Euphorie im deutschen Wirtschaftsblätterwald

Die Überschrift über der vorigen europäischen Legislatur war: Green Deal. In der zweiten Amtszeit der Kommissionspräsidentin, U. von der Leyen heißt sie Wettbewerbsfähigkeit. Denn im Verhältnis zu den USA und China ist die Wirtschaft der EU zurückgefallen und muss darum kämpfen, mithalten zu können. Zählen wir also Fortschritte im Wettlauf um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu dem Thema Nachhaltigkeit -worüber sich streiten lässt- gehört diese Nachricht hierher.

Es geht dabei u. a. um die neuerdings viel diskutierte Frage, ob Europa in der Lage ist, genug Risiko-Kapital anzuziehen, wenn ein wagemutiger Unternehmer eine Idee für ein Start Up hat. Denn bisher hat Europa und vorneweg Deutschland häufig mit Spitzen-Forschung die Ideen geliefert. Aber die Umsetzung und Skalierung für die industrielle Produktion, die viel Geld erfordert und anfangs auch risikoreich ist, scheiterte hier sehr oft am nicht vorhandenen Kapital.

Mitte Juni 2026 nun  überschlagen sich die Nachrichten über Neura Robotics. z.B. … landet einen 1,4 Milliarden Dollar-Coup, … ergattert Rekord-Geldspritze, … erhält frisches Kapital, … vermeldet die höchste Start-Up-Finanzierungsrunde Deutschlands. Und das kurz nachdem die derzeitige Wirtschaftsministerin Reiche gerade beklagt hat, der europäische Tech-Boom stehe „auf einem schmalen Kapital-Fundament“.

Worum es bei Neura Robotics geht

Vertraut mit Abläufen in den USA hat sich der Firmengründer David Reger aus Baden Württemberg vorgenommen, in seiner Heimat einen Weltmarktführer in der Robotik zu schaffen. Er hat  seit langem für seine Erfindung geworben. Aber er ist mit seinen Robotern auch schon seit 2019, also seit sieben Jahren mit Sitz in Metzingen auf dem Markt. Seine kognitiven Roboter hätten ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal. Das sei  „die direkte Integration von Sensoren in das Produkt“. Bisher dagegen sei es lediglich Praxis gewesen, die Sensoren „rund um den Roboter herum zu platzieren“.  Die Roboter von Neura jedoch „erreichten eine höhere Wahrnehmungstiefe, Präzision und Flexibilität als bisherige Produkte“[3

Mit verschiedenen Produkten bietet der Unternehmer  sowohl in industriellen Bereichen wie auch im Pflegebereich bei der Mobilität Lösungen an. Sie erzielen mehr Präzision oder ersetzen körperlich monotone Arbeit. In der Industrie kann man die Roboter beispielsweise für Maschinenbedienung, Qualitätskontrolle oder zum Schweißen einsetzen. Aber auch, um schwere Gegenstände zu heben. Der Gründer positioniert seine Roboter strikt als Zivil- und Helfermaschinen für Industrie und Haushalt. Lukrative Anfragen aus der Rüstungsindustrie lehnt das Unternehmen kategorisch ab. Der Humanoide 4NE-1 soll den Menschen entlasten, nicht ersetzen oder bedrohen.

Wie das Unternehmen an so viel Kapital gelangte

Durch mannigfaltige Berichterstattung sowie den Gewinn mehrerer Auszeichnungen auch im Ausland wurden auch große amerikanische Geldgeber auf den Unternehmer aufmerksam. Der SWR konnte schon im Herbst 2025 von einem Großauftrag des Auto-Zulieferers Schaeffler berichten. Nach frühen Investorengeldern im Umfang von 120 Millionen Euro, kam nun ein Auftrag über 300 Millionen Euro. (Und Schaeffler plant für die Zukunft in seinen weltweiten Unternehmen den Einsatz von tausenden Robotern.) Aber die Auto-Industrie ist nicht der einzige Geldgeber. Auch Nvidia, der große amerikanische Chip-Hersteller beteiligt sich.

Und die Zeitschrift „Capital“ schreibt: „Statt ausschließlich aus dem Venture-Capital- oder Private-Equity-Bereich“ käme das Kapital auch „von einigen ungewöhnlichen Geldgebern“. Da sei z.B. das Stablecoin-Unternehmen Tether,  das die Neura-Roboter  „mit seinen Krypto-Wallets ausstatten will, um autonome Transaktionen zu ermöglichen“. Das sei etwas, „von dem in der Blockchain-Welt schon lange geträumt wird.“

[Eine Blockchain (auch Block Chain, englisch für Blockkette) ist eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen in einzelnen Blöcken.[1][2] Neue Blöcke werden nach einem Konsensverfahren erstellt. Mittels kryptographischer Verfahren hängt man sie an eine bestehende Kette an.  Die Blockchain wird auch als „Internet der Werte“ (Internet of values) bezeichnet und legt die technische Basis für Kryptowerte wie Bitcoin. Wikipedia] {Und KI erläutert:  Eine Blockchain ist eine dezentrale, unveränderbare Datenbank. In dieser speichert man Informationen in aufeinander verketteten Blöcken. Sie ermöglicht es, Transaktionen fälschungssicher, transparent und ohne zentrale Instanz zu dokumentieren.}

Dazu schreibt „Capital“, dies sei ein spezieller Markt. Auch seien das „höchst ungewöhnliche Geldgeber“.  Und insofern sei damit überdies ein „außergewöhnliches Risiko“ verbunden.

Was Neura Robotics erreichen will

Von der KI über die Steuerungssoftware bis hin zu den Sensoren entwickelt Neura Kernkomponenten im eigenen Haus. Dieser „Made in Germany“-Ansatz garantiert aus Unternehmenssicht höchste Datensicherheit. Und das macht das Unternehmen in diesem stark umkämpften Markt zu einem europäischen Champion.

Analysten von Barclays schätzen, dass der Markt für KI-basierte Roboter und autonome Maschinen bis 2035 auf rund 1 Billion Dollar anwachsen wird. David Reger hat das ehrgeizige Ziel, bis 2030 rund 5 Millionen Einheiten zu produzieren.

Ihm ist klar, dass er auf der einen Seite mit Elon Musk konkurriert, auf der anderen Seite mit China. Er hofft, dass die oben beschriebene Wahrnehmungstiefe seiner Roboter ermöglicht, dass Mensch und Maschine ohne teure Fabrikumbauten direkt im selben Raum arbeiten können. Außerdem fungiert seine kognitive KI als Betriebssystem, das in verschiedene Hardware-Formen gegossen wird.

Mit der Einsammlung der Milliarden wird sich „die Unternehmensbewertung auf etwa 4 Milliarden Euro katapultieren“. Neura steigt somit endgültig in die absolute Top-Liga der europäischen Tech-Einhörner auf, schreiben Analysten. Und: Damit  unterstreicht Neura Robotics seinen Anspruch auf die globale Weltspitze.

Tag der Industrie in Deutschland

Wir betrachten, was führende Politiker und Wirtschaftsbosse dort zur notwendigen bzw. unerlässlichen Entwicklung von KI in Deutschland und Europa vor 1500 geladenen Gästen gesagt haben. Denn es ergänzt die Einschätzung von Neura Robotics. So konstatierte die Geschäftsführerin und Chief Digital Officer bei Bosch, Tanja Rückert: (Bosch ist übrigens finziell auch an Neura beteiligt)

„Industrielle KI ist die Chance für Deutschland und Europa“. Und sie ergänzte: Gemeint ist KI in industriellen Prozessen, also in Produktion, Wartung, Logistik, Qualitätskontrolle oder Anlagensteuerung. Dort hilft sie, Abläufe effizienter, vorausschauender und belastbarer zu machen. Digitalminister Karsten Wildberger sagte darüber hinaus: „Tech-Souveränität ist eine Sicherheits- und eine Wachstumsfrage“. An der Sperrung von Anthropic für alle Nicht-Amerikaner sei das überdeutlich geworden. Die EU habe bei Deep-Tech-Entwicklungen „viel zu oft zugesehen“. Das dürfe sich bei KI nicht wiederholen. Und die gute Botschaft sei: es gebe einen konkreten Ansatzpunkt für KI „made in Europe“. Deutschland habe etwas, das andere nicht hätten: seine Industrie, seinen Mittelstand und deren unendlich vielen Daten. Denn trainiert werde die KI mit diesen Daten aus Industrie und Unternehmen – einem wahren und hier bei uns vorhandenem „Schatz“.