. Unter Kaiser Karl dem Großen wurde das Land von den Bistümern Friaul und Salzburg für die katholische Kirche missioniert. 863 übersetzten die Slawenapostel Kyrill und Method von Saloniki die Bibel ins Slawische und machten sie so den einfachen Menschen, so sie denn lesen konnten, zugänglich, also mehr als 650 Jahre vor Martin Luthers Übersetzung.

Ende des 9. Jahrhunderts zerbrach das karolingische Reich. Es kam zur Gründung eines unabhängigen Plattensee-Fürstentums, das auch Ostslowenien umfasste. „Mitte des 10. Jahrhunderts begannen die aus den Steppen Asiens eingewanderten Ungarn mit ihren Plünderungszügen. …Erst der Sieg des deutschen Königs und späteren Kaisers Ottos I. in der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg im Jahre 955 beseitigte diese Gefahr. Die Ungarn etablierten sich nun in der Pannonischen- Tiefebene und trennten somit die Siedlungsgebiete der Südslawen von denen der West- und Ostslawen“ (Wikipedia zur Geschichte Sloweniens). Danach gab es verschiedene Herzogtümer bis dann die Herrschaft der Habsburger auch mit der Ansiedlung deutsch sprechender Gruppen begann.

1473 begannen Bauernaufstände, die nahezu 100 Jahre immer wieder aufflammten. Durch feudale Unterdrückung und häufige Einfälle der Osmanen war das Land ausgeblutet und wandte sich der Reformation zu. Damit begann sich ein slowenisches Nationalbewusstsein auszubilden. „Mit militärischer Gewalt und der Inquisition wurde das Gebiet des heutigen Sloweniens rekatholisiert“ (ebenda.)

In den folgenden 300 Jahren war dieses Land ein ruhiges Gebiet bzw. ein ruhig gestelltes Gebiet in der Habsburger Monarchie. Unter der Kaiserin Maria Theresia (1740-1780) erfolgte ein wirtschaftlicher Aufschwung. Ihr Sohn Joseph I. schaffte 1762 die Leibeigenschaft ab und räumte jedem das Recht auf freie Religionsausübung ein. 1797 erschien die erste slowenische Zeitung.

1809 wurden Teile des Landes durch die Soldaten von Napoleon Bonaparte besetzt. Unter Napoleon wurde die Feudalherrschaft ganz beseitigt und der Grundstein für die Industrialisierung des Landes gelegt. Nach Napoleons endgültiger Niederlage in Waterloo und dem folgenden restaurativen Wiener Kongress ging die geschichtliche Entwicklung in Slowenien rückwärts: Als Königreich Illyrien wurde der vorherige Zustand wieder hergestellt und die Habsburger Herrschaft auch auf Dalmatien und Venetien ausgedehnt. Weinanbau, Bergbau und die Textilindustrie wurden weiter ausgebaut. Ab 1854 gab es durch die Alpen eine durchgehende Eisenbahnverbindung zwischen Wien über Laibach in Slowenien bis nach Triest an der Adria.

Die Revolutionen in Europa von 1848/49 inspirierten auch die Intellektuellen in Slowenien und bestärkten sie in ihren Forderungen nach nationaler Selbstbestimmung.

Im ersten Weltkrieg kämpfte Slowenien loyal an der Seite der österreich-ungarischen Armeen, vor allem in Osteuropa gegen Russland. Italien erklärte am 24.5.1915 Österreich-Ungarn den Krieg, weil seine Gebietsansprüche von Deutschland nicht befriedigt wurden. Daraufhin kämpften österreichische, slowenische, tschechische, ungarische und kroatische Soldaten als multikulturelle Verbände des kaiserlichen Reiches unterstützt vom Deutschen Reich in den Alpen gegen Italien. In den 12 Isonzo-Schlachten kamen ca. 1 Million Menschen ums Leben. In Redipugha gibt es eine imposante Gedenkstätte für 100 000 Gefallene. Heute verbindet ein Weg des Friedens 6 Freilicht-Gedenkstätten.

Slowenien, Ausrufung des Staates der Slowenen, Kroaten und Serben 1918 in Ljubljana, Fran Grabietz, Museum of Modern History, Ljub., Gemeinfrei.jpg

Ausrufung des Staates der Slowenen, Kroaten und Serben in Ljubljana, Fran Grabietz, Museum of Modern History, Ljubljana, Gemeinfrei

Nach dem Zerfall des Habsburger Reiches 1918 schlossen sich die Südslawen, also die Slowenen, Kroaten und Serben, zum sog. SHS Staat zusammen. An dessen Spitze stand der König von Serbien. Ab 1929 hieß der Staat dann königliches Jugoslawien.

Zu Beginn des 2. Weltkrieges verhielt sich Jugoslawien neutral. Trotzdem wurde Belgrad am 5.4.1941 vom NS-Staat bombardiert. Im folgenden „Balkanfeldzug“ wurde Jugoslawien zur Kapitulation gezwungen. Nach Ende des zweiten Weltkrieges folgte die sozialistische Föderative Republik Jugoslawien, eine kommunistische Diktatur, die allerdings versuchte, sich nicht der Sowjetunion unterzuordnen, sondern mit anderen blockfreien Staaten außenpolitisch einen „Dritten Weg“ einzuschlagen.

In den Jugoslawien-Kriegen der post-kommunistischen Ära zerfiel der „Einheitsstaat“ in mehrere souveräne Staaten: Slowenien – unabhängig seit Juni 1991 nach 10 Tagen Krieg gegen Serbien -, Bosnien – Herzogowina, Mazedonien – heute offiziell Nord-Mazedonien genannt – und Serbien und Montenegro, als Restjugoslawien bezeichnet.

2. Grunddaten

Nach der Unabhängigkeit begann Slowenien zügig mit den Privatisierungen der früheren Staatswirtschaft. Aus der geostrategischen Position heraus hat das Land die Logistik – und Transportbranche stark gefördert. Für süddeutsche Unternehmen ist der Hafen Koper der nächst gelegene Zugang zum Mittelmeer. Die entsprechende Modernisierung der Eisenbahninfrastruktur soll bis 2025 abgeschlossen sein.

In Slowenien gibt es ein relativ ausgewogenes Verhältnis zwischen Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungssektor.

Die Landwirtschaft ist geprägt von der Viehzucht, dem Weinbau und der Forstwirtschaft. 60% des Landes sind durch Wald bedeckt, doch steht die kleinteilige Eigentümerstruktur einer effizienten Nutzung entgegen.

Die wichtigste industrielle Branche ist die Automobilindustrie, u. a. mit einem Renault Werk: Sie trägt zehn Prozent zum BIP bei. 80% ihrer Wertschöpfung geht in den Export. Die Internationalisierung der slowenischen Wirtschaft beschert dem Land ständige Exportüberschüsse. Zur Industrie gehören auch die Elektro-, die Metall-verarbeitende, die chemische und pharmazeutische Industrie. Auch gibt es in Slowenien ein Werk zur Produktion von ultraleicht- Flugzeugen.

Der Dienstleistungssektor hat zunehmend an Bedeutung gewonnen. In ihm befinden sich 53% der Arbeitsplätze. Im Bereich des Tourismus geht es zunehmend um Gesundheitstourismus zu den Thermen im Nordosten des Landes. Aber auch die wunderschöne Landschaft lädt zum Bergsteigen ein und zum Besichtigen der zweitgrößten Tropfsteinhöhle der Welt.

Slowenien, Postojnska Jama, Ivan Ivankovic, CC BY 2.0.jpg

Etwa auf halben Weg zwischen der Hafenstadt Koper und Ljubljana liegt Postojnska Jama (die Adelsberger Grotte), Ivan Ivankovic, CC BY 2.0. Sie ist 0.9 Mill. Jahre alt. Das Höhlensystem ist ca. 24 km lang.            Die Höhlen von Skocjan, weiter westlich gelegen, sind als Weltnaturerbe geschützt.

2019 hat das BIP von Slowenien einen Indexwert von 88% erreicht – EU der 27 gleich 100 – ein beachtliches Ergebnis.

Slowenien ist nach wie vor Nettoempfänger der EU Zahlungen. Der Haushaltssaldo gegenüber der EU, also die Verrechnung von geleisteten und erhaltenen Zahlungen, betrug 2019 plus 510 Millionen Euro.

Die Staatsverschuldung lag 2019 bei 66,1%. Die Arbeitslosenquote betrug 7,9%. Das Kaufkraft bereinigte BIP pro Kopf liegt bei 34 408,- US Dollar im Jahr. Slowenien ist damit das wohlhabendste Land des früheren Jugoslawien auch und gerade wegen der EU Mitgliedschaft.

Im Gegensatz zur wirtschaftlichen ist die politische Entwicklung Sloweniens aus der EU Perspektive problematisch. Sloweniens Premier Janez Jansa beglückwünschte Donald Trump zu seinem angeblichen Wahlsieg Ende 2020, bevor das Ergebnis der Wahl vorlag! Er twitterte: “Bei weiterem Verzögern und der Faktenverweigerung durch die Mainstream-Medien sei der schlussendliche Triumph des Präsidenten umso größer“. Sein Kommentar zur Nachricht, dass Biden in Führung liegt: “So wie 2000, als Milosovic versuchte, 120% zu bekommen“. Jansa ist ein enger Vertrauter von Ungarns Regierungschef Viktor Orban. Orban, Jansa und der serbische Präsident Vucic hatten öffentlich den Sieg Trumps gewünscht. „Den ungarischen und den slowenischen Premier eint ihr langer Weg aus der Opposition in den früheren Regimen vor 1990, auf ihnen ruhten Hoffnungen. Irgendwann um die Jahrtausendwende wechselten sie den Kurs zum Marktliberalismus und heute hin zum Abbau des Rechtsstaats“ (beide Zitate Süddeutsche online vom 5.11.2020: “Wenn die Gratulation vor dem Ergebnis da ist“).

Jansa wetterte wiederholt gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk des Landes. Orban und Jansa haben die Übernahme slowenischer Pressemedien durch ungarische „regierungstreue“ gefördert. Jansa war schon früher Premierminister in Slowenien, musste aber 2013 wegen einer Korruptions-Affaire zurücktreten. Er ist erst seit März 2020 wieder Regierungschef und hat zusammen mit Ungarn und Polen die deutsche Ratspräsidentschaft in der zweiten Hälfte 2020 wegen der Beschlüsse zum Rechtsstaatsmechanismus heftig kritisiert. In Brüssel ist man irritiert und besorgt, u. a. weil Slowenien nach Portugal im zweiten Halbjahr 2021 die EU Ratspräsidentschaft übernimmt.

Da in Brüssel 2020 erstmals ein Rechtsstaatsbericht vorgelegt worden ist, lässt sich daraus relativ gut ablesen, welches Land zu den vier von uns gebildeten Gruppen gehört, wobei vier die schlechteste ist. Slowenien ist mit den hier angedeuteten Skandalen nicht weit von der letzten Gruppe entfernt. Es gehört derzeit gerade noch zur dritten. (vgl. unseren Blog zum Rechtsstaat und dort den EU Rechtsstaatsbericht).

Kulinarisch wird auf Krainer Wurst oder Prekmurska gibanica, eine kräftige Süßspeise, gefüllt mit Mohn, Quark, Wallnüssen und Äpfeln, verwiesen.

 

Spanien (ES)

Spanien_2020, Administrative Gliederung, Tschubby, CC BY-SA 3.0.png

Tschubby, CC BY-SA 3.0

Spanien bedeckt fast die ganze iberische Halbinsel, nämlich 85%. Inmitten oder jenseits der Pyrenäen hat es eine Grenze mit Frankreich. Im Westen liegt Portugal. Spanien hat sowohl eine Küste mit dem Atlantik als auch mit dem Mittelmeer. Der Felsen von Gibraltar am „Eingang“ des Mittelmeers gehört seit 1713 zu Großbritannien. Zu Spanien gehören die balearischen Inseln Mallorca und Ibiza im Mittelmeer und die kanarischen Inseln im Atlantik vor Westafrika. Zu Spanien gehören auch zwei autonome Städte auf afrikanischem Boden gegenüber Gibraltar, Ceuta und Melila, die aber auch von Marokko beansprucht werden.

Der Vulkan Teide auf der kanarischen Insel Teneriffa ist der höchste Berg auf spanischem Staatsgebiet.

Spanien ist eine konstitutionelle Monarchie.

Die Hauptstadt Spaniens ist Madrid. 2019 hat Spanien 47,33 Millionen Einwohner, 93,5 auf dem Quadratkilometer.

Spanien ist seit 1986 EU Mitglied zusammen mit Portugal und seit 1.1.1999 Mitglied der Eurozone.

1. Geschichte

Prähistorische Hinweise deuten darauf hin, dass das Gebiet Spaniens schon ab 500 000 vor Christi Geburt besiedelt wurde und zwar – ähnlich wie Malta – von Elephantenjägern. Überreste von Neandertalern datieren auf 200 000 vor Christus. Berühmte Höhlenmalerei aus der Zeit zwischen 25 000 und 10 000 vor Christi Geburt – Bisons, Pferde, Wildschweine, Ziegen, Bären, Löwen, Mammut usw. – gibt es nicht nur in Altamira, sondern auch an mehreren anderen Orten.

Zu Beginn des 1. Jahrtausends vor Christus muss es einen bedeutenden Handelsplatz Tartessus gegeben haben, besonders Handel mit Zinn. Von dort wurden offenbar Schiffe entsandt nordwärts in den Atlantik und südwärts entlang der afrikanischen Küste. Mit Zinn und Kupfer entwickelte sich die Bronzezeit, die von den Griechen erwähnt wird. Es gibt schriftliche Überlieferungen dieses Königreiches, aber bisher konnten sie nicht entziffert werden.

Phönizier, kommend aus dem Libanon, gründeten Handelsplätze, darunter Cadiz, ca. 1100, angezogen von der „Metallindustrie“, der reichhaltigen Landwirtschaft Andalusiens und den ergiebigen Fischgründen vor der Küste. Spuren des phönizischen Handels sind u.a. ägyptische Amphoren aus Alabaster. Auch griechische Handelsplätze sind nachgewiesen.

Die phönizischen Siedlungen wurden von Carthago in Nordafrika übernommen. Sie dienten als Basen für Carthagos Angriffe auf Rom, einerseits um mit dem Silber die Kriege zu bezahlen, andererseits als Rekrutierungsfeld von Soldaten. Die Stadt Carthagena, das neue Carthago, wurde südlich der heutigen Stadt Valencia gegründet. Hannibal, der karthagische Stratege und Heerführer, überquerte mit Kriegselefanten 218 vor Chr. die Alpen und fiel von Norden in das römische Italien ein. Doch die Römer obsiegten und beendeten den Einfluss Carthagos auf der iberischen Halbinsel.

Es dauerte jedoch mehr als 100 Jahre, bis Rom seine Herrschaft auf der iberischen Halbinsel gefestigt hatte. Unter Kaiser Augustus wurde diese Herrschaft in drei Provinzen ausgeübt: Hispania Tarraconensis – Hauptstadt Tarragona – , Hispania Baetia – Hauptstadt Cordoba – und Hispania Lusitania – Hauptstadt Merida. Auch unter den Römern war die iberische Halbinsel ein unerschöpfliches Reservoir an Legionären. Rom befriedete dieses Land durch die weitreichende Gewährung der römischen Staatsbürgerschaft und „öffentliche“ Ländereien – den Besiegten abgenommen – zur Bewirtschaftung durch die ehemaligen Legionäre. Die römische Herrschaft gründete sich auf 124 Städte mit bis zu 300 000 Bewohnern insgesamt. Sie tolerierte offenbar auch die Verehrung ganz verschiedener Gottheiten aus Ägypten – Isis Persien und Nordafrika. Die iberische Halbinsel ist reich an römischer Kunst und Infrastruktur. Unter Kaiser Theodosius I. (379-395) wurde das Christentum zur Staatsreligion.

Im 5. nachchristlichen Jahrhundert überfielen Kimbern und Teutonen, Franken und Alemanni und auch Ostgoten das Land. Es kam zu einer Koexistenz der „Barbaren“ mit den Römern.

Im 8. Jahrhundert gelangte die iberische Halbinsel zum großen Teil unter die muslimische Herrschaft der Mauren, die bis zum 15. Jahrhundert andauerte. Zur Zeit des Kalifats von Cordoba war Al-Andalus ein Zentrum der Gelehrsamkeit, sowohl im Bereich der Architektur, der Mathematik, der Medizin, als auch der Philosophie. Der bedeutendste kritische Vertreter, ganz auf Aristoteles und seiner Logik fußend, war Ibn Rushd, latinisiert unter dem Namen Averroes. Bis ins Mittelalter hinein beeinflusste er das europäische Denken so sehr, dass er auf einem Fresco von Raffael, das im Vatikan zu sehen ist, identifiziert werden kann. [Heute trägt die liberale Moschee in Berlin den Namen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee. Sie fühlt sich der Gleichheit aller gläubigen Muslime verpflichtet und will den Islam von innen heraus reformieren.]

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Moschee in Cordoba. Die Christen haben sie zu einer christlichen Kirche umgewandelt, aber nicht zerstört

Cordoba wurde zu einem führenden kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum des Mittelmeerraumes und der islamischen Welt. Cordoba hatte 113 000 Häuser und 600 Moscheen und eine Bevölkerung von 500 000. Zu dieser Zeit war sie die größte und wohlhabendste Stadt Europas noch vor Konstantinopel. Die islamische Herrschaft wurde schrittweise nach Norden ausgedehnt, bis die Franken unter Karl Martell in der Schlacht bei Tours 732 sie stoppte.

Die religiöse Toleranz des Islam war begrenzt: “Dennoch war das Massaker von 1066 an den Juden von Grenada kein ethnisches Pogrom, sondern der Höhepunkt eines Machtkampfes zwischen den Anhängern des jüdischen Wesirs Joseph ibn Naghrela und der Berberdynastie der Ziriden. Zu Massenmorden an Juden wie im Mitteleuropa vor dem ersten Kreuzzug oder beim Ausbruch der Pestepidemie von 1349 ist es in Al-Andalus nie gekommen: Dieser Vernichtungswille war eine Spezialität des Christentums“ (FAZ online 7.7.2020: Damals war religiöse Toleranz Familiensache). Andere Quellen belegen hingegen, dass es 1391 nach Ausbruch der schwarzen Pest in Valencia und anderen Städten Massaker an Juden gegeben hat.

1478-1492 fand die christlich-katholisch motivierte Rückeroberung statt – die Reconquista – der iberischen Halbinsel unter dem katholischen König Ferdinand II., der die Regionen Aragon und Kastilien durch Heirat vereinigte. Er verlangte den Übertritt der verbliebenen Anhänger des Islam zum Christentum. Gleichzeitig organisierte er die Inquisition gegen Juden und die, die vom Judentum zum Christentum übergetreten waren. Die Inquisition als korrupte Einrichtung beruhte hauptsächlich auf Denunziation. Für die Beschuldigten gab es keine Möglichkeit, sich zu verteidigen. Der Inquisitor war Ankläger und Richter in einer Person. Mehrere Tausend der conversos wurden angeklagt, gefoltert und öffentlich bei lebendigem Leibe verbrannt: sog. Auto-da-fés. Anderen gelang die Flucht aus dem Land.

1479 etablierten die spanischen Könige ihre Herrschaft über die kanarischen Inseln. Vorher hatte die Krone von Aragonien bereits viele Städte im Mittelmeerraum erobert. Schon damit hatte die spanische Kolonialherrschaft begonnen, die später die umfassendste der Welt war bzw. das größte Reich der Menschheitsgeschichte etablierte: in Amerika, Afrika, Asien und Ozeanien. Ihre Conquistadores schwärmten u.a. nach Mittel- und Südamerika aus, um den Ureinwohnern Gold zu rauben. Dabei vernichteten sie die Königreiche der Inka und der Maya. In ihrem Gefolge reisten die Missionare der katholischen Kirche, die davon überzeugt waren, sie brächten den „Wilden“ Gottes Segen. In Mittel- und Südamerika herrschten die Spanier u. a. durch Vizekönige von Mexiko bis Argentinien und Chile hinunter, nur nicht in Brasilien, das den Portugiesen „gehörte“. In Amerika besetzten sie 1513 Florida, das sie 1819 an die USA verkauften. In Afrika herrschten sie über Spanisch-Westafrika, das heutige Mauretanien und Marokko und in Spanisch-Guinea bzw. Äquatorialguinea. In Asien bezog sich ihre Kolonialherrschaft auf Spanisch Ostindien, die Philippinen (1565 – 1898) und auf Neuguinea.

Die spanische Kolonialherrschaft war so umfassend, dass heute noch in 18 Latein-amerikanischen Ländern und Puerto Rico Spanisch gesprochen wird. Auch in Florida war bis vor kurzen Spanisch eine der offiziellen Landessprachen.

1519 übernahmen die Habsburger mit Karl dem V. die Herrschaft über Spanien, nicht ohne vorher einige Auseinandersetzungen mit den Städten und dem Adel bestehen zu müssen. Das Reich war mit seinen Kolonien in Ost und West so riesig, dass Karl V. sagte: In meinem Reich geht die Sonne nie unter! Außenpolitisch musste sich Karl V. mit dem Expansionismus des osmanischen Reiches auseinandersetzen. Sein größter Sieg im Bereich des Mittelmeeres war die Eroberung von Tunis im Jahre 1535, was ihn dazu brachte, sich als „Bannerträger Gottes“ zu bezeichnen. Doch der Versuch seiner Truppen, Algier zu erobern, scheiterte und am Ende seiner Herrschaft standen sich im Mittelmeerbereich zwei gleichwertige Flotten gegenüber, die der Osmanen und die der Spanier.

Sein Nachfolger Philipp II. sandte den Herzog Alba in die spanischen Niederlande, um deren protestantisch-calvinistischen Aufstand, wie die Habsburger ihn als Häresie verstanden, brutal zu unterdrücken. Der Kampf dauerte 80 Jahre von 1568-1648. Er kennzeichnet den Beginn des spanischen Abstiegs als führende Kolonialmacht, auch weil es um eine zunehmende Rivalität mit Frankreich ging. Die spanische Armada, die die Unterstützung der Niederlande durch England unterbinden wollte, wurde 1588 vernichtend geschlagen. 1596 musste die Regierung von Philipp II zum 3. Mal ihre Zahlungsunfähigkeit erklären. (The New Encyclopaedia Britannica, Volume 28 1988, S.43). Und nun ein wertendes Zitat dazu: [„Yet, if Spain failed in its highest ambitions, at the end of the 16th century it was still the greatest power in Europe. It had brought Christianity to millions overseas – and to most contemporaries, if they thought it at all, it seemed worth the appalling price paid for it in terms of the lives and freedom of non-European peoples – and Protestantism, thought not destroyed, had been contained … moraly and economically there were dark sides to the picture, but to the Spaniards the 16th and early 17th century have always been their „Golden Century “, ebenda]

Dass eins der angesehensten Lexika der Welt derartig Partei ergreift für eine mörderische Kolonialmacht und ihre aggressive Kirche ist doch sehr befremdlich.

Als 1700 der letzte König der spanischen Linie der Habsburger ohne Thronfolger gestorben war, folgte Philipp von Bourbon, der Enkel Ludwig XIV. von Frankreich nach dem spanischen Erbfolgekrieg von 1701-1714. Napoleon setzte seinen Bruder Joseph Bonaparte als König von Spanien ein. Die Spanier wehrten sich in einem langjährigen Guerillakrieg gegen diese Fremdherrschaft. Nach Napoleons Abdankung kehrte Ferdinand VII. als König nach Spanien zurück.

1873 wurde die erste spanische Republik ausgerufen, die aber nur 23 Monate Bestand hatte. Im spanisch-amerikanischen Krieg von 1898 verlor Spanien Kuba, Puerto Rico, Guam und die Philippinen an die USA. Spanien war nicht am 1. Weltkrieg beteiligt. 1923 bis 1930 stand Spanien unter einer Militärdiktatur unter General Primo de Riviera.

1931 wurde die 2. Republik ausgerufen. 1936 erhielten die zur Volksfront zusammengeschlossenen Sozialisten und Republikaner 67% der Sitze. Die Regierung war damit demokratisch legitimiert, doch die Gruppierungen der Rechten wollten dies nicht anerkennen.

An dem deshalb folgenden Bürgerkrieg waren auf der einen Seite die Republikaner, unterstützt von der Sowjetunion, auf der anderen Seite die Nationalisten bzw. faschistischen Falangisten unter General Franco, militärisch unterstützt vom Hitler Reich und Italien unter Mussolini, beteiligt.

Am 26.4.1937 flog die „Legion Condor“L unter dem Befehl von Wolfram Karl Ludwig Moritz Hermann Freiherr von Richthofen (nicht der „rote“ Baron Richthofen aus dem ersten Weltkrieg!) vom Deutschen Reich aus Luftangriffe gegen den Ort Guernica im Baskenland und warf Spreng-, Splitter- und Brandbomben ab, sodass der Ort zerstört wurde und mehrere 100 Menschen, ausschließlich Zivilisten, ums Leben kamen. Guernica war damit zum Übungsfeld geworden, auf dem der Bombenkrieg aus der Luft, der Angriff auf unbeteiligte Zivilisten, eröffnet wurde: also die Ausweitung des Krieges von der Front auf die Zivilbevölkerung des Landes.

Spanien, Mural_del_Gernika, Nachbildung auf Fliesen in Originalgröße, Gernika-Lumo, CC BY-SA 3.0.jpg

Nachbildung des Gemäldes auf Fliesen in Originalgröße vor Ort, Gernica Luma, CC BY-SA 3.0

Guernica war nicht irgend ein Ort, sondern der herausgehobene Platz, an dem die kastilischen Könige jeweils nach ihrer Thronbesteigung per Eid die baskischen Freiheitsrechte bekräftigten. Picasso hat mit seinem eindringlichen Gemälde „Guernica“ aus dem gleichen Jahr diesen kriegsverbrecherischen Eingriff in einen Bürgerkrieg in einem fremden Land und dort auf dessen Zivilisten festgehalten und als weltweites Mahnmal etabliert.

Von 1936/39 nach dem spanischen Bürgerkrieg bis zu seinem Tode 1975 war Francisco Franco fast 40 Jahre der Diktator in Spanien. Der Bürgerkrieg zwischen seinen Faschisten und den Republikanern hatte 500 000 Tote zur Folge. In Francos Konzentrationslagern waren bis zu 400 000 Menschen interniert, dort wurden auch medizinische Experimente an den Häftlingen vorgenommen. Das letzte Lager wurde erst 1962 aufgelöst. Flüchtlinge vor der Franco Diktatur retteten sich nach Frankreich. Sie wurden jedoch seit dem 6.8.1940 von dort in das KZ Mauthausen verschleppt. Von den 7000 spanischen Häftlingen dort kamen 5000 ums Leben.

Spanien unter Franco hat mit dem Vatikan ein Konkordat abgeschlossen, dem zu Folge der katholischen Kirche das Bildungs- und Erziehungswesen weitgehend übertragen wurde. Hinzu kamen Steuerbefreiungen. Zivilrechtliche Scheidungen wurden abgeschafft. Bis 1979 gab es deshalb auch keine zivilrechtlichen Trauungen (Wikipedia).

1953 schließt das Franco Regime einen Truppenstationierungsvertrag mit den USA. Opus Dei, der katholische Laien-Orden besetzt alle wirtschaftlich bedeutenden Positionen im Kabinett und kann so zu einem „spanischen Wirtschaftswunder“ beitragen, ohne dass es zu einer politischen Liberalisierung kommt. Symbol dieses Aufschwungs ist der PKW SEAT 600.

1969 bestimmt Franco Juan Carlos I. zu seinem Nachfolger. 1975 stirbt Franco. König Juan Carlos I. führt Spanien in die Demokratie. 1976 wird eine neue Verfassung verabschiedet. Politische Parteien werden zugelassen, allgemeine, freie, gleiche und geheime Wahlen werden garantiert und ein Zweikammerparlament errichtet. Am 23.2.1981 kommt es erneut zu einem Militärputsch in Spanien: Einige Offiziere drangen bewaffnet ins Parlament ein und versuchten, die Parlamentarier zu vertreiben. Doch König Juan Carlos sprach sich entschieden für ein freies Parlament und die Demokratie aus. Damit brach der Putsch in sich zusammen.

Spanien tut sich schwer mit der Aufarbeitung der Schreckensherrschaft der Franco Diktatur. Seit 2000 werden Massengräber der Opfer geöffnet, um eine würdige Neubestattung zu organisieren. Nicht identifizierbare Opfer werden auf 30 000 geschätzt. Die Verlegung einer zentralen „Gedenkstätte“ an den Führerkult Francos – Valle de los Caridos (Tal der Gefallenen) nahe El Escorial, dem früheren Palast von Karl V. – war ein schwieriges Unterfangen der Regierung Sanchez. Die Tochter Francos lebte bis zu ihrem Tod 2017 – 91 Jahre alt – unbehelligt in Madrid und verwaltete das auf mehrere Hundert Millionen Euro geschätzte Familienvermögen. Ihr wird vorgeworfen, bis zuletzt die Gewaltherrschaft ihres Vaters verherrlicht zu haben.

Der Katholizismus ist in Spanien so tief verwurzelt, dass noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts Andersgläubige in Malaga nicht auf dem Friedhof beerdigt werden durften. Die Leichen wurden am Strand abgelegt und dort von streunenden Hunden zerfetzt.

Spanien kämpft auch gegenwärtig mit den Bestrebungen Kataloniens, sich von Spanien zu lösen und ein selbständiger Staat zu werden. Der Konflikt zwischen Barcelona als Landes-Hauptstadt der Katalanen und Madrid der Hauptstadt ganz Spaniens hat eine 300-jährige Vorgeschichte: Mit dem spanischen Erbfolgekrieg endete die (relative) katalanische Unabhängigkeit von der Zentralmacht. Das französische Heer eroberte am 11.9.1714 Barcelona. 1923 kassierte der Diktator Miguel Primo de Rivera die bestehenden kommunalen Selbstverwaltungsrechte der Katalanen, die in einer wirtschaftlich starken Region mit eigener Sprache leben. Im spanischen Bürgerkrieg hatte sich Katalonien zu einer Bastion gegen den heraufziehenden Faschismus von General Franco entwickelt. 1939 begann deshalb die Repression gegen Katalonien, u. a. mit der Abschaffung des Autonomiestatuts von 1932. 2006 stimmten in einer Volksabstimmung in Katalonien 73,95% der Wähler für ein neues Autonomiestatut – die Wahlbeteiligung lag allerdings nur bei 49%. 2010 wurde dieses Statut für weitgehend verfassungskonform vom spanischen Verfassungsgericht erklärt. Die konservative Regierung Spaniens wollte dies jedoch nicht anerkennen. Die katalanische Führung wollte daraufhin mehr: 2017 stimmte die Mehrheit des katalanischen Regionalparlaments in Barcelona für die vollständige Unabhängigkeit und die Ausrufung der katalanischen Republik. Das Verfassungsgericht in Madrid hat dies umgehend für verfassungswidrig erklärt und der spanische Senat, die 2. Kammer, hat mit großer Mehrheit die Absetzung der katalanischen Regionalregierung und die Entmachtung des Regionalparlaments verfügt. Die neue sozialdemokratische spanische Regierung unter Sanchez bemüht sich um eine Lösung des Konflikts im Dialog, hält aber unbeirrt an der Verfassung „eines Spaniens“ fest.

Ähnlich streben die 2,7 Millionen Basken nach Unabhängigkeit. Bis 1979 kämpfte die Terrororganisation ETA 50 Jahre gegen die spanische Zentralregierung mit Bombenanschlägen und Morden in Madrid, Bilbao und San Sebastian. 800 Opfer hat die ETA zu verantworten. 2014 erklärte die ETA schließlich, in Zukunft auf Gewalt zu verzichten. Doch ihre Waffen gaben ihre Mitglieder nicht ab (Süddeutsche.de 7.9.2017 Separatisten in der EU, Baskenland).

Putsch Aufrufe machen Spanien Angst“, so lautet die Überschrift einer Meldung der Rhein-Zeitung vom 10. Dezember 2020: „Ex-Generäle wollen die linke Regierung von Ministerpräsident Sanchez stürzen – Erinnerungen an 1981 werden wach“.

Spanien hat damit bis in die jüngste Vergangenheit eine sehr bewegte Geschichte aufzuweisen.

2. Grunddaten

Spanien hat eine gigantische Krise im Immobiliensektor, ähnlich wie in den USA, zu verkraften. Viele Gemeinden haben praktisch jedes nutzlose Agrarland als Bauland ausgewiesen und dabei 5% des Grundstückswertes als Gebühr kassiert. Bauträger ließen dort, finanziert von den Sparkassen, Ferienanlagen erstellen, die sie dann später verkauften. 2004 waren in diesem Boom 2 Millionen Arbeiter im Bausektor beschäftigt. Käufer der Immobilien finanzierten diese Gebäude mit variabel verzinsten Krediten, die sie bald nicht mehr bedienen konnten. Es kam zu hunderttausenden Zwangsversteigerungen. Zwischen 2008 und 2012 fiel der Wert der Immobilien um 30%. 2016 betrug die Steuerschuld des Bau- und Immobiliensektors 6 Milliarden Euro. Die folgende Krise der spanischen Sparkassen konnte zum Teil nur durch Verstaatlichungen und die Errichtung von „bad banks“ zur Entsorgung fauler Kredite gemildert werden. Fährt man an der Küste Andalusiens entlang, wundert man sich über die vielen vereinzelt über die Hänge verstreuten Bauruinen von Villen und Hochhäusern. Auf Nachfrage erfährt man, dass von 8 Bürgermeistern des Dorfes sieben im Gefängnis sitzen, weil sie korrupt „unter der Hand“ Baugenehmigungen außerhalb der Bebauungspläne verschachert haben.

Die Arbeitslosenrate, mit verursacht durch diese Krise, lag 2014 bei 24,4% und sank bis 2017 auf 17,2%, wobei die Jugendarbeitslosigkeit wesentlich höher liegt. Mit ein Grund: viele sprechen keine andere Sprache und bleiben zu Hause bei ihren Eltern.

Die spanische Wirtschaft ist die zwölft-größte Volkswirtschaft der Welt. Die spanische Landwirtschaft weist die größte Weinanbaufläche der Welt aus, wobei sich Rot- und Weißwein die Waage halten. In der Landwirtschaft sind 4,27% aller Beschäftigten tätig. Die Produkte sind Kartoffeln, Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Mais, Reis, Trauben, Tomaten, Zwiebeln, Zitrusfrüchte und Oliven.

Die Industrie ist geprägt von der Informations- und Kommunikationstechnologie, der metallverarbeitenden Industrie, dem Maschinenbau und der Petro Industrie. Zur spanischen Industrie gehören die SEAT Automobilwerke als Teil des VW Konzerns und die Beteiligung an den Airbus Produktionen mit Frankreich und Deutschland. 2019 arbeiten in der spanischen Industrie 19,7% aller Beschäftigten.

Spanien, _Valencia, IMAX Dome cinema and Palau de les Arts Reina Sofia, Santi Garcia, CC BY-SA 3.0.jpg

Valenzia, links Museum, rechts Kinodom und weiteres Museum, HuseyinUlucay, CC BY-SA 4.0 und rechts Santi Garcia, CC BY-SA-3.0 . Siehe auch in Bilbao im Baskenland, das avantgardistische Museum aus Titan, Glas und Kalkstein von Frank O´Gehry

Spanien, El_Museu_de_les_Ciències_Príncipe_Felipe_–_Bilim_ve_Uzay_Müzesi, HuseyinUlucay, CC BY-SA 4.0.jpg Der Dienstleistungssektor umfasst den Tourismus, der zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Spaniens gehört. Im Dienstleistungssektor arbeiten 76% der Beschäftigten (Angaben von statista).

Die Wachstumsraten des spanischen BIP lagen 2018 bei 2,35% und 2019 bei 2%. Mit dem BIP pro Kopf kaufkraftbereinigt erreicht Spanien einen Wert von 91% des EU Durchschnitts. Die Staatsverschuldung liegt vor Corona um die 100% – nach dem Maastricht Kriterium sind 60% erlaubt.

Spanien erlitt 2020 den stärksten Wirtschaftseinbruch in der EU: Rückgang des BIP um 12,4% gegenüber dem EU Durchschnitt von minus 7,4%. Hintergrund dieser Zahlen ist die starke Abhängigkeit Spaniens vom Tourismus.

2015 lagen die Anteile bei der Stromerzeugung in Spanien von Kohle und Atomkraft bei je 21%, gefolgt von der Windkraft mit 18,3%. Die Windenergie wird weiter beschleunigt ausgebaut. Damit ist Spanien Vorreiter in der Nutzung der Windenergie, auf Platz 2 in der EU. Sie ist besonders in der Region Castilla-Leon, in Galizien und Andalusien angesiedelt und als Offshore-Windparks vor Gran Canaria.

Spanien gehört zu den Nettoempfängern von EU Zahlungen. Der operative Haushaltssaldo, also der Abgleich der Einzahlungen in den EU Haushalt gegen die empfangene Summe betrug 2019 ein Plus von 730 Millionen Euro.

Spanien, Georges_Rochegrosse's_poster_for_Jules_Massenet's_Don_Quichotte, art Adam Cuerden restoration, Gemeinfrei.jpg

Georges Rochegrosse`s Plakat mit Dulcinea und Sancho Panza, ART Adam Cuerden Restauration, Gemeinfrei.

Kulturell ist auf den berühmtesten Dichter Spaniens, auf Miguel de Cervantes Saavedra (1547-1616) mit seiner tragikomischen Figur Don Quichotte zu verweisen. Sie hat zu mehreren musikalischen Schöpfungen angeregt, u.a. zu The man of La Mancha. Velasquez war ein bedeutender Portraitmaler, de Goya wurde zu einem sozialkritischen Maler, Joan Miro ein fantasievoller, farbenfroher Maler der Moderne.

Die Moschee von Cordoba, in die eine katholische Kirche hinein gebaut wurde, gehört zum Weltkulturerbe. In ihr wird zweimal am Tag katholisch gebetet; andere Gebete sind nicht zugelassen.

Kulinarisch wurden die spanischen Weine schon erwähnt. Paella ist das traditionelle Reisgericht aus Valencia angereichert mit Fisch und Fleisch. Tapas hat wohl jeder reisende Europäer schon gegessen.