Was diese Chemikalien sind und können
Die Per- und Polyfluoralkylsubstanzen sind fett-, schmutz- und wasserabweisend. Entsprechend war ihre Erfindung ein großer Schritt nach vorn. Der Laie verbindet ihr Aufkommen vor allem mit Teflonpfannen, sowie mit Outdoorkleidungen. Aber die Palette der Anwendung ist riesig und wurde zunächst als Bereicherung empfunden. Der sog. Perlentest gibt Auskunft, ob es sich bei der Pfanne, der Jacke etc. um verarbeitetes PFAS handelt. Wenn das Öl/Fett nicht verläuft oder einzieht, sondern einen kugeligen Tropfen bildet, wurden wahrscheinlich PFAS eingesetzt.
Laut dem BUND Naturschutz Bayern handelt es sich bei PFAS um einen Oberbegriff für mehr als 4700 verschiedene Fluorchemikalien, eine davon PFOA (Copilot).
Warum sie problematisch sind
Die Firma Dupont scheint die erste gewesen zu sein, die 10 Jahre nach der Erst-Herstellung und Nutzung von PFOA 1961 im Staat Washington starke Hinweise darauf hatte, dass diese Chemikalie giftig sei. Sie eröffnete auch ein Werk in West-Virginia. Dort stellte sie 1981 vermehrt äußerst negative Auswirkungen auf viele ihrer Mitarbeiterinnen fest, wie z.B. Geburtsdefekte. Woraufhin Frauen nicht mehr mit Teflon arbeiten durften. 1989 fanden Mitarbeiter der Firma heraus, dass unter ihnen eine erhöhte Zahl von Todesfällen aufgrund von Leukämie auftrat. Und eine Mülldeponie, deren Land Dupont für ihre Abfälle von einem Farmer erworben hatte, führte dazu, dass Hunderte seiner Kühe starben. In darauf folgenden Gerichtsverfahren wurde die Verseuchung des Ohio Rivers, sowie auch des Grundwassers nachgewiesen….
Die PFAS-Chemikalien heißen nicht umsonst Ewigkeitschemikalien. Allen PFAS gemeinsam ist – vereinfacht gesagt, dass sie extrem stabile Kohlenstoff-Fluor-Bindungen enthalten. Über das Wasser gelangen sie auch in die Tiere, die wir essen.
Bislang ist es nicht gelungen, PFAS „wieder einzufangen“. Das heißt, die Chemikalien sind weder aus dem Wasser, noch aus den Lebensmitteln, in die sie gelangt sind, noch aus unserem Blut, noch aus unseren Organen wieder heraus zu holen. Im Gegenteil: sie reichern sich darin immer weiter an. Über die Muttermilch gelangen sie auch in die Babys.
Es gibt bereits für viele Anwendungsbereiche geeignete Alternativen. u.a. für die Pfannen. Ansonsten gibt es auf beiden Seiten (dafür und dagegen) zähe und erbitterte Auseinandersetzungen.
Inzwischen gibt es positive Nachrichten ganz anderer Art
Sie kommen aus der Schweiz. Dort forscht und arbeitet ein Start Up schon seit vier Jahren am Abbau von PFAS. Bisher kannte man nur die Möglichkeit, PFAS aus dem Wasser (Industriewasser) heraus zu filtern. Aber die Chemikalie blieb danach als hoch giftiger Sondermüll erhalten – dazu s.o. die Folgen, die die Müllhalde hatte. Nun jedoch ist es einem Schweizer Clean-Tech-Unternehmen in Pilotprojekten gelungen, die Chemikalie abzubauen und sie „permanent“ zu zerstören. Am 30.6. schreibt die Firma darüber:
Oxyle hat seine PFAS-Zerstörungslösung erfolgreich direkt bei einem Industriekunden vor Ort validiert und damit die Praxistauglichkeit der Technologie für den großtechnischen Einsatz belegt.
Und sie gibt bekannt, das sei dem Unternehmen zu 99,9% gelungen. Das Ergebnis gelingt mithilfe von „OxLight, der firmeneigenen photochemischen Reduktionstechnologie.“ Nun sei belegt, dass PFAS „im industriellen Maßstab effektiv abgebaut werden könne“. Das geglückte Pilotprojekt liefere die verfahrenstechnischen und betrieblichen Erkenntnisse, die für den großtechnischen Einsatz und eine breitere Markteinführung erforderlich seien.
Die Methode kombiniert UV-Licht mit speziellen Katalysatoren (Mediatorchemikalien), um die extrem widerstandsfähige Kohlenstoff-Fluor-Bindung aufzubrechen. Die PFAS werden dabei in harmlose mineralische Bestandteile wie Fluorid, Sulfationen und CO₂ umgewandelt. Dazu kommt, laut Firmenangaben: das PFAS-Behandlungssystem war in vollem Umfang im Einsatz und arbeitet mit weniger als 1 kWh/m³, ist also auch noch höchst energie-effizient.
Resumee
Die EU hatte im Zuge des Green Deals sowohl eine Glyphosat-Verordnung wie auch eine gegen PFAS ausgearbeitet und letztere im Oktober 2023 im Umweltausschuss des Parlaments verabschiedet. Aber beide scheiterten sowohl am Widerstand der Landwirtschaft, sowie der Chemie-Industrie. Schließlich zog die Kommissionspräsidentin die Pestizid-Verordnung im Frühjahr 2024 zurück. 2025 hat sie sie dann ganz aufgegeben.
Denn in der zweiten Periode der Kommissionspräsidentin liegt der Schwerpunkt nun auf Wettbewerbsfähigkeit. Das hat bisher bedeutet, mehrere Gesetze in sog. Omnibusverfahren zu verabschieden. In diesen sind fast alle Vorgaben für den Green Deal stark bis sehr stark entschärft worden. Eine Chemikalien-Verordnung ist noch nicht wieder auf den Tisch gekommen.
Insofern bedeutet das nun geglückte Verfahren zum Abbau von Ewigkeitschemikalien einen großen Hoffnungsschimmer für alle, die von „Vergiftungen“ betroffen sind. Und auch für alle, die sich mit Langmut und Kraft gegen zu viel Chemie in Form von PFAS einsetzen.