Wasserstoff statt Gas

Die großen Vorteile von Wasserstoff und seinen Folgeprodukten liegen darin, dass man mit ihnen Energie leicht speichern und transportieren kann. Dies ermöglicht eine deutlich größere und flexiblere Energieversorgung. Ziel des Bundeswirtschaftsministeriums ist es, bis 2032 alle großen Erzeugungs-, Import- und Speicherzentren mit den relevanten Abnehmerinnen und Abnehmern in Deutschland zu verbinden. Und somit ist Wasserstoff ist für eine erfolgreiche Energiewende von zentraler Bedeutung – gerade für den Industriestandort Deutschland. Allerdings plant auch die EU die Produktion von grünem Wasserstoff zu einem Kernelement des Green Deal zu machen. Vor allem, wenn es um Wirtschaftssektoren geht, die sich nur schwer mit elektrischem Strom betrieben lassen. Und das sind die Stahl- und die Schwerlastindustrie, aber auch die Chemieindustrie.

Zuletzt jedoch lahmte der Wasserstoff-Hochlauf, der Ausbau der H2-Technologie in Deutschland – auch nach Meinung der CDU-Wirtschaftsministerin im Herbst 2026. Sie sieht das Kernnetz zur Weiterleitung, sowie ausreichend Speicher als das notwendige Rückgrat dieser Technologie an. Für sie spielt es keine Rolle, ob es sich um grünen oder auch nur um emissionsarmen (also eher blauen) Wasserstoff handelt. 2027 will sie 1,5 Mrd. Euro zur Verfügung stellen, um dem Ausbau bzw. Aufbau dafür neuen Schwung zu verleihen. Das soll dazu beitragen, Leitmärkte zu schaffen, z.B. für Windenergieanlagen oder auch für aus klimagünstigem Stahl erzeugte Schienen. Neben dem Bund stellen auch die Länder in den nächsten Jahren mehrere Milliarden für den Ausbau der Netze bereit.

Das geplante Kernnetz ist 9200 km lang. Das Gute ist, muss man nicht alles neu bauen. Sondern man kann das Netz vor allem durch die Umstellung bestehender Erdgasleitungen = 60% – realisieren und durch gezielte Neubauten -40% – ergänzen. Erzeugungsstandorte, Speicher und Industriekunden will man miteinander  verbinden.  Damit will man die Infrastruktur bereitstellen, die für den Markthochlauf von Wasserstoff notwendig ist.

Zwischen Lingen und Bad Bentheim hat eine erste Firma (Nowega) so eine umgestellte Leitung in Betrieb genommen, nachdem sie zuvor durchgespült wurde. Damit ist der Erweis erbracht, dass die Umfunktionierung läuft.

Sachsen-Anhalt ist ein Vorreiter für den Einsatz von Wasserstofftechnologie

Mit der Konzentration von Chemie-Industrie in der alten DDR hat das kleine Bundesland eine günstige Ausgangsposition für den Aufbau der neuen Technologie. Zudem ist es  inzwischen bereits durch eine umgestellte Pipeline mit der Ostsee von Lublin aus nach Bitterfeld-Wolfen verbunden. Sie ist über knapp 400 Kilometer lang. 2025 ist ebenfalls in Sachsen-Anhalt eine knapp 25 km  lange Wasserstoffleitung zwischen dem Energiepark Bad Lauchstädt und Leuna-Süd entstanden. Auch hier durch eine Leitungsumstellung.

Die Region profitiert massiv davon, dass  in diesem kleinen Industrieland die gesamte Wertschöpfungskette extrem nah beieinanderliegt. Es gibt enorme Mengen an Windstrom zur Erzeugung. Außerdem gibt es riesige unterirdische Salzkavernen in Staßfurt und Bad Lauchstädt zur Speicherung. Und schließlich ist da die Chemieindustrie, die den Wasserstoff sofort als Rohstoff abnehmen kann, sozusagen eine Einspeisegarantie bzw. ein sog. Leitmarkt.

Die Landeswasserstoffstrategie hat das Land im Juli 2026 beschlossen. Zu den Energieintensiven Unternehmen, die für eine klimaneutrale Produktion auf Wasserstoff angewiesen sind, zählen außerdem die Glas-, Zement- oder Stahlindustrie. Das Land will bis 2030 die Anbindung von 20 bis 30 industriellen Verbrauchszentren an die geplanten Wasserstoffleitungen des nationalen Kernnetzes unterstützen.  Dazu gehört in Sachsen-Anhalt  u.a. die wichtige Ost-West-Pipeline zwischen dem Mitteldeutschen Chemiedreieck, Magdeburg und dem niedersächsischen Salzgitter. Die -im Sept. 2026 abgewählte- Regierung hat geplant, die heimische Produktion von Wasserstoff von derzeit 60 Megawatt bis 2030 auf 600 MW zu verzehnfachen.

Auch die Umstellung zentraler Leitungsabschnitte, etwa zwischen Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt und dem Norden von Leipzig (Sachsen) befindet sich in der Planung. Besonders wichtig, weil der Abschnitt später auch das sächsische BMW-Werk versorgen soll.  Eine weitere 120 km lange Trasse ist ebenfalls in der Planung. Sie soll durch Sachsen nach Thüringen gehen und vorhandene Teilstücke vernetzen. Sie soll 2029 betriebsbereit sein.