Wärmepumpe ausgerechnet im kalten Schweden beliebt

Warum in Schweden? Wie konnte die schwedische Politik das realisieren? Die schwedische Regierung hat bereits 1991 ein CO²-Gesetz verabschiedet, das es in sich hatte. Die CO²-Steuer betrug ab da knapp 30 € pro Tonne. Aber beim Einbau einer Wärmepumpe gab es über Jahre steuerliche Entlastungen und zeitweise staatliche Energieeffizienz‑Programme. Diese Politik wurde von allen Regierungen seitdem eingehalten. Offenbar ist sie von Beginn an gut kommuniziert worden, sodass die Gesellschaft sie akzeptiert.    Ähnliches gilt für Dänemark und für Norwegen, wenn auch die energiepolitische Lage jeweils eine ganz andere ist.

Es gibt in Schweden kein Emissionshandel-System. Die Regierung legt den Preis fest. 2020 liegt er bei 110.-€ pro Tonne. Benzin im Tank, Heizen mit Öl – all das kostet in Schweden deutlich mehr als in anderen Ländern. Der CO²-Pteis liegt in 2026 bei rund 169 Euro pro Tonne (entsprechend carbontaxguide.com)

Da es in Schweden im Durchschnitt kälter ist als in Deutschland : zwischen etwa –3 °C im Süden und –10 °C im Norden (KI), ist die Wärmepumpe, die die Schweden bevorzugen, die Erdwärmepumpe, nicht die Luftwärmepumpe. Erstere wird auch in Deutschland verwendet. Allerdings eignet sich die Erdwärmepumpe eher bei Neubauten, denn dafür muss an die 100 Meter tief gebohrt werden. Und die Wärme wird dann als Fußbodenheizung verteilt.

„Schweden gehört mit 39,3 verkauften Wärmepumpen pro 1.000 Haushalte (2022) zu den europäischen Spitzenreitern„.  Deutschland dagegen belegt damals mit 6,7 Geräten den drittletzten Platz.

Schweden ist darüber hinaus besonders ambitioniert

Das übergreifende Thema aber ist dies: “ So haben es die Schweden in den vergangen drei Dekaden (bis 2021) geschafft, die Schadstoffemissionen um mehr als ein Viertel zu reduzieren, während die Wirtschaft im gleichen Zeitraum um 80 Prozent wuchs“. Das ist ein Lob von Seiten der IEA, der Internationalen Energieagentur. Und die Schweden gehen den einmal eingeschlagenen Weg ambitioniert weiter. So stand 2020 bereits fest: ab 20230  dürfen keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden. Und die Wirtschaft hat nach anfänglichem Zögern inzwischen erkannt, dass sie die Energiewende als echte Business-­Opportunity sehen kann, als „eine Möglichkeit, neue Märkte zu erschließen“. Allerdings sagt das der Koordinator der Regierungsinitiative „Fossilfreies Schweden“. Auch wenn Kernkraft dabei in Schweden weiterhin eine weithin akzeptierte, wichtige Rolle spielt, müssen wir anerkennen, dass Schweden dies alles nicht nur schon 2020 zu Papier gebracht hat, sondern dass es sich das Ziel gesetzt hat 2045 fossilfrei zu sein. Und dabei spielt die Wärmepumpe eine wichtige Rolle.

Die Situation in Deutschland unter Habeck

Die Ampel, also die rot/gelb/grüne Regierung unter dem Bundeskanzler Scholz  war vom Dezember 2021 bis zum Nov. 2024 im Amt. Ursprünglich hatte sie vor, den (festgelegten) CO²-Preis von 30 auf 35 Euro für Benzin, Diesel, Heizöl, Erdgas, LPG zu erhöhen, tat es aber nicht. Denn sie entschied sich, sie wollte die Bürger:innen damals nicht zusätzlich belasten. Man darf vermuten, dass der russ. Angriffskrieg gegen die Ukraine dabei eine Rolle spielte.

Habeck wollte für neu einzubauende Heizungen klimafreundliche Vorgaben. Jeder, der die alte Heizung in seinem Keller austauschen musste, sollte statt einer fossilen Heizung eine Heizung einbauen, die zu 65% erneuerbare Energien hätte nutzen sollen.

Dieser Gesetzentwurf wurde früh geleakt, als er gerade überlegt wurde. Sofort setzte eine scharfe emotionale Debatte ein. Mit einem Thema, das von früheren Kämpfen gegen „die Grünen“ bestens bekannt war. Der Tenor: die Grünen wollen den Deutschen vorschreiben, welche Heizung sie in ihren Keller einbauen müssen. Das geplante Gebäudeenergiegesetz wurde dann nur noch abwertend Heizungsgesetz genannt. Auch dieses Gesetz sollte umfangreiche Fördermittel enthalten. Das sollte ein wichtiger Bestandteil von Habecks Gesetz werden. Aber die Debatte wurde hoch emotional als Verbotsdebatte geführt, um das Gesetz zu verhindern. Dabei muss man wissen, dass z.B. die Springer-Presse genau in dieser Zeit nicht mehr der Familie allein gehörte. Ab 2019 waren große „private equity-Firmen“, also Firmen mit privatem Eigenkapital eingestiegen, die vor allem Öl- und Gasinteressen verfolgten. Die Ampelregierung zerbrach an dem massiven gesellschaftlichen Gegenwind und den damit sich verstärkenden Widersprüchen zwischen der FDP und den Grünen bei einem insgesamt wohl wenig überzeugten Kanzler, was die Transformation der Wirtschaft anbelangt. Ihm ging es vor allem darum, die Bürger:innen keinen Zumutungen auszusetzen.

Die Situation in Deutschland unter Reiche

2025 im Frühjahr kam eine schwarz/rote Regierung ins Amt. Schon die beiden Überschriften zu Deutschland machen deutlich, dass ein Regierungswechsel anders als in Schweden  Diskontinuität bedeutet.

2025 zahlen die Deutschen 55 € pro Tonne CO₂ im nationalen Emissionshandel (nEHS). Das ist der gesetzlich festgelegte Preis für Wärme und Verkehr. (Der Industrie/Strom (EU‑ETS) betrug 2022/23 → 80–84 €/t CO₂ durchschnittlich). Das sind Angaben der KI auf entsprechende Fragen.

Aber 2025 und im ersten Halbjahr 2026 hat der Kauf von Wärmepumpen – dank staatlicher Förderung – so stark angezogen, dass sie in dieser Zeit das meist verkaufte Heizgerät waren: 2025 knapp 300.000. Das sind fast 50% aller verkauften Heizungen (627.000).

Die neue CDU-Wirtschaftsministerin (K. Reiche) hat nun ein sehr wenig auf erneuerbare Energien ausgerichtetes  Gebäude-Energie-Gesetz vorgelegt. Gleichzeitig hat sie die Förderung für Wärmepumpen am Tag vor der Abstimmung im Parlament  über Nacht stark runter gefahren. Nun muss man sehen, ob sich die ideologische Debatte   –die es in Schweden nie gegeben hat– erneut aufheizt. Die Pflicht für „Erneuerbare“ entfällt für Hausbesitzer offenbar ganz. Stattdessen führt Reiche eine nun Biotreppe genannte Variante ein. Ab 2029/30 sollen dem fossilen Gas alle fünf Jahre 10% mehr  „Biogase“ beginnend mit 30% beigemischt werden. Aber erst 2045  sollen damit 60% erreicht werden. Allerdings zweifeln Fachleute an, ob es die „Biogase“ überhaupt in solchen Mengen geben wird. Und das Gesetz wird vor dem Bundesverfassungsgericht landen. Für die Wirtschaft heißt das erneut: Unsicherheit. Woraus soll sie sich einstellen?

Wie die EU zum Thema Wärmepumpe steht

Die EU plant zwar keine feste prozentuale Verpflichtung für die Bürger:innen für den Anteil von Erneuerbaren beim Thema heizen. Aber eine jährlich steigende nationale Pflicht, den Anteil  erneuerbarer Energien im Wärmesektor zu erhöhen. Das kann über Wärmepumpen, Geothermie oder Solarthermie geschehen, aber auch über die Nutzung von Fernwärme. Die kann man auch über Abwärme erzeugen. Grundlage dafür ist die Erneuerbare‑Energien‑Richtlinie (RED III) sowie das neue Programm AccelerateEU.  Und die EU will die Staaten dabei auch finanziell unterstützen. Speziell Wärmepumpen will sie fördern.

Ab Mai 2024 ist die Gebäude-Richtlinie der EU in Kraft: EPBD, ist also bis Mai 2026 umzusetzen.  Damit führt die EU für Neubauten den Nullemissionsstandard ein. Öffentliche Neubauten müssen ab dem 1. Januar 2028 emissionsfrei betrieben werden, für alle anderen Neubauten gilt diese Pflicht ab dem 1. Januar 2030.

Ob das neue Gebäudeenergiegesetz der K. Reiche mit der EU koordiniert ist? Und die Kappung der bisherigen Förderhöhe für Wärmepumpen? Die Hersteller und diejenigen, die bisher planten, eine neue einzubauen sind geschockt. Schließlich ist es jeweils viel Arbeit, bis es soweit ist, die Anträge auszufüllen.

Und vielleicht könnten wir in Deutschland uns für die Zukunft ja mal Schweden und Dänemark mit ihren Kontinuitäten im Energiesektor als Vorbild nehmen.