Der Europäische Rechnungshof arbeitet mit dem von ihm unabhängigen Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung OLAF mit Sitz in Brüssel zusammen. OLAF wurde 1999 gegründet und ist institutionell als Generaldirektion der Kommission eingegliedert, soll aber unabhängig arbeiten. Diese  Zwitterstellung – Teil der Kommission und gleichzeitig Behörde zu ihrer Überwachung – ist sehr misslich.

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2003 wurde die sog. EuroStat – Affaire aufgedeckt, wobei OLAF keine gute Rolle spielte. Bei der statistischen Behörde der EU wurden schwarze Kassen entdeckt, die durch fingierte Rechnungen gefüllt worden waren. Aus diesen schwarzen Kassen wurden teure Freizeitaktivitäten der EuroStat Mitarbeiter finanziert.

Der Europäische Rechnungshof legte 2005 einen Sonderbericht über OLAF vor, der folgende Kritikpunkte enthielt: Unzulänglichkeit der internen Aufsicht; die Zusammenarbeit mit den Mitgliedsstaaten seit der Aufnahme des Zollsektors sei erheblich verbesserungsbedürftig; es fehle an einer unabhängigen Kontrolle in Bezug auf die Rechtmäßigkeit von laufenden OLAF Untersuchungen.

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Dieser Bereich der Betrugsbekämpfung ist besonders sensibel und bedarf daher schonungsloser Aufsicht. Diese Behörde erscheint weiter in einem schlechten Licht dadurch, dass Journalisten, die die mediale Aufsicht wahrnehmen, in der Vergangenheit mit juristischen Prozessen von OLAF verfolgt wurden wie der Stern Korrespondent Hans Martin Tillack. Gerade Strafverfolgungsbehörden sind verpflichtet, die Grundrechte von Beschuldigten zu achten und jeden Versuch zu unterlassen, die Pressefreiheit einzuschränken.

Am 24.7.2020 meldet tagesschau.de, dass OLAF schon vor langer Zeit aufgedeckt habe, dass Victor Orban in Ungarn EU Gelder in die Taschen von Familienangehörigen und anderer Gefolgsleute „umgeleitet“ habe. Die Berichte seien der Staatsanwaltschaft in Budapest übergeben worden. Die habe aber keinen Anlass zu Ermittlungen gesehen.

Zum Verhältnis der EU Kommission und den EU Mitgliedstaaten zu OLAF schreibt Jeanne Rubner in ihrem Buch „Brüsseler Spitzen“ : „Die Antibetrugsbehörde OLAF, die eigentlich Wachhund der  Kommission sein soll, wird an der kurzen Leine gehalten…. Mittelfristig liegen die Probleme weniger bei OLAF als bei den EU Ländern. Sie sind es, die OLAF ausbremsen und den Ermittlern die Arbeit schwer machen.“ Die Zuständigkeiten müssen also neu geregelt werden. Europäische Behörden müssen in Fällen der Betrugsaufdeckung tätig werden, nicht nationale.