Die Einwirkung unterschiedlicher Interessen

Generell gilt,  unterschiedliche Interessen wirken auf den Gesetzgebungsprozess  ein. Da sind zum einen die verschiedenen Parteien in den Parlamenten. Schon in ihnen vereinigen sich bereits unterschiedliche Interessen und Klientel Gruppen.

Der Einfluss des Lobbyismus

Da sind zum anderen  mächtige Lobbyverbände, die die Parteien  zu beeinflussen suchen bzw. direkt die Regierungen. Lobbyisten arbeiten massiv z.B. mit Spenden oder mit Einladungen zum Essen oder mit Geschenken, die oft an Bestechung grenzen. Oder sie richten z.B. aufwendig Kongresse für die Partei vor Ort aus und übernehmen nicht nur die Logistik, sondern auch alle Kosten. Und sie stellen möglicherweise sogar selbst Redner, die dann subkutan ihre Botschaft, verpackt in angeblich wissenschaftliche Ergebnisse, vermitteln.

Inzwischen werden Gesetzesaufträge auch oft juristischen Kanzleien überantwortet. Oft haben Lobbyisten zu diesen einen noch einfacheren Zugang als zur Regierung.

Einfluss der Zivilgesellschaft

Schließlich wirkt auch die Öffentlichkeit indirekt an der Gesetzgebung mit. Sie ist repräsentiert durch die Medien, sowie durch zivilgesellschaftliche Apelle und Aktionen. Organisationen wie z.B. Greenpeace oder Tierschutzorganisationen, wie Campact und Change org. oder WeMoveEurope und Fridays for Future, wie LobbyControl  und andere  mobilisieren die Öffentlichkeit. Neuerdings diskutiert man auch über die Einrichtung von Bürgerforen oder Bürgerparlamenten. Vereinzelt macht man auf unteren politischen Ebenen bereits gute Erfahrungen damit. Neuerdings findet auch in der EU eine sog. Konferenz zur Zukunft Europas statt. Hier sind Bürger*innen aus der gesamten EU eingeladen, ihre Ideen und Vorschläge einzubringen.

Politische Willensbildung in der Demokratie ist also ein komplexer Aushandlungs- und Kompromissfindungsprozess.

Gesetzgebung in der EU

In der EU ist die Gesetzgebung ein sehr komplizierter Abstimmungsprozess zwischen der Kommission, dem Parlament und dem Rat der Staats- und Regierungschefs der Nationalstaaten. Das EU-Parlament, das die EU-Bürger*innen ab 1979 direkt wählen konnten, hat von Beginn an um die sukzessive Ausweitung seiner Rechte kämpfen müssen. Das ist ihm zwar schrittweise gelungen, aber die Rechte entsprechen immer noch nicht ganz denen eines vollgültigen nationalstaatlichen Parlaments.

Eine wesentliche Kritik an der EU bezieht sich deshalb auf  die noch fehlende Kompetenz des EU-Parlamentes, einen Gesetzgebungsprozess selbst in Gang zu setzen, also initiativ zu werden.  Der zweite Kritikpunkt ist das noch immer fehlende eigene Budgetrecht. Allerdings hat das Parlament  offenbar, –  als es um die Zustimmung der Fraktion der Grünen zur Wahl von Frau von der Leyen zur Kommissionspräsidentin ging – wiederum ein neues Recht ausgehandelt, nämlich den legislativen Initiativ Bericht. Mit diesem kann das Parlament nun von der Kommission einen Gesetzesvorschlag einfordern. Die Präsidentin hat sich dazu verpflichtet, dann „zu liefern“. So verlautet es zumindest aus der grünen Fraktion (EFA, Europäische Freie Allianz).

Verordnungen und Richtlinien

Präsentation der Kommission in einem online meeting am 9.9.2020

Bei den Gesetzen, genannt Verordnungen und Richtlinien der EU, sowie den Gesetzen der einzelnen Mitgliedsstaaten ist jeweils nach ihrer Funktion zu fragen.

EU Verordnungen dienen zuvörderst der Harmonisierung des Rechts in den Mitgliedsstaaten. Diese haben oft eine ganz spezifische Geschichte und Tradition. Die EU-Verordnungen sind unmittelbar bindendes Recht. Sie müssen also nicht erst in den Nationalstaaten übernommen werden. EU-Gesetze heißen Verordnungen.

Gesetzliche EU-weite Verbote von Plastikprodukten z.B. sollen dem Schutz der Meere dienen und damit auch der Gesundheit der Bürger.

EU – Richtlinien dagegen müssen von den nationalen Parlamenten als eigene Gesetze abgestimmt werden. Hier können jahrelange Verzögerungen, um nicht zu sagen bewusste Verschleppungen eintreten.

Richtlinien können z.B. Grenzwerte für den Ausstoß von schädlichen Abgasen festlegen, um die Erderwärmung zu stoppen.

Die „Offene Methode der Koordinierung“ (OMK)

2000 hat die EU ein noch „weicheres“ Instrument (soft law)  geschaffen. Damit will die EU Reformprozesse anregen.  Die Kommission regt die einzelnen Regierungen an, nationale Pläne zur Verbesserung  aufzustellen. Dies geschieht in den  Bereichen Forschung und Entwicklung, sowie Beschäftigungs-, Renten- und Sozialpolitik und Unternehmensrecht sowie Umweltpolitik. Auch in Jugend- und Migrationspolitik und ab 2014 auch in der Gesundheitspolitik sind Pläne erwünscht. Wenn die Pläne nicht „ausreichend“ sind, wird nicht  getadelt. Die Kommission hofft stattdessen auf Lernprozesse. Positive Beispiele einzelner Länder, über die die Kommission berichtet, stoßen dann ggfs. in anderen Staaten einen solchen Prozess an. Die positiven Beispiele sollen als Ansporn dienen, selbst Modernisierungsprozesse in Gang zu setzen. Das ist die Hoffnung hinter den soft laws.

Kritiker bemängeln, so werde eine schleichende Verlagerung von Zuständigkeiten in Gang gesetzt.

Die Durchsetzung von Politik

Behörden der Verwaltung, das sind Ordnungsämter und die Polizei, sowie die Gerichte. Letztere sind für die Durchsetzung des gesetzten Rechts verantwortlich, falls Zweifel an der richtigen Handhabung bestehen.

Ein besonderes Kennzeichen demokratischer Staaten ist die Unabhängigkeit der Justiz. Die Möglichkeit für Parteien, aber auch für Bürger*innen besteht, die Gesetzmäßigkeit von Verordnungen und Gesetzen durch ein Verfassungsgericht überprüfen zu lassen. In der EU ist das der EuGH.

Die EU hat verschiedene weitere Organisationen, um die Gesellschaft in Europa zu gestalten. Da ist die Europäische Zentralbank, die EZB, sowie der Rechnungshof, außerdem das Amt für Betrugsbekämpfung genannt OLAF und inzwischen auch eine funktionsfähige Staatsanwaltschaft. EUROPOL ist die europäische Polizeibehörde. Und dann gibt es noch zwei Europäische Banken: die Investitionsbank, sowie die Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.

Da all diese Institutionen in dem vorigen Blog im Detail beschreiben worden sind, reicht hier deren einfache Nennung.