Die Veränderung der Voraussetzungen für die Wirtschafts-Produktion in den letzten Jahrzehnten
Chinas Wirtschaft wird vom chinesischen Staat massiv gefördert und finanziell unterstützt. Das führt dazu, dass China seine Produkte in Europa zu wesentlich niedrigeren Preisen anbieten kann als europäische Unternehmen. Denn letztere sind für ihre Bilanzen eigenverantwortlich. Sie müssen von ihren Erlösen nicht nur die Material- und Arbeitskosten zahlen, sondern in der Regel auch alle Investitionen, die sie tätigen wollen.
Die Europäer haben in den vorigen Jahrzehnten ihre Produkte gerne in China produzieren lassen, weil die Löhne und weitere Produktionskosten im Vergleich extrem niedrig waren. China galt als die Werkbank Europas. Im gleichen Zeitraum aber haben die Chinesen von den Europäern gelernt. Chinesische Studenten haben in Europa studiert und das „Know How“ mitgenommen . Und die chinesischen Arbeiter haben vom „learning by doing“ gelernt. Inzwischen ist daher nicht nur die chinesische Produktion billiger als die europäische, sondern auch technisch hochwertig. Und z.T. sind die Produkte bereits innovativer als diejenigen aus Europa. Denn die chinesische Wirtschaft ist modern und auch klimabewusst. Sie hat sich nicht, wie große Teile der europäischen Industrie auf ihren Erfolgen ausgeruht, wie z.B. besonders die deutsche Autoindustrie, die mit ihren Verbrenner-Modellen beinahe hoffnungslos abgehängt ist.
Hinzu kommt, dass das riesige chinesische Reich mit all den für die moderne Produktion notwendigen Metallen (z.B. Seltene Erden) reich gesegnet ist – im Gegensatz zu den europäischen Ländern.
Die komplexe Lage der Handelsbeziehungen
Da Chinas Wirtschaft vom Staat jeweils Fünf-Jahres-Pläne verordnet bekommt, produziert sie entsprechend. Aber der chinesische Markt selbst schwächelt und ist durch große Kaufzurückhaltung gekennzeichnet. Das aber bedeutet derzeit, dass China eine große Überproduktion in vielen Bereichen hat. Darum versuchen die Chinesen mit billigen Angeboten den europäischen Markt und auch den amerikanischen Markt zu dominieren. So haben sie es bereits Anfang des Jahrtausends z.B. mit der Produktion von Solarzellen gemacht. Ihre billigen Produkte haben die europäische Produktion von Anfang an unter Preisdruck gesetzt. Inzwischen ist das letzte Werk hier in Deutschland geschlossen, obwohl die Produktion vielversprechend und gut war und viel Hoffnung in diesen Sektor gesetzt worden war. Wer Solarenergie bei sich montieren möchte, ist nun auf chinesische Produkte angewiesen.
Derzeit hat China wohl die Auto-Industrie ins Auge gefasst. Der Abbau hier ist mit der Streichung von tausenden Arbeitsplätzen in vollem Gange. Allein VW will über die nächsten Jahre 100.000 Stellen weltweit abbauen, davon ca. 30.000 in Deutschland. Es wird bereits davon gesprochen, dass Europa aufpassen muss, nicht zur Werkbank Chinas zu werden.
Hinzu kommt, dass auch zwischen den USA und China ein riesiger Handelskonflikt stattfindet. Da der amerikanische Präsident Trump China mit großen Zöllen droht, weicht China zusätzlich mit diesen Produkten nach Europa aus.
Dem Handels-Dilemma zu Grunde liegende Zahlen
Die neuesten Zahlen vom August 2026 besagen, dass die chinesischen Exporte weltweit im Vergleich zum Vorjahr um 25% in die Höhe geschossen sind. Und die EU verliert mehr als eine Milliarde Euro pro Tag im Handel mit China. Fast 30% des weltweiten Handels finden mittlerweile zwischen der EU und China statt. Und etwas mehr als 30% (fast 35) des Welt-Brutto-Inlandsprodukts entfallen auf den EU-Chinahandel.
Allerdings ist der Handel stark zunehmend sehr unausgeglichen: Die EU hat 2025 ganz knapp Waren (und Dienstleistungen) im Wert von 200 Milliarden nach China exportiert. Importiert hat sie dagegen Waren und Dienstleistungen im Wert von gut 570 Milliarden. Das Handelsdefizit beläuft sich also jetzt schon auf mehr als 370!!! Jetzt schon, weil die Importe aus China in den letzten 10 Jahren um mehr als 90% gestiegen sind. Die Importe sind im Bereich von Telekommunikation und Audiogeräten, PCs und anderen Bürogeräten, sowie Elektrizitäts-Ausrüstung. Aus der EU werden hauptsächlich nur noch Automobile und Teile, die damit zusammenhängen exportiert. Selbst der Bereich der Dienstleistungen ist inzwischen für die EU in eine negative Bilanz gerückt.
Nun sieht sich auch die EU gezwungen, ihrerseits Maßnahmen gegen die Invasion von chinesischen Produkten zu ergreifen.
Konkretere Pläne
Ein großes Problem ist dabei, dass China u.a. mit einem Lieferstopp seiner „Seltenen Erden“ Europa maximal erpressen kann. Denn sie sind inzwischen nicht nur für die Verteidigungsindustrie unverzichtbar, sondern in der digitalen Welt in unzähligen Produkten, die die moderne Welt dominiert. Auch in der Produktion chemischer Stoffe hat China inzwischen maximal aufgeholt.
Und man denke nur an die Überschwemmung des europäischen Marktes mit (Wegwerf-)Mode. So sollten wir zugespitzt die Kleidung bezeichnen, die die Europäerinnen oft nur eine Saison tragen, um immer den „letzten Schrei“ präsentieren zu können. Hier hat die EU einen kleinen Hebel gefunden, um wenigstens die Paketflut etwas einzudämmen. Denn die Ware läuft nicht über den Einzelhandel, sondern über Direkt-Zustellung.
Aber die EU will unbedingt einen Handelskrieg mit China vermeiden. Und so reagiert sie umfassend:
Modernisierung der Zollunion der EU
Sie will die betreffenden Verfahren effizienter gestalten, die Sicherheitsmaßnahmen verstärken und das Risikomanagement in allen Mitgliedstaaten verbessern. Wie schon beschrieben (unter: einzudämmen), schafft sie in Lille (Frankreich) eine Behörde (EUCA), die ab 2027 mit ca. 250 Mitarbeiter*innen für alle Belange der Zoll-Angelegenheiten zuständig ist und auch alle Daten erfassen soll. Mit ihr wird auch eine einzige Online-Plattform geschaffen, auf der jedes Unternehmen sich genauestens informieren kann. Die nationalen Zoll-Behörden bleiben natürlich weiter bestehen.
Ein Grund mit für die umfassende Reform der Behandlung der Zoll-Fragen schreibt die EU, ist auch die Notwendigkeit, den zunehmenden elektronischen Handel zu bewältigen. Auf diesem Wege werden allgemeine Strafen für Verstöße eingeführt. Sie können bis zu 6 % des jährlichen Einfuhrwerts des Unternehmens im Vorjahr betragen, wie auch den Verlust bestimmter Zollprivilegien. Sogar Zugangsbeschränkungen zu Online-Plattformen können auferlegt werden.
Die Kommission legt im Sept. 2026 außerdem (u.a.) China bezogene Vorschläge vor
Sie will das europäische öffentliche Beschaffungsrecht reformieren nach dem Motto Europe first. So soll es in Zukunft Kommunen, Ländern und dem Staat erlaubt sein, europäische Firmen zu beauftragen, wenn andere Anbieter aus einem Staat kommen, der europäischen Bietern nicht den gleichen Zugang zu öffentlichen Aufträgen gewährt. Eine Verpflichtung, so zu verfahren soll daraus jedoch nicht werden. Welche Staaten von diesen möglichen Zurücksetzungen betroffen sein werden, wird noch zu diskutieren sein. Über diesen Weg hofft die EU, China vor allem aus strategischen Sektoren fernhalten zu können.
Eine andere Maßnahme hat die Kommission schon im Frühjahr 2026 auf den Tisch gelegt. Für Autobatterien und für Beton möchte sie, dass europäische Produkte bevorzugt werden müssen.
Der neue Kommissionsvorschlag umfasst überdies eine Änderung bei den Kriterien für die Auftragsvergabe: War bisher der Preis das wichtige Kriterium, sollen in Zukunft Kommunen und andere Beschaffer jeweils selbst festlegen können, welche qualitativen Kriterien bei ihrem Auftrag wichtig sind. Das können u.a. ökologische Kriterien sein, sowie Sicherheitsaspekte oder Arbeitsbedingungen bei der Herstellung.
Das alles bleibt den Diskussionen und Abstimmungen des Rates und des Parlaments vorbehalten. Mit anderen Worten: eine Entscheidung im Hinblick auf China lässt noch auf sich warten – obwohl die Sache dringlich ist.
Denn im Oktober erwartet die EU Vorschläge aus Peking, wie das Land mit der für Europa nicht zufriedenstellenden Handelssituation umgehen will.